Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

Leib, der

Leib, der; -(e)s, -er
1. Körper: ein schöner, gesunder, kräftiger, zarter, weißer, feingliedriger, schmächtiger, nackter, hagerer, häßlicher, kranker L.; zerrissene, verweste Leiber; der mächtige L. des Hirsches, Wallachs; die glatten Leiber der Schlangen, Fische; der Mönch kasteit seinen L.; Leib, Sinn und Herz haben Sie aufs freundlichste bedacht Rathenau Briefe 1,175; sie schützten mit ihren Leibern ihr Vaterland; eine Mauer von Leibern bilden; ein Dutzend Leiber fuhren erschreckt und verwirrt empor Welk Hoher Befehl 146; der L. des großen Staatsmannes wurde in die Nationalflagge gehüllt; Rel. der L. des Herrn, der L. Christi (die Hostie beim Abendmahl) sie flog am ganzen L. (vor Erregung, Angst, Kälte); er zitterte, schwitzte am ganzen L.; er ist gesund, krank an L. und Seele; er besaß, rettete nur das, was er auf dem L. trug; er hatte nichts auf dem L. (war nackt) umg. keinen trockenen Faden auf dem L. haben (völlig durchnäßt sein) bei lebendigem Leibe, lebendigen Leibes lebend: jmdn. bei lebendigem Leibe begraben; Alt sein, gewesen sein, gestorben sein bei lebendigem Leibe (noch zu Lebzeiten) Fürnberg Mozart-Novelle 62; sie verbrannten bei der Explosion lebendigen Leibes jmdm., sich /Dat./ die Kleider vom Leibe reißen; Rumpf: er schnürte ihm die Arme an den L. fest; die Beine an den L. ziehen; er faßte sie um den L. (Taille) Auf dem kläglichen Leibe aber saß ein gewaltiger Kopf Feuchtw. Jefta 17; /bildl./ als der Nebel zerriß, wurden die gewaltigen Leiber der Berge sichtbar; der L. des Schiffes (Schiffsrumpf) Der Krieg hatte mit seinen Krallen in den Leib dieser Stadt gehauen E. Claudius Grüne Oliven 146; umg. sie hatten kein (ganzes) Hemd mehr am, auf dem L. (waren sehr heruntergekommen) ; salopp sich /Dat./ alles auf den L. hängen (alles für Putz ausgeben) umg. der Anzug ist ihm (wie) auf den L. geschneidert (der Anzug paßt ihm sehr gut) ; das reißt ihm fast das Herz aus dem Leibe (erschüttert ihn tief)!; salopp sich /Dat./ für jmdn. die Beine aus dem L. rennen (jmdn. sehr umsorgen) man muß sich /Dat./ ja die Lunge, Seele aus dem Leibe schreien (sehr schreien) ; mir steckt eine Erkältung im L. umg. übertrieben ihm taten alle Knochen im Leibe weh (er fühlte sich wie zerschlagen) salopp übertrieben ich schlage dir alle, sämtliche Knochen im Leibe kaputt (schlage dich sehr) /übertr./ mit L. und Seele mit der ganzen Persönlichkeit, ganz und gar, vollkommen: jmdm., einer Sache mit L. und Seele gehören, ergeben sein; mit L. und Seele an seinem Beruf hängen, für etw. eintreten, sich einer Idee verschreiben; er ist mit L. und Seele Arzt, Musiker, Seemann; mit L. und Seele bei der Sache sein; L. und Leben die ganze Person: L. und Leben für etw. aufs Spiel setzen, wagen, hingeben, opfern; es besteht keine Gefahr für L. und Leben; jmdm. mit L. und Leben (ganz und gar) verfallen sein; am eigenen Leibe an sich selbst: etw. am eigenen Leibe erfahren, (ver)spüren müssen; etw. am eigenen L. ausprobieren; sie hatte sich /Dat./ das Geld am eigenen Leibe abgespart; salopp er rückte ihm immer mehr, näher auf den L. (rückte, kam ihm immer näher) ; jmdm. mit etw. auf den L. rücken jmdn. mit etw. bedrängen: er rückte ihm mit seinen Argumenten auf den L.; diese Rolle ist dem Schauspieler auf den L. geschrieben (ist direkt für ihn geschrieben) das Amt war ihm auf den L. zugeschnitten (paßte für ihn) umg. er hat kein Herz im L. (ist gefühllos) ; als er den Kranken sah, tat ihm das Herz im Leibe weh, drehte es ihm das Herz im Leibe herum; keinen Funken Ehrgefühl, kein Gewissen, keinen Stolz im Leibe haben; ich fuhr mit kalter Angst im Leibe zurück Rinser Mitte 169; sie hat den Teufel im Leibe (ist wild, bösartig, zu Streichen aufgelegt) salopp er hatte eine Stinkwut im Leibe (war sehr wütend) ; bleib mir drei Schritte vom Leibe (komm mir nicht zu nahe)!; bleib mir damit vom Leibe (behellige mich nicht damit)!; sich /Dat./ jmdn., etw. vom L., Leibe halten sich jmdn., etw. fernhalten: er hielt sich seine Verwandten vom Leibe; sie hält ihm alle Unannehmlichkeiten vom Leibe; umg. jmdm. zu Leibe gehen, rücken (jmdn. angreifen) ; einem Mißstand, Unrecht, einer Krankheit, Schwierigkeit zu Leibe gehen (an einen Übelstand herangehen, um ihn zu beseitigen, etw. bekämpfen)
2. Bauch, Unterleib: ein dicker, aufgetriebener, hoher, abwertend fetter, feister⌝ L.; geh. gesegneten Leibes (schwanger) sein jmdn. in, vor den L. treten; Schweig! Ich gebe dir Tritte in den Leib, wenn du schlecht von dem Jungen sprichst Wedekind Pandora II; jmdm. das Messer in den L. rennen; umg. gut bei Leibe (wohlgenährt) sein Magen: er hat noch nichts im L. (noch nichts gegessen) er hat heute nichts (Ordentliches) in den L. bekommen; er eilte ohne einen (warmen) Bissen im L. zur Arbeit; salopp er schlug sich /Dat./ den L. voll (aß übermäßig viel)

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Zitationshilfe
„Leib“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Leib>, abgerufen am 12.08.2020.

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