Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

Mantel, der

Mantel, der; -s, Mäntel
1. /Verkl.: Mäntelchen/ den Rumpf und einen Teil der Beine bedeckendes, an der Vorderseite zu öffnendes, langärmeliges Bekleidungsstück, das zum Schutz gegen Kälte, Regen über dem Anzug, Kleid getragen wird: ein warmer, dicker, dünner, leichter, weiter, langer, kurzer M.; ein heller, dunkler, brauner M.; ein eleganter, sportlicher, imprägnierter, neuer, abgetragener M.; ein M. aus Wolle, Popeline; den M. anziehen, überziehen, ausziehen, ablegen; sich /Dat./ den M. umhängen, überwerfen; jmdm. in den, aus dem M. helfen; jmdm. den M. halten; einen M. anhaben, tragen; sie ist schon in Hut und M.; den M. zuknöpfen, offenlassen, über dem Arm tragen; sich in seinen M. hüllen; den M. an der Garderobe abgeben; /bildl./ geh. die Insel hatte sich wieder mit Grün bedeckt, als hätte niemals ein Mantel von Schnee und Eis auf ihr gelegen Wiechert Einfaches Leben 285; dicht. die Landschaft lag unter dem M. der Nacht; den M. der (christlichen) Nächstenliebe über eine Verfehlung, etwas Unangenehmes breiten (über eine Verfehlung, etwas Unangenehmes nachsichtig schweigen, hinwegsehen) daß wir über die üble Affäre den Mantel des Vergessens breiten Dürrenmatt Besuch II; das Geschehene wollen wir mit dem M. des Schweigens bedecken, zudecken einer schlechten Sache ein bestimmtes Mäntelchen umhängen eine schlechte Sache auf eine bestimmte Weise beschönigen: alle, die ihrer Lüsternheit gern ein schöngeistiges Mäntelchen umhängen Suderm. Sodom III 2; sich /Dat./ ein moralisches Mäntelchen umhängen; umg. den M. nach dem Wind(e) hängen, drehen (sich aus Eigennutz immer nach der jeweils herrschenden Meinung, der jeweiligen Lage richten)
2. /Sonderbedeutungen/ etw. Umhüllendes
a) äußerster Teil der Bereifung, Decke: den M. flicken;
b) Techn. Umhüllung bes. eines Kabels, Ofens, Kessels
c) metallene Hülle eines Geschosses
d) äußere Form, in der die Glocke gegossen wird, Glockenmantel: Schwingt den Hammer, schwingt, / Bis der Mantel springt! Schiller Glocke
e) Math. Oberfläche eines Prismas, Zylinders zwischen der Grund- und Deckfläche, einer Pyramide, eines Kegels zwischen der Grundfläche und der Spitze

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„Mantel“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Mantel>, abgerufen am 18.01.2021.

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