Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

Nase, die

Nase, die; -, -n
1. Riechorgan des Menschen, der Tiere
a) /Verkl.: Näschen, Näslein/ eine lange, kurze, große, breite, dicke, klobige, knollige, gerade, griechische, schiefe, krumme, gebogene, platte, spitze, stumpfe, scharfe, energische, lustige, freche N.; ein kleines, feines, schmales, zierliches Näschen; seine N. ist rot vom Frost, Trinken; Ihre Kinder hatten schon weiße Nasen vor Hunger Seghers Mann 34; beim Schnupfen ist die N. verstopft, geschwollen, gerötet, entzündet; seine N. blutet, umg. läuft⌝, schmerzt, läuft vom Frost blau an; umg. dem Kind lief die N.; Seine Nase ragte spitz aus dem mageren Gesicht A. Zweig Erziehung 265; sich /Dat./ die N. putzen, landsch. schneuzen, schnauben⌝, wischen; umg. putz dir gefälligst die N.!; der Geruch war so durchdringend, daß ich mir die N. zuhalten mußte; sich /Dat./ die N. pudern, reiben, erfrieren; die Kinder drückten neugierig die Nasen gegen die Scheiben, umg. drückten sich /Dat./ am Schaufenster die Nasen platt⌝; er hätte ihm am liebsten die N. eingeschlagen; die N. kraus ziehen, rümpfen; sie (ver)zog verächtlich die N.; Zwerg N. /Märchengestalt/; jmdn. an der N. zupfen, ziehen nachdenklich legte sie den Finger an die N.; mich friert, es friert mich an der N.; das Kind ist auf die N. gefallen sie hat Sommersprossen auf der N.; Die Brille hat das Häschen jetzt / sich selbst auf seine Nas' gesetzt H. Hoffm. Struwwelpeter 13; er blutete, ihm stürzte, schoß das Blut aus der N.; (bei Schnupfen) durch die N. reden, sprechen einer der Richter trompetete durch die Nase und hielt sich den Bauch H. Mann 1,553 (Unrat) ; durch die N. atmen, rauchen; er schnaubte verächtlich durch die N.; man hatte dem Bären einen Ring durch die N. gezogen; ich habe ein Kribbeln, es kitzelt mich in der N. salopp in der N. bohren; einen Geruch in die N. bekommen; der Kaffeeduft stieg mir lieblich in die N.; ein unangenehmer, scharfer Geruch geht, sticht, fährt in die N.; Jägerspr. der Hund bekommt ein Kaninchen in die N. (wittert ein Kaninchen) ; mit erhobener N. schnuppern; sie fuhr, wischte mit der Puderquaste über die N.; er trägt einen Schnurrbart unter der N. salopp sich /Dat./ etw. unter die N. (in den Mund) stecken, schieben /bildl./ ich habe die N. voll (davon) ich habe genug (davon): die Soldaten hatten die N. voll vom Krieg; er war seinen Kollegen immer eine N. (Nasenlänge) voraus er sieht nicht weiter als seine N. (er denkt nur an das Nächstliegende) er besucht mich alle Nasen lang (sehr oft) seine N. gefällt, paßt ihr nicht (er ist ihr unsympathisch) die N. (über jmdn., etw.) rümpfen sich über jmdn., etw. erhaben fühlen, verächtlich auf jmdn., etw. herabblicken: es kümmert mich nicht, ob die Leute über mich die N. rümpfen; das beleidigt meine N. (riecht unangenehm) umg. abwertend sie trägt die, ihre N. hoch (sie ist überheblich, eingebildet) umg. er ließ betrübt die N. hängen (er war niedergeschlagen, enttäuscht) … immer die Nase steif, junger Freund (laß den Mut nicht sinken) A. Zweig Erziehung 232 jmdm. eine lange N. machen (jmdn. verhöhnen) jmdm. eine (lange) N. drehen (sich über jmdn. lustig machen, jmdn. nasführen) salopp Mund und N. aufsperren, -reißen (völlig überrascht sein) sich /Dat./ die N. begießen (sich betrinken) umg. steck deine N. ins Buch (lerne aus Büchern)! er hat wieder einmal die N. zu tief ins Glas gesteckt (zuviel getrunken) salopp er sollte seine N. nicht in jeden Dreck (hinein)stecken, hängen (er sollte sich nicht um Dinge kümmern, die ihn nichts angehen) sie steckt dauernd ihre N. in fremde Angelegenheiten; In jeden Quark begräbt er seine Nase Goethe Faust, Prolog292; umg. jmdn. an der N. herumführen jmdn. mit Worten hinhalten, anführen: den haben wir schön an der N. herumgeführt!; faß dich an deine eigene N., zupf dich an der eigenen N. (urteile nicht über Fehler anderer, ohne die eigenen Schwächen zu sehen)! salopp das kann ich dir doch nicht an der N. ansehen (wenn du es mir nicht sagst, kann ich es nicht wissen) jmdm. etw. auf die N. binden jmdm. etw. verraten, was er nicht unbedingt zu wissen braucht: das werde ich dir gerade auf die N. binden!; die Kinder tanzen ihr auf der N. herum (mißbrauchen ihre Gutmütigkeit) laß dir nicht auf der N. herumtanzen (laß dir nicht alles gefallen)! jmdm. eins auf die N. geben (jmdn. zurechtweisen) Vielleicht kriegte dieser Herr Bertin von ihnen doch noch eins auf die Nase A. Zweig Erziehung 481 bei diesem Versuch ist er auf die N. gefallen (ist er gescheitert) sie liegt schon seit einer Woche auf der N. (ist krank) jmdm. die Würmer aus der N. ziehen (jmdn. geschickt ausfragen) ; wir werden ihm schon aus der N. ziehen, was wir wissen wollen!; jmdm. fährt, steigt etw. in die N. jmdn. verärgert etw.: seine Unfreundlichkeit ist mir in die N. gefahren; das sticht mir in die N. (lockt, reizt mich) umg. jmdn. mit der N. auf etw. stoßen jmdn. ausdrücklich auf etw. hinweisen: wenn er es nicht von selbst merkt, muß man ihn eben mit der N. draufstoßen; das Kind liest mit der N. (hält das Buch zu dicht vor die Augen) salopp er mußte mit langer N. abziehen (unverrichteterdinge und enttäuscht wieder gehen) das ist nicht nach seiner N. (nach seinem Geschmack) ; Es geht alles nach unserer Nase. So, wie wir's wollen, wird's gemacht! Seeger Habicht 106; immer der N. nach (immer geradeaus)! salopp scherzh. pro N. pro Kopf, Person: es gibt zwei Stück Torte pro N.; umg. sein (geistiger) Horizont geht nicht über seine, die eigene N. hinaus (ist begrenzt) ; Kurzsichtige … die nicht über ihre eigene Nase hinaussehen Feuchtw. Nero 332; sich /Dat./ frischen Wind um die N. wehen lassen (sich in der Welt umsehen, Erfahrungen sammeln) ; du solltest dir erst einmal den Wind um die N. wehen lassen!; jmdm. die Faust unter die N. halten (jmdm. drohen) ; salopp jmdm. etw. unter die N. reiben jmdm. etw. vorhalten: deine Hilfe brauchst du mir nicht immer wieder unter die N. zu reiben!; umg. das Buch liegt ja vor deiner N. (dicht vor dir) ; sie fuchtelte ihm mit dem Schirm vor der N. herum; jmdm. die Tür vor der N. zuschlagen; der Zug ist mir vor der N. weggefahren; salopp jmdm. etw. vor der N. wegschnappen; Nachher futterst du ihm die Kartoffelpuffer noch vor der Nase weg Welk Grambauer 380; man hat ihm einen Jüngeren vor die N. gesetzt (zum Vorgesetzten gegeben)
b) umg. Geruchssinn, Spürsinn: eine gute, feine, untrügliche N. haben; sie hat die richtige N. dafür gehabt; er hat eine N. für das Neue, fürs Geschäft; Nase muß man haben! J. Roth Rechts u. links 126
2. /übertr.; Dinge, die der menschlichen, tierischen Nase äußerlich ähnlich sind/
a) Bug eines Schiffes, Flugzeugs: ein Schiff fährt mit der N. in die Brandung, hat die N. im Wind; das Flugzeug neigt, senkt seine N. dem Erdboden zu;
b) Vorsprung an einer Felswand oder einem Gebäude
c) Halbinsel
d) Techn. hakenförmiger Ansatz, bes. beim Hobel, Dachziegel
3. salopp Tadel, Verweis: er hat eine (tüchtige) N. bekommen, einstecken müssen; Eine Nase hatten sie sicher von ihren Vorgesetzten zu erwarten Bebel Aus meinem Leben 714

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Zitationshilfe
„Nase“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Nase>, abgerufen am 23.11.2020.

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