Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

Licht, das

Licht, das; -(e)s, -er/ dicht. -e
1. /ohne Pl./ mit dem Auge wahrnehmbare Helligkeit, Strahlung, die durch elektromagnetische Schwingungen hervorgerufen wird
a) das L. der Sonne, des Mondes, der Sterne; das L. einer Lampe, Kerze; L. und Schatten; ein strahlendes, helles, grelles, hartes, fahles, weiches, sanftes, mildes, warmes L.; gebrochenes, zerstreutes L.; bei dämmrigem, düsterem, trübem, gedämpftem, mattem, schlechtem L. arbeiten; das spärliche L. einer Lampe; der Platz lag im vollen L. der Sonne; natürliches, künstliches, elektrisches, infrarotes, ultraviolettes L.; schräg einfallendes, auftreffendes L.; das L. bricht sich im geschliffenen Glas; das L. blendet; das L. täuscht (etw. erscheint bei bestimmter Beleuchtung anders, als es in Wirklichkeit ist) der Spiegel wirft das L. zurück; diese Lichtquelle spendet, gibt wenig L.; umg. der Lampenschirm schluckt viel L.; du hast hier kein gutes L. zum Schreiben; etw. gegen das L. halten; umg. jmdm. aus dem L. gehen (beiseite treten, um nicht zwischen jmdm. und einer Lichtquelle zu stehen) jmdm. im Licht stehen (zwischen jmdm. und einer Lichtquelle stehen und ihm dadurch die Sicht verdunkeln) rotes, gelbes, grünes L. /Verkehrssignale an einer Straßenkreuzung/; bei grünem L. die Straße überqueren; die Verkehrsampel zeigt grünes L.; /bildl./ Neupräg. umg. grünes L. geben Handlungsfreiheit geben: das Buch gab der neuen literarischen Richtung grünes L.; die Wissenschaftler erhielten grünes L. für ihr neues Forschungsprogramm; jmdm., sich /Dat./ selbst im L. stehen (jmdm., sich selbst hinderlich sein und schaden) /sprichw./ wo viel L. ist, ist auch viel Schatten (wo sich viel Positives findet, gibt es auch Negatives) geh. /als Sinnbild des Leuchtenden, der strahlenden Helligkeit/ Wenn in dieser Zeitspanne der Menschheit … auch die Finsternis über das Licht triumphierte Kasack Stadt 550; das L. der Wahrheit in die Finsternis tragen; Rel. das L. der Welt /Jesus Christus/ /in übertr. Wendungen/ Klarheit: dadurch fällt L. in diese Angelegenheit (dadurch wird diese Angelegenheit geklärt) L. in eine Angelegenheit bringen (eine Angelegenheit aufklären) etw. wirft L. auf etw. (etw. trägt zur Klärung von etw. bei) /mit bestimmten Adjektiven/ bestimmte Sicht, Einschätzung: etw. im guten, besten, rosigen L. sehen (etw. von der besten Seite sehen) etw. im rechten, (un)günstigen L. darstellen, zeigen; etw., jmd. erscheint in einem ganz neuen, anderen, in einem schlechten L. (etw., jmd. wird ganz neu, anders, schlecht beurteilt) etw., jmd. zeigt sich in einem günstigen L. (etw., jmd. macht einen günstigen Eindruck) jmd., etw. gerät in ein schlechtes, umg. schiefes⌝ L.; etw., jmdn., sich ins rechte L. setzen, rücken, stellen (die Vorzüge von etw., jmds. Vorzüge richtig zur Geltung bringen) etw. wirft ein schlechtes, merkwürdiges L. auf jmdn., etw. (etw. läßt jmdn., etw. schlecht, merkwürdig erscheinen) umg. auf jmdn. fällt ein schlechtes L. (man bekommt einen schlechten Eindruck von jmdm.) ein Ereignis im L. (unter dem Blickpunkt) der Geschichte sehen, betrachten er steht im L. der Öffentlichkeit
b) /nicht mit unbest. Art./ Tageslicht: L. fällt durch das Fenster; Der Krankensaal … bekam sein Licht zur Rechten vom Fenster A. Zweig Grischa 133; ein Atelier mit gutem L.; das Neonlicht täuscht, bei L. sieht der Stoff ganz anders aus /bildl./ bei L. besehen, betrachtet genau genommen: bei Lichte besehen sei doch jeder Geschäftsmann ein Gauner Th. Mann 1,324 (Buddenbr.) etw. ans L. bringen (etw. aufklären, etw. vor die Öffentlichkeit bringen) etw. kommt, tritt ans L. etw. klärt sich auf, kommt vor die Öffentlichkeit: alles kommt ans L. der Sonne; ein … Mord kommt ans Licht L. Frank 2,320; jmd., jmds. Tat scheut das L. (des Tages) (jmd., jmds. zweifelhafte, dunkle Tat will im Verborgenen bleiben) geh. das L. der Welt erblicken (geboren werden)
c) /nicht mit unbest. Art./ künstliche, meist elektrische Beleuchtung: das L. einschalten, umg. anknipsen, andrehen; L. (an)machen; das L. ausschalten, auslöschen; umg. das L. ausmachen, ausknipsen, ausdrehen; im Zimmer ging plötzlich das L. aus, an; sie hat aus Versehen das L. brennen lassen; im oberen Stockwerk brannte, war noch L.; bei L. (nicht bei Tageslicht) arbeiten, nähen er bezahlte monatlich 5 Mark für L. und Gas; umg. elektrische Beleuchtungsanlage: es gab im Haus noch kein (elektrisches) L.; L. und Gas legen lassen;
2. /Verkl.: Lichtchen, Lichtlein/ Lichtquelle
a) /Pl.Lichter, dicht. Lichte/ Kerze: ein L. brennt (nieder, ab), flackert, knistert, tropft, verlöscht, verglimmt; das brennende L. ausblasen; Allüberall auf den Tannenspitzen / Sah ich goldene Lichtlein sitzen Storm Knecht Rupr.; Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen Weihnachtsl.; (am Christbaum) die Lichter anstecken, anzünden; ein L. auf einen Leuchter aufstecken; d. Garage, Dachboden darf mit offenem L. (mit frei brennender Lichtquelle) nicht betreten werden /übertr./ umg. jmdm. ein L. aufstecken (jmdn. aufklären) salopp jmdm. geht ein L. auf (jmd. versteht endlich, jmdm. wird etw. klar) umg. jmd. ist kein (großes) L. (jmd. ist nicht sehr intelligent) sein L. leuchten lassen (seine Kenntnisse, Verdienste bewußt zur Geltung bringen) sein L. unter den Scheffel stellen (seine Kenntnisse, Verdienste verbergen)
b) /Pl.Lichter; meist im Pl./ etw., das weithin leuchtet, strahlt: Lichter blitzen in der Ferne auf; dort unten liegt schon der Bahnhof Moirey mit spärlichen Lichtern A. Zweig Erziehung 250; nachts sah man im Tal die Lichter der Großstadt; geh. Quellende, schwellende Nacht, / Voll von Lichtern und Sternen Hebbel I 6,143; ein hell erleuchteter Passagierdampfer … glitt am Horizont dahin, und wir sahen seinen funkelnden Lichtern nach H. W. Richter Spuren 170; auf der Insel, dem Leuchtturm blinkt ein L.; Verkehrsw. Lampe, die nachts Standort und Bewegungsrichtung von Wasser- und Luftfahrzeugen kennzeichnet: das Schiff, Flugzeug muß nachts Lichter führen /bildl./ der Maler hat hier und da besondere Lichter aufgesetzt (hat hier und da die hellsten Stellen durch entsprechend helle Farbtupfen oder besondere Maltechnik herausgeholt) /übertr./ die Lichter setzen, einer Sache die Lichter aufsetzen etw. hervorheben, akzentuieren, Akzente setzen: bei einem Schauspiel, einem Musikstück die Lichter setzen;
3. Jägerspr. /Pl.Lichter/ Augen des Haar-, Schalenwildes: die Lichter eines Rehs, Hirsches; helle, grünlich schimmernde Lichter eines Luchses; als du … den Rehbock trafst, / so daß er klagend seine Lichter schloß G. Hauptm. Schluck u. Jau I
4. /Pl.Lichter/ salopp scherzh. herabhängender Nasenschleim (einer Kindernase): Der kleine Martin krabbelte ihr auf den Schoß, lange Lichter unter den Nasenlöchern und rücksichtslos schreiend Scharrer Hirt 149; Der Junge zog ein kräftiges Licht hoch Tucholsky Rheinsberg 308

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Zitationshilfe
„Licht“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Licht>, abgerufen am 04.08.2020.

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