Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

Narr, der

Narr, der; -en, -en
1. /Verkl.: Närrchen/ jmd., dem es (in einer Situation) an Vernunft mangelt (und der sich lächerlich macht), Tor: ich (armer) N., wie konnte ich das nur glauben!; vielleicht war ich ein Narr, daß ich das alles verlassen … wollte Hesse 3,321; du wärst ein N., wenn …; sei doch kein N., laß das!; ich möchte nicht als N. dastehen; ich möchte mich nicht zum Narren machen; jmdn. für einen (ausgemachten, eitlen) Narren halten; das Gelächter hinter dem Rücken des alten Narren, der geglaubt hatte, ein solches Geschöpf für sich zu besitzen I. Kurz Vanadis 588; Das ist auch so ein Narr, der sich das Herz abjagt nach dem Glück Eulenberg Sonderbare Geschichten 179; Der Kerl war ein Narr oder ein Schuft Storm 7,223 (Schimmelr.) ; vertraul. Was leide ich denn, Närrchen (Dummchen)? G. Hauptm. Einsame Menschen III; Der harmlose Narr (Sonderling) war stadtbekannt. Er sammelte alles … an Goethe-Reliquien, dessen er habhaft werden konnte G. Hauptm. 4,540; /sprichw./ Kinder und Narren sagen die Wahrheit; ein N. fragt mehr, als zehn Weise beantworten können; wer nicht liebt Wein, Weib und Gesang, der bleibt ein N. sein Leben lang; Hoffen und Harren macht manchen zum Narren
2. Possenreißer, Spaßmacher
a) der andere unterhält, belustigt (und ihnen Wahrheiten sagt) /im Theater, in der Literatur; an einem Fürstenhof/ Schelm; Hanswurst; Harlekin; Hofnarr: die engaufliegende Kopfbedeckung mit den langen Eselsohren … wies ihn unzweideutig als Narren aus Zuchardt Narr 5; ein kleines Extravergnügen … wie es die umherziehenden Narren und Schauspieler machen: eine richtige knallige Szene Zuchardt Stunde 56; der N. in Shakespeares König Lear /sprichw./ jedem Narren gefällt seine Kappe
b) scherzh. jmd., der sich kostümiert hat und ausgelassen mit vielen zusammen Fasching feiert: unter dem Beifall von einigen Hundert Narren eröffnete Prinz Karneval den Maskenball; der Büttenredner begann seine Rede: Liebe Narren und Närrinnen!;
3. /in festen Verbindungen/ jmdn. zum Narren halten jmdn. anführen, zum besten haben: es ist alles nicht wahr, er will dich bloß zum Narren halten; Ich habe es satt, ich lasse mich nicht länger zum Narren haben Th. Mann 2,491 (Zauberb.) ; salopp an jmdm., etw. einen Narren gefressen haben für jmdn., etw. eine übertriebene Vorliebe haben, in jmdn., etw. vernarrt sein: ich verstehe nicht, warum er einen Narren an mir gefressen hat; Horst hat einen Narren an Maschinen gefressen Noll Holt 2,328

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Zitationshilfe
„Narr“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Narr>, abgerufen am 26.11.2020.

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