Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 5. Band, 1976

übersehen, Vb.

übersehen /Vb./
I. ü̱bersehen(er sieht über,) sah über, hat übergesehen umg. sich /Dat./ etw. ü. etw. nicht mehr sehen mögen, weil man es schon zu oft gesehen hat: ich habe mir d. Farbe, Muster des Kleides übergesehen; diese Sendung sieht man sich schnell, leicht über
II. überse̱hen(er übersieht,) übersah, hat übersehen
1. etw. überblicken, -schauen: hier [auf dem Hügel] saß man trocken im knisternden Herbstgras und übersah das ganze weite Tal Hesse 5,253 (Narziß)
2. /übertr./ etw. in zusammenfassender Sicht erkennen und beurteilen: mit einem Blick übersah er die Lage, diese Situation; er konnte nicht die Tragweite seines Entschlusses ü.; das ganze Ausmaß der Katastrophe läßt sich bis jetzt noch nicht ü.;
3. etw., jmdn. unabsichtlich nicht sehen, nicht beachten, nicht berücksichtigen: er hat beim Durchlesen, bei der Korrektur des Aufsatzes einige Fehler ü.; bei der Einschätzung der Umstände wurden wesentliche Faktoren ü.; umg. in der Hitze des Gefechtes etw. ü.; sie war gekränkt, weil sie bei der Begrüßung ü. wurde; jmdn., etw. absichtlich nicht sehen, beachten: jmdn. geflissentlich ü.; man übersah ihn einfach;

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Zitationshilfe
„übersehen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/übersehen>, abgerufen am 02.06.2020.

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