Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

Charakter, der

Charạkter, der; -s, Charakte̱re [k..]
griech.
1. Wesen
a) Gesamtheit der individuellen geistig-seelischen Eigenschaften eines Menschen, wie sie in Gesinnung, Lebensführung und Verhalten zum Ausdruck kommen: jmd. hat einen guten, ausgeglichenen, starken, festen C.; ein Mensch mit anständigem, edlem, glücklichem C.; ein problematischer, schwieriger, schwacher, haltloser C.; ein schlechter, schändlicher C.; ein ausgeprägter, einseitiger, kleinlicher C.; jmd. ist von unbeugsamem C.; das ist ein guter Zug in seinem C.; seinen C. ändern, ausbilden, stählen; die Erlebnisse formten seinen C.; jmd. zeigt seinen wahren C.; er (be)wahrt seinen C. (bleibt seiner Wesensart, Gesinnung treu) Festigkeit des Willens, sittlich feste Veranlagung, Haltung: jmd. hat (keinen) C.; er ist ein Mann von C., mit C.; er hatte C. gezeigt; immerhin ist dies ein Beweis von Charakter und besonderer Willenskraft St. Zweig Balzac 49
b) der gesamte Mensch im Hinblick auf seine geistig-seelischen Eigenschaften: er ist ein anständiger C.; seine Freundschaft mit Fritz Tegularius, dem schwierigen und problematischen Charakter Hesse 6,365 (Glasperlensp.) ; in sich gefestigte, ausgeprägte Persönlichkeit: er ist ein C.; Sie sind ein in den Stürmen des Lebens gefestigter Charakter Brecht Dreigroschenroman 255; Es bildet ein Talent sich in der Stille, / Sich ein Charakter in dem Strom der Welt Goethe Tasso I 2; historische, bedeutende Charaktere; die großen Charaktere der Dramen Shakespeares; in der realistischen Dichtung typische Charaktere darstellen;
2. grundlegende Eigenart, Gepräge
a) einer Sache: der C. einer Landschaft, Gegend, Stadt; der C. einer Epoche, eines Baustils; der bösartige C. einer Krankheit; die Krankheit ist von bösartigem C.; den amtlichen Charakter der Verhandlungen voll zu wahren Kafka Schloß 345; der polemische C. einer Schrift; das Buch hat, trägt den C. einer historischen Untersuchung; etw. hat (keinen) C.; Die Wiener Malerei … hat erstaunlich wenig Charakter Hofmannsth. Prosa I 213 das Gespräch hat vertraulichen C. (ist vertraulich) die Besprechung trug offiziellen C. (war offiziell) die Unterhaltung nahm aggressiven C. an (wurde aggressiv)
b) eines Volkes: der C. einer Nation, der nationale C.;
3. /Sg. ungebräuchl./ veraltend Schriftzeichen, Buchstabe: Er zog ein mit Sonderbaren Charakteren geschriebenes Heft hervor Mörike 2,43 (Nolten) ; Ich verschaffte mir Kenntnis von chinesischen … Charakteren, denen mir die verschlungenen Silberlinien manchmal zu gleichen schienen Bergengr. Heiraten 142
4. veralt. Rang, Titel: Er habe den Charakter als Major Goethe 7,187 (Lehrjahre) ; so vernehmen Sie meinen Namen, Stand und Charakter Immerm. 1,88 (Münchh.)

Im WDG stöbern

a b c d e f g h i j
k l m n o p q r s t
u v w x y z - ' & µ
Zitationshilfe
„Charakter“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Charakter>, abgerufen am 05.12.2020.

Weitere Informationen zum Zitieren …


Weitere Informationen zum Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)