Natụr-, natụr-:
-anlage, die Veranlagung: Sie war immer fidel, aus glücklicher Naturanlage Fontane I 5,102 (Stechlin);
-belassen /Adj./ Neupräg. im natürlichen Zustand belassen: eine n. Landschaft; n. Nahrungsmittel, Reis, Vollöle;
-beobachtung, die;
-beschreibung, die;
-blond /Adj./ von Natur aus blond: n. Haare;
-bühne, die Freilichtbühne;
-bursche, der umg. froher, kräftiger junger Mann, der keinen großen Wert auf Etikette legt: Ein Naturbursche, unangefochten von Zweifeln an seiner eigenen Person, draufgängerisch, gesund Rinser Mitte 257;
-denkmal, das einzelnes, vor Vernichtung oder Beschädigung unter Schutz gestelltes Gebilde in der Natur: eine alte Eiche, e. Felsen, Quelle, Findling zum N. erklären;
-dünger, der vgl. -faser;
-ereignis, das nicht vom Menschen ausgelöstes Ereignis in der Natur: das seltene N. der Sonnenfinsternis;
-erscheinung, die vgl. -ereignis: Während auf der einen Seite die Fülle der beobachteten Naturerscheinungen auf allen Gebieten sich immer reicher und bunter entfaltet Planck Sinn 17;
-farbe, die
   1. natürliche, unveränderte Farbe: rindslederne Handschuhe von Naturfarbe Brecht Dreigroschenroman 194; daß ihre Bärte Schwarz als Naturfarbe aufwiesen Zuchardt Spießrutenlauf 16
   2. pflanzlicher oder tierischer zum Färben benutzter Farbstoff: echte Teppiche wurden mit N. gefärbt;
-farben /Adj./ in der natürlichen Farbe belassen, ungefärbt: n. Seide, Leinen, Wolle; in breiten, blankgewichsten Stiefeln, deren Schäfte naturfarben waren Th. Mann 7,54 (Königl. Hoheit);
-farbstoff, der vgl. -farbe 2;
-faser, die natürliche, nicht chemisch hergestellte Faser: Kunst- und Naturfasern mischen; da die Naturfasern infolge der wachsenden Bedürfnisse nicht mehr ausreichten Wissensch. u. Fortschr. 1956;
-forscher, der jmd., der (als wissenschaftlicher Laie) Pflanzen, Tiere, Mineralien erforscht: und erst als man dem immer wachen Naturforscher ein seltenes Mineral ... von den Dornburger Chausseen her zutrug Goes Gabe 63; Neupräg. DDR: die Jungen N. /Arbeitsgemeinschaft der Jungen Pioniere/; veraltend Naturwissenschaftler: Mit Rücksicht auf diesen Umstand neigen manche Naturforscher und Philosophen zu der Auffassung, daß ... Planck Weltbild 9;
-freund, der jmd., der die Natur liebt: Gewöhnlich gibt es auf jeder Schule einen Lehrer, der ein Original, ein Sammler, vielleicht ein leidenschaftlicher Naturfreund ist Raabe I 1,74 (Sperlingsgasse); Auf dem Rücken hat er einen kleinen Rucksack, wie ihn Naturfreunde für Wanderungen benutzen M. Walser Eiche 1;
-frevel, der Frevel an, in der Natur;
-gas, das Erdgas;
-gefühl, das Gefühl der Verbundenheit mit der Natur;
-gegeben /Adj./ von Natur aus gegeben: etw. (nicht) als n. ansehen, betrachten;
-gemäß /Adj./
   1. der Natur gemäß, angemessen: n. leben; eine n. Lebensweise; Wenn es wahr ist, daß die Natur verschwendet, so hat nichts so naturgemäß sich entwickelt wie das gelehrte Arbeiten Mommsen Reden 45
   2. dem Wesen einer Sache entspringend, folgerichtig: Die Regierung stehe verständnislos der sozialdemokratischen Bewegung gegenüber, die doch nur die naturgemäße Frucht der bestehenden wirtschaftlichen Mißstände sei Bebel Aus meinem Leben 530; Da zweihundert Mieter ihn miternähren, / Ist Herr Meyer von jeder Arbeit befreit / Und hat naturgemäß sehr viel Zeit Weinert Zwischensp. 782; umg. natürlich, selbstverständlich: da ich die Straßenbahn verpaßte, kam ich n. zu spät;
-genuß, der: Ein echtes Naturverstehen, ein echter Naturgenuß sind nur möglich, wenn wir der Natur als Gestalt entgegentreten, in der Gestalt moderner Menschen, die wir sind Becher Macht d. Poesie 235;
-geschehen, das vgl. -ereignis: der Mensch greift immer mehr in das N. ein; daß man ein nur in Grenzen gültiges Prinzip mit Gewalt verallgemeinert zu einem angeblich uneingeschränkt gültigen Prinzip alles Naturgeschehens Wissensch. u. Fortschr. 1954;
-geschichte, die veraltend Unterrichtsfach, das Biologie, Heimatkunde zum Gegenstand hatte: wo er am Predigerseminar die Stelle eines Lehrers für Naturgeschichte und Sprachen angenommen hatte I. Seidel Labyrinth 78;
-gesetz, das objektiver gesetzmäßiger Zusammenhang, wesentliches Verhältnis zwischen Erscheinungen der Natur: Dann wäre es kaum anders denkbar, als daß die Naturgesetze besonders einfach und natürlich sich nur dann formulieren ließen Einstein Relativitätstheorie 8; wie dieses Leben ... sich immer wieder über seinem Gegensatz schließt wie Wasser über einem Stein, mit überwältigender Hartnäckigkeit, daß man an ein Naturgesetz zu glauben beginnt Hermlin Gemeinsamkeit 80;
-getreu /Adj./: eine n. Darstellung, Wiedergabe; n. Farben; etw. n. zeichnen;
-gewalt, die: er glaubte den Todesschrei der Tiere zu hören, welche die erbarmungslosen Naturgewalten wie im Taumel dort vorüberrissen Storm 5,143; der Kampf gegen die Naturgewalten; den Naturgewalten unterliegen; die Naturgewalten besiegen; Er hat den Krieg seit über drei Jahren ununterbrochen ausgehalten, aber unter der fälschenden Kategorie der Naturgewalt, gleichsam als moralisches Erdbeben A. Zweig Einsetzung 340;
-katastrophe, die durch Naturgewalten hervorgerufene Katastrophe: das Gebiet ist von einer schweren N. betroffen worden; die Opfer einer N.; Für alles, was auf dieser Erde geschieht, abgesehen von Naturkatastrophen, ist der Mensch verantwortlich Diggelm. Hinterlassenschaft 93;
-kautschuk, der vgl. -faser;
-kind, das veraltend unverbildeter Mensch: Instetten ist ein vorzüglicher Kerl, aber er hat so was von einem Kunstfex, und Effi ... ist ein Naturkind Fontane I 4,160 (Briest);
-kork, der vgl. -faser;
-kraft, die: der Mensch macht sich die N. des Wassers dienstbar;
-kunde, die vgl. -geschichte;
-kundlich /Adj./ Biologie, Heimatkunde betreffend: eine n. Abhandlung; an einer n. Wanderung teilnehmen;
-landschaft, die vom Menschen unberührte Landschaft, Ggs. Kulturlandschaft: Die ursprünglichen Naturlandschaften sind seit vielen Jahrhunderten durch Siedlung und Wirtschaft ... weitgehend verändert worden Urania 1966;
-lehrpfad, der Neupräg. Wanderweg mit Schildern, die auf bemerkenswerte Gebilde in der Natur belehrend hinweisen: einen N. anlegen;
-liebhaber, der vgl. -freund;
-mensch, der umg.
   1. urwüchsiger, unverbildeter Mensch: Solche urkräftige Naturmenschen sind heutzutage sehr selten G. Hauptm. Weber III
   2. vgl. -freund: Wir Naturmenschen fürchteten uns vor solchem Zauber nicht, ja, er gehörte mit zu unserem romantischen Programm Hartung Wunderkinder 42;
-nah(e) /Adj./ vgl. -verbunden;
-nähe, die; vgl. -verbundenheit;
-notwendig /Adj./ von Natur aus notwendig: sobald die Bewegung sich als naturnotwendig und deshalb als unüberwindlich herausstellt Bebel Aus meinem Leben 87;
-notwendigkeit, die; /entsprechend der Bedeutung von -notwendig/;
-park, der Teil einer Landschaft, der Reservat für bestimmte Pflanzen und Tiere und wegen seiner Naturschönheiten Erholungsgebiet für viele Menschen ist, Naturschutzpark;
-produkt, das Produkt der Natur, bes. landwirtschaftliches Erzeugnis: Dem Scheibenhonig können Sie vertrauen ... Das ist reines Naturprodukt Th. Mann 1,122 (Buddenbr.);
-reichtum, der: die Nutzung, Erschließung der Naturreichtümer durch den Menschen;
-rein /Adj./ ohne fremden Zusatz: n. Wein;
-reis, der unpolierter Reis;
-schauspiel, das sehenswertes (seltenes) Naturereignis: das N. des Alpenglühens; ein eigenartiges N. beobachten;
-schilderung, die: die Naturschilderungen in einem Roman;
-schönheit, die; die reizvollen Naturschönheiten eines Landes, Gebietes; diese zierlich üppigen, in Naturschönheit eingebetteten Refugien Th. Mann 7,42 (Königl. Hoheit);
-schutz, der staatlich festgelegte und überwachte Maßnahmen zur Erhaltung von Eigenart und Schönheit der heimatlichen Natur: diese Pflanze steht unter N.; ein Tier unter N. stellen;
-schutzgebiet, das Gebiet, das unter Naturschutz steht;
-schutzpark, der Naturpark;
-schwärmer, der vgl. -freund;
-schwärmerei, die;
-seide, die vgl. -faser;
-spiel, das auffallende Bildung oder reizvolles Geschehen in der Natur: [Aber obgleich er] der einzige am Tisch war, der so recht wußte, was das sei, ein Feldspat-Zwillingskristall, so zeigten sich doch alle entzückt über des Erzählers Begegnung mit dem Naturspiel Th. Mann 7,739 (Lotte);
-stein, der vgl. -faser: Mauern aus N.; ein zweigeschossiges Holzhaus auf einem Sockel von Natursteinen Noll Holt 1,102;
-theater, das vgl. -bühne;
-treue, die naturgetreue Wiedergabe: Bei der Wiedergabe der Atmosphäre ... ist höchste Naturtreue erstrebt Tucholsky Ganz anders 130;
-trüb /Adj./ fachspr. von Natur aus trüb: n. Apfelsaft, Most;
-verbunden /Adj./ sich mit der Natur verbunden fühlend: ein n. Mensch;
-verbundenheit, die; /entsprechend der Bedeutung von -verbunden/;
-volk, das /Bez. für ein in Urgemeinschaft lebendes Volk/;
-vorgang, der vgl. -ereignis: Naturvorgänge erkennen und beherrschen;
-wein, der Wein ohne fremde Zusätze;
-widrig /Adj./ unnatürlich, gegen die Natur verstoßend: Erscheinungen, die nur aus der Zeit und seiner naturwidrigen Erziehung erklärbar sind Renn Kindheit 229;
-wissenschaften, die /Pl.; Sg. ungebräuchl./ Wissenschaften von der anorganischen und organischen Natur einschließlich der Bezogenheit des Menschen zur Natur: Chemie, Physik und Biologie gehören zu den N.;
-wissenschaftler, der Forscher, Lehrer auf naturwissenschaftlichem Gebiet;
-wissenschaftlich /Adj.; entsprechend der Bedeutung von -wissenschaften/: die n. Forschung; eine n. Disziplin;
-wüchsig /Adj./ geh. urwüchsig: Imme, in dem sich der naturwüchsige Mecklenburger regte Fontane I 5,170 (Stechlin);
-wunder, das merkwürdige, scheinbar unerklärliche Naturerscheinung: Der Naturliebhaber wird ein um so besserer Freund der Natur sein, je mehr er auch die Naturwunder wissenschaftlich zu ergründen vermag Becher Macht d. Poesie 235; salopp jmdn. wie ein N. anstaunen


Farbe, die; -, -n
   1. durch Lichtstrahlen bestimmter Wellenlänge hervorgerufene Erscheinung vor dem Auge
   a) die rote, grüne, gelbe, weiße F.; eine helle, lichte, grelle, düstere, dunkle, matte F.; bunte, warme, kalte, weiche, harte, zarte, satte, lebhafte, frische, kräftige, leuchtende, schreiende, gedeckte, gedämpfte, stumpfe Farben; die Farben des Regenbogens, Sonnenspektrums; die F. des Pullovers steht ihr gut; die Farben der Möbel, Gardinen und Tapeten sind aufeinander abgestimmt, passen gut zusammen, umg. beißen sich (passen nicht zueinander)⌉; die Farben des Kleides sind verblaßt, verschossen; welche F. hat dein neuer Mantel?; der Stoff gefällt mir gut in F. und Muster; Schihosen, Anoraks in modischen Farben; die Gladiolen leuchten in den herrlichsten Farben; der Edelstein glitzert, schillert, spielt in allen Farben; Gesichtsfarbe: eine gesunde, frische, krankhafte, blasse F. haben; bei dieser Nachricht, plötzlich, vor Zorn wechselte er die F. (bekam er eine andere Gesichtsfarbe); seine Bestürzung war so groß, daß die F. aus seinen Zügen wich, sein Gesicht alle F. verlor (er blaß, bleich wurde); nur langsam bekam er nach der Krankheit wieder (etwas, eine bessere) F.; Und das ist Glen, die hatte immer so trübselige Farben (Kleidung in trübseligen Farben) an Gaiser Schlußball 31; diese F. (Kleidung in dieser Farbe) steht ihr gut
   b) Buntheit im Ggs. zu weiß, schwarz: das Buch enthält zahlreiche Abbildungen, zum Teil in F.; Aber die Sonne duldet kein Weißes: / ... Alles will sie mit Farben beleben Goethe Faust I 913
   c) /als Symbol
   α) für eine Nation; Sg. ungebräuchl./ die Farben des Landes, der Republik; die französischen Farben; das Flugzeug trug die amerikanischen Farben; er wird für die deutschen Farben starten, hat den Sieg für die deutschen Farben errungen
   β) für eine Partei/ die F. (Partei) wechseln; Die Bayernpartei, von den Journalisten aller Farben ... als Lieferantin kräftiger Pointen geschätzt Tageszeitung BRD 1956
   γ) für eine Verbindung, Vereinigung, Mannschaft; Sg. ungebräuchl./ die Farben der studentischen Verbindung, des Tanzkreises, der Handballmannschaft sind grün-weiß, blau-rot
   δ) für einen Begriff/ die F. der Hoffnung ist Grün; Rot ist die F. der Liebe
   d) /übertr./ als durch einen Zufall eine ganz neue Farbe (etwas ganz Neues) in sein Dasein kam Hesse 1,639; Ausdruckskraft: daß landschaftliche Sprachformen bis in die Schriftsprache vordringen und ihr Farbe geben Sprachdienst 1964; seine Theaterberichte hatten keine F.; Leben, Lebendigkeit: In dürren Zeitungsnotizen spuken die Namen solcher Gefährten, die im Buch vielleicht ein wenig Saft und Farbe bekamen Seghers 1,94 (Gefährten); erst in der zweiten Halbzeit kam F. in das Spiel; Mus. Klangfarbe: der Komponist brachte die Variationen in verschiedenen Farben
   2. färbendes Mittel: blaue, weiße, dunkelgrüne, hellbraune F.; eine echte, unechte, natürliche, künstliche, flüssige, pulverförmige F.; dicke, verdünnte, wässerige, in Terpentin lösliche, lichtbeständige, kochechte, gesundheitsschädliche, giftige Farben; die Farben der Decke sind beim Waschen ausgegangen, ausgelaufen; die F. hat bereits gebunden, deckt (gut), blättert, bröckelt, platzt von den Wänden (ab); Farben mischen, einrühren, mit Wasser anrühren; die Farben des Gemäldes auffrischen; der Stoff hat die F. gut, nicht angenommen; eine F. (dick, dünn) auftragen; Leim ist ein Bindemittel für Farben; es riecht nach F.; /bildl./ etw., d. Zukunft, Reise ins Ausland in den rosigsten, schillerndsten, verlockendsten Farben (besonders günstig) darstellen, schildern, in den dunkelsten, düstersten, schwärzesten Farben (besonders ungünstig) ausmalen; veralt. F. halten treu, beständig sein: Und hat sich keinen Freund damit, nicht einen / Erkauft, der in der Not ihm Farbe hielt! Schiller Wallenst. Tod IV 2
   3. /Bezeichnung für jede der vier parallelen Reihen der Spielkarten/ welche F. ist Trumpf?; eine F. ausspielen, anspielen; F. zugeben, bedienen; /übertr./ umg. F. bekennen (seine wahre Meinung offenbaren)
zu 1 a /in Verbindung mit Teilen des menschlichen Körpers, z. B./ Augen-, Gesichts-, Haar-, Hautfarbe; /ferner in/ Anlauf-, Fehl-, Haupt-, Holz-, Kontrast-, Lieblings-, Mode-, Normal-, Regenbogen-, Spektral-, Stubenfarbe zu 1 c α Bundes-, Landes-, Nationalfarben zu 1 d Klangfarbe zu 2 /in Verbindung mit Tätigkeiten, z. B./ Deck-, Druck-, Grundier-, Leucht-, Stempel-, Tarn-, Tuschfarbe; /in Verbindung mit Bindemitteln, z. B./ Lack-, Leim-, Öl-, Temperafarbe; /in Verbindung mit Metallen und Materialien, z. B./ Blei-, Eisen(oxyd)-, Emaille-, Kalk-, Leder-, Metall-, Stoff-, Teerfarbe; /ferner in/ Anilin-, Aquarell-, Drucker-, Grund-, Künstler-, Mineral-, Lasur-, Pastell-, Plakat-, Schutz-, Speise-, Spezial-, Wasserfarbe zu 1 a u. 2 /in Verbindung mit Farbbezeichnungen, z. B./ Azur-, Champagner-, Elfenbein-, Ocker-, Zitronenfarbe; /ferner in/ Bronze-, Komplementär-, Misch-, Naturfarbe

Zitationshilfe
„Naturfarbe“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Naturfarbe>, abgerufen am 21.04.2018.

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