Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

Bein, das

Bein, das; -(e)s, -e /Verkl.: Beinchen/
1. Körperglied, das zum Stehen und zur Fortbewegung dient und aus Oberschenkel, Knie, Unterschenkel (und Fuß) besteht
a) des Menschen: das rechte, linke B.; die beiden Beine; krumme, gerade, dicke, dünne, schlanke, hübsche, lange, behaarte, bloße, nackte Beine; ein zerschossenes, amputiertes, lahmes, steifes, geschwollenes B.; ein offenes B.; ein B. über das andere schlagen; die Beine übereinanderschlagen, ausstrecken, anziehen, anhocken, spreizen; beim Gehen die Beine hochheben; beim Parademarsch die Beine werfen, salopp schmeißen⌝; bei der Gymnastik die Beine kreisen lassen; beim Bockspringen die Beine grätschen; die Beine auf den Stuhl legen; das B. ist ihm eingeschlafen; ein B. brechen; umg. dabei kannst du dir Arme und Beine brechen; das B. ist in Gips; das gebrochene B. schienen; er hat durch einen Unfall ein B. verloren; dem Verwundeten das B. abnehmen; jmdm. ein B. stellen (jmdm. unvermutet ein Bein in den Weg stellen, so daß er stolpert) /in übertr. Wendungen/ jmdm. (durch eine schwierige Prüfungsfrage) ein B. stellen; sich /Dat./ die Beine vertreten (nach langem Sitzen ein wenig gehen) umg. du kannst stehen. du hast noch junge Beine (bist noch jung) alles, was Beine hatte (jedermann), war unterwegs bei Mutter die Beine unter den Tisch stecken (sich bedienen lassen) das Fahrrad hat Beine gekriegt (ist gestohlen worden) keiner Fliege ein B. ausreißen können (niemandem etw. zuleide tun können) salopp scherzh. die Beine in die Hand, unter die Arme nehmen (laufen, sich beeilen) salopp sich /Dat./ (bei etw., für jmdn.) kein B. ausreißen (sich nicht überanstrengen) sich /Dat./ die Beine nach etw. ablaufen (lange nach etw. suchend herumlaufen) sich /Dat./ die Beine in den Bauch stehen (sehr lange stehen) ; jmdm. Beine machen (jmdn. dazu bringen, daß er sich beeilt) landsch. salopp (lange) Beine machen sich schnell davonmachen, laufen: Willst du gleich Beine machen, du loddriger Geselle Marchwitza Jugend 88; zuletzt hat der alte Zannowich mit seinen Kindern lange Beine machen müssen Döblin Alexanderpl. 17; Das hat aber noch lange Beine (dauert noch lange) Bredel Väter 220 kein B. überhaupt nicht, keine Spur: ich kann gar nicht besonders spielen, kein Bein Hausm. Abel 126; [die anderen Kartenspieler] kriegten kein Bein auf die Erde (kamen überhaupt nicht zum Zuge) Remarque Zeit zu leben 122; /sprichw./ Lügen haben kurze Beine (Lügen kommen bald an den Tag) am B. Krampfadern, eine Verletzung haben; mich friert an den Beinen /übertr./ umg. etw., jmd. ist jmdm. ein Klotz am B. (ist eine Behinderung, ein Hemmnis für jmdn.) etw. ans B. binden (etw. aufgeben, als verloren betrachten) landsch. umg. sich /Dat./ etw. ans B. binden (sich mit einer lästigen Verpflichtung belasten) auf einem B. stehen, hüpfen; das Baby steht schon sicher auf den Beinen; sich vor Schwäche kaum auf den Beinen halten können umg. schon früh auf den Beinen sein (schon früh aufgestanden sein) sie ist den ganzen Tag auf den Beinen (kann sich den ganzen Tag nicht setzen, ist den ganzen Tag unterwegs) /übertr./ die Anklage steht auf schwachen Beinen; auf eigenen Beinen stehen können (zur Selbständigkeit herangereift sein) umg. auf einem B. kann man nicht stehen /Aufforderung, ein zweites Glas Schnaps, Likör zu trinken/; der Vergleich hinkt auf beiden Beinen; eine Veranstaltung, Organisation auf die Beine stellen (organisieren, aufstellen) ein Heer von 100000 Mann auf die Beine bringen (aufstellen) die Kur hat ihn wieder auf die Beine gebracht (gesund gemacht) der Arzt wird ihm wieder auf die Beine helfen (ihn wieder gesund machen) einem Betrieb auf die Beine helfen (ihn wirtschaftlich lebensfähig machen) er ist wieder auf die Beine gekommen (ist physisch, wirtschaftlich gesundet) der fällt immer wieder auf die Beine (versteht, aus allen Wechselfällen des Lebens unbeschadet hervorzugehen) landsch. umg. sich auf die Beine machen (sich auf den Weg machen) einen Krampf im B. haben; einen heftigen Schmerz im B. spüren; umg. er hat es in den Beinen (hat Schmerzen in den Beinen) der Schreck ist ihm in die Beine gefahren; der Hund hat ihn ins B. gebissen; /übertr./ umg. scherzh. verhüll. der Klapperstorch hat sie, ihr ins B. gebissen (sie ist schwanger) umg. diese Musik geht in die Beine (regt zum Tanzen an) /sprichw./ was man nicht im Kopfe hat, muß man in den Beinen haben (wenn man etwas vergißt, muß man zweimal gehen) jmdn. mit dem B. stoßen; umg. mit Armen und Beinen um sich schlagen; mit den Beinen baumeln; das Baby strampelt mit den Beinen; sich beim Schwimmen mit den Beinen abstoßen; auf dem Barren mit den Beinen schwingen; mit gekreuzten, übereinandergeschlagenen Beinen sitzen; /übertr./ umg. mit beiden Beinen im Leben stehen (lebenstüchtig, praktisch veranlagt sein) umg. scherzh. er ist heute mit dem linken B. zuerst aufgestanden (ist übel gelaunt) umg. mit einem B. im Grabe stehen (in Todesgefahr sein) mit einem B. im Gefängnis stehen (in Gefahr sein, verhaftet zu werden) über die eigenen Beine stolpern, fallen; vor Ungeduld von einem B. auf das andere treten; jmdm. vor die Beine laufen; umg. das Kind läuft der Mutter vor den Beinen herum; jmdm. einen Knüppel zwischen die Beine werfen (gegen jmdn. intrigieren, jmdm. Schwierigkeiten machen)
b) von Tieren: die Beine der Säugetiere, Vögel, Frösche; das Rind hat vier Beine; verhüll. der Hund hebt das B. (läßt Wasser) /übertr./ landsch. umg. ein Schaf, Kalb mit fünf Beinen (etwas Unmögliches)
2. landsch. bes. ostmitteldt. Fuß: kalte Beine haben; die Beine tun mir weh;
3. /übertr./ schmaler Teil eines Möbelstückes, Gerätes, auf dem dieses steht: die Beine des Tisches, Schrankes, der Couch; an dem Stuhl ist ein B. abgebrochen; Stilmöbel mit geschweiften Beinen; die Beine des Fotostativs;
4. umg. Beinling: das rechte B. der Hose ist zu lang; eine Hose mit engen Beinen;
5. veralt. Knochen: Schnitzwerke in Holz und Bein Raabe II 5,4 (Wunnigel) ; /heute nur in Wortpaaren/ durch Mark und B. durch und durch: d. Blick, Schrei, Stimme ging ihm durch Mark und B.; der Schreck fuhr ihm durch Mark und B.; die Kälte dringt mir durch Mark und B.; umg. Stein und B.: Stein und B. schwören (leidenschaftlich beteuern), daß … es friert Stein und B. (es friert sehr stark)

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Zitationshilfe
„Bein“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Bein>, abgerufen am 24.09.2020.

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