Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

Hülle, die

Hülle, die; -, -n
1. etw., was einen anderen Körper umschließt und ganz bedeckt
a) eine schützende, wärmende, feste, undurchdringliche, durchsichtige, unscheinbare H.; die äußerste, letzte H.; die H. entfernen; die Hüllen abwerfen, fallen lassen; eine H. aus Leder, Stoff, Papier, Zellophan; Mädchen mit frischen, blühenden Mimosenzweigen, die sie sorgfältig in durchsichtigen Hüllen verwahrten Gaiser Nascondo 226; bis zur Einweihung ist das Denkmal noch durch eine H. den Blicken der Vorübergehenden entzogen; die H. des Ballons; die Käferlarve umgibt sich bei ihrer Verpuppung mit einer H.; den Schirm aus seiner H. herausziehen; eine H. für den Ausweis; die H. (der schützende feste Umschlag) des Buches den Brief in die H. (den Briefumschlag) stecken sie suchte in ihrem Koffer nach einer warmen H. (einem warmen Kleidungsstück) um mich in meiner neuen Hülle (meinem neuen Anzug) anstaunen zu lassen Marchwitza Jugend 90; die Frauen, die mit schwarzen Hüllen (Kleidern) steif und dunkel durch die Sonne ziehen Weisenb. Mädchen 9; /bildl./ in der ärmlichen H. (äußeren Erscheinung) verbarg sich ein großer Künstler geh. die H. der Nacht; eine neblige H. hatte sich über das Dorf gesenkt; Wie ist die Welt so stille, / Und in der Dämmrung Hülle / So traulich und so hold! M. Claudius Abendl.; eine H. des Schweigens; ich fühle, wie die letzten Hüllen des Unverstehens gefallen sind Rathenau Briefe 1,182; trotz der fremdsprachigen Hülle, in der ihnen Thomas Manns Lebenswerk entgegengetreten ist Dt. Literaturzeitg. 1962; /übertr./ geh. die fleischliche, leibliche H. (der menschliche Körper) geh. verhüll. die sterbliche, irdische H. ablegen (sterben) Tausende gaben der sterblichen H. (dem Leichnam) des großen Staatsmannes das letzte Geleit daß ich von seiner Hülle nicht Abschied nehmen … konnte Th. Mann 11,250
b) Bot. Hüllkelch: die H. umgibt den Blütenstand; bei den Doldengewächsen befinden sich Hüllchen am Grunde der einzelnen kleinen Dolden;
2. umg. in H. und Fülle, die H. und Fülle sehr viel, im Überfluß: etw. in H. und Fülle haben, besitzen; es gibt Obst in H. und Fülle; Alle Welt verdient Geld in Hülle und Fülle Kellerm. Totentanz 335; er könne sagen, daß es Arbeit die Hülle und Fülle gegeben habe Th. Mann 7,330 (Königl. Hoheit)
Zitationshilfe
„Hülle“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Hülle>, abgerufen am 15.05.2021.

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