Figu̱r, die; -, -en
lat.
1. äußere menschliche Gestalt, Erscheinung
a) Körperform: sie hat eine gute, schlanke, stramme, schöne, hübsche, große, untersetzte F.; Nicht groß von Person, die Figur aber wohlerhalten Th. Mann 9,935 (Die Betrogene) seine F. im Spiegel betrachten, prüfen; Es [das Bild] stellte den Amtsrat in ganzer Figur vor Doderer Strudlhofstiege 362
b) Person, Mensch: jmd. ist eine interessante, dunkle F.; Miltitz war eine wichtige Figur im Regiment Renn Adel 145; umg. eine traurige, lächerliche, komische F. abgeben; er spielte in dem Prozeß eine traurige F. (Rolle) abwertend sich einer gekauften F. bedienen; Denke ich an Schauspieler wie G. K. und solche Figuren Langgässer Vergänglichkeit 94
c) umg. F. machen etw. vorstellen: Meine Frau wird auch im Kirchenstuhl unserer Dorfkirche Figur machen müssen Brecht Galilei 9 jmd., etw. macht eine gute, schlechte F. jmd., etw. wirkt gut, schlecht: Wirklich eine prachtvolle Figur macht Ihre Frau Gemahlin O. M. Graf Bolwieser 62; er macht eine unglückliche, unvorteilhafte, klägliche, leidliche, ungeschickte, prachtvolle F.; ich glaube, eine solche Klagerede müßte unter meinen übrigen Schriften gute Figur machen Feuchtw. Nero 329
2. (künstlerische) Menschen-, Tierdarstellung
a) geformt: eine F. aus Holz, Stein, Bronze, Marmor; monumentale Figuren; steinerne, hölzerne Figuren betrachten; Am besten, so schien ihm, gelang ihm die Figur, der er die Züge des Abtes Daniel gab Hesse 5,297 (Narziß) ; kleine Figuren aus Stroh, Knetmasse basteln, anfertigen; gemalt, gezeichnet: die Figuren auf einem Gemälde; die gemalten Figuren auf einem Fächer, einer Vase; ein blasser dunkler Junge, der müde auf einem Mauerrest hockte und Figuren in den weißlichen Staub zeichnete Böll Waage 50; der Matrose hat sich Figuren auf Arme und Brust tätowieren lassen; [ich] ließ die Glut meiner Zigarette vor meinen Augen Figuren beschreiben Hermlin Gemeinsamkeit 76
b) in Worten: das ist eine blasse, pralle, lebendige F.; M ist die positivste F. des Stückes; es werden in diesem Buch keine großen Worte gemacht, vom Autor nicht, und nicht von seinen Figuren Weiskopf 8,137
3. Spielstein, bes. beim Schach: die Figuren aufstellen, ziehen, setzen, wegnehmen, weiterrücken; der König ist die wichtigste F. im Schach; Spielkarte mit einer darauf abgebildeten Gestalt: Mir willst du eine Figur anhängen und hast einen Vierer in der Hand Kisch 1,131
4. Math. Gebilde aus Linien oder Flächen: geometrische, mathematische Figuren;
5. kleine, geschlossene Bewegungsfolge beim Tanz und Eiskunstlauf: Figuren tanzen; [er wurde] von der Tanzmeisterin gesteuert und auf die jeweils nächste Figur eines … südamerikanischen Tango vorbereitet Doderer Strudlhofstiege 537 sie begeisterte mit ihren Sprüngen und Figuren auf der Eisbahn alle Zuschauer;
6. Mus. Gruppe melodisch oder rhythmisch zusammengehöriger Töne: kurze, schnelle Figuren singen, spielen; unerbittlich wurde jeder Einsatz und jede Figur wiederholt Storm 1,140; mitten in einer F. abbrechen;
7. Sprachwiss. rhetorische Wendung: rhetorische Figuren; Das mit den armen Worten war wiederkehrende Figur bei ihm Wasserm. Wahnschaffe 2,212

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