Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

Liebe, die

Liebe, die; -, /ohne Pl./
1. starkes Gefühl der Zuneigung
a) für jmdn., bes. eine Person anderen Geschlechts: L. auf den ersten Blick; die L. macht blind /sprichw./ alte L. rostet nicht; scherzh. die L. geht durch den Magen (die Sympathie des Mannes zu einer Frau wird durch gutes Essen, das sie ihm vorsetzt, bestimmt) umg. scherzh. wo die L. hinfällt /drückt Verwunderung darüber aus, daß jmd. sich gerade in solch einen Partner verliebt hat/; mütterliche, brüderliche, elterliche, kindliche, eheliche, geschlechtliche L.; innige, zärtliche L.; eine stille, heimliche, (un)glückliche, treue L.; reine, keusche, platonische L.; sinnliche, sündige, käufliche L.; die freie L.; die L. ist in ihm erwacht; seine L. zu ihr erstarb, ist erkaltet, erloschen; geh. die Bande der L.; O daß sie ewig grünen bliebe, / Die schöne Zeit der jungen Liebe! Schiller Glocke; verhüll. der Junge ist ein Kind der L. (uneheliches Kind) jmds. L. erwecken, gewinnen; er gestand, beteuerte, geh. erklärte, bekannte⌝, verbarg dem Mädchen seine L.; sie erwiderte, verschmähte seine L.; zu jmdm., für jmdn. L. empfinden, fühlen, geh. hegen ; jmdm. seine L. zeigen, beweisen, die alte L. bewahren; er hat die L. genossen, in seinem Leben nicht viel L. geh. erfahren⌝; die L. der Eltern zu den Kindern, des Mannes zu seiner Frau; die L. zu seiner Familie gab dem Mann immer wieder Kraft; die L. des Vaters half ihr über vieles hinweg; Mein Leben ist arm an Liebe gewesen Hesse 5,316 (Narziß) ; er hat sie aus L. geheiratet der jeden Fehltritt entschuldigt, wenn er aus Liebe geschehen ist St. Zweig Balzac 133; mit abgöttischer, grenzenloser L. an jmdm. hängen umg. (es ist) wenig, aber mit L. /wird entschuldigend bei Überreichung eines zwar kleinen, aber von Herzen gern gegebenen Geschenkes gesagt/; jmd. ist in L. (zu jmdm.) entbrannt diese zwei jungen Menschen … die sich in Liebe gefunden haben Brecht Dreigroschenroman 437; er hat Glück (Erfolg) in der L. umg. scherzh. die beiden leben von der L. (brauchen vor lauter Glückseligkeit nichts zu essen) ; salopp jmdn. vor L. fressen wollen (sehr gern haben) ; /übertr./ das ist noch nicht die wahre L. (so geht es noch nicht, gefällt es mir noch nicht) scherzh. das tut der L. keinen Abbruch (das schadet nichts)
b) für eine Sache, Idee: die L. zum Leben, Frieden, zur Freiheit, Wahrheit, Gerechtigkeit; seine L. zur Natur, Kunst, Musik; seine ganze L. gehört dem Sport; Lust und Liebe sind die Fittiche / Zu großen Taten Goethe Iphigenie II 1; Lust und L. zu etw. haben; umg. das Essen war mit viel L. (Sorgfalt, innerer Anteilnahme) gekocht
2. Barmherzigkeit, Mildtätigkeit: die göttliche L.; eine Tat christlicher L.; Werke der L. tun; jmdn. mit hingebender, ausdauernder L. betreuen, pflegen /übertr./ umg. etw. mit dem Mantel der L. zudecken (über etw. Unangenehmes nachsichtig schweigen)
3. umg. Gefälligkeit, Freundlichkeit: tu mir die L. und rauche nicht mehr; jmdm. eine L. erweisen; bei aller L. (bei allem Entgegenkommen) kann ich dir den Wunsch nicht erfüllen /sprichw./ eine L. ist der anderen wert
4. umg. Person, der jmds. starkes Gefühl der Zuneigung zuteil wird: sie ist seine erste, große L.; Mach dir keine Sorgen, sagte ich und strich meiner alten Liebe die Sorgenfalten … aus dem Gesicht Hartung Wunderkinder 195
5. Brennende Liebe s. brennen

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Zitationshilfe
„Liebe“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Liebe>, abgerufen am 05.08.2020.

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