Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

Rad, das

Rad, das; -(e)s, Räder
1. kreisrundes, scheibenförmiges Teil, das sich um seinen Mittelpunkt dreht
a) und als Zubehör bes. einem Straßenfahrzeug die Fortbewegung ermöglicht: d. Felge, Achse, Speichen, Lager eines Rades; das R. eines Autos auswechseln; die Räder des Fahrzeugs drehen sich, rollen; das R. des Wagens knarrt, quietscht, schleift, salopp eiert⌝; das R. des Wagens ist gebrochen; der Wagen hat vier Räder, läuft auf drei Rädern; die Räder des Lastzuges gingen über ihn hinweg; er sprang von der fahrenden Straßenbahn ab und kam unter die Räder (wurde überfahren) /übertr./ salopp unter die Räder kommen moralisch, sozial herunterkommen, verkommen: Paß auf, daß du nicht unter die Räder kommst! Hauser Ende d. Nacht I 1; umg. jmd. ist das fünfte R. am Wagen (ist überflüssig)
b) /Verkl.: Rädchen/ das als Zubehör einer Maschine für die drehende Bewegung zur Übertragung von Kräften und Drehmomenten, zur Richtungsumlenkung von Seilen und Riemen dient: ein gezacktes R.; verzahnte Räder; die Räder eines Getriebes; die Rädchen eines Uhrwerks; die Räder der Maschine laufen auf Hochtouren, sausen, surren, stehen still; in die Räder einer Maschine geraten, kommen; /bildl./ jmd. ist nur, bloß ein Rädchen im Getriebe (von untergeordneter Funktion) Zweifellos war der Konsul nur ein Rädchen in einer riesigen Maschinerie, vielleicht ein ganz winziges Krenek in: Österr. Erzähler 1,536; /übertr./ salopp bei jmdm. ist ein Rädchen locker (jmd. ist nicht ganz normal) Spinnrad: Dreh dich, dreh dich, Rädchen, spinne mir ein Fädchen Volksl.; /ohne Verkl./ Mühlenrad: das Rad schaufelte das Wasser ganz langsam Rinser Mitte 199
c) Lenk-, Steuerrad: Er riß das Rad herum, doch spürte er, wie das schwere Heck des Fahrzeugs … rutschte Andres Portiuncula 183
d) /ohne Pl.; nur mit abhängigem Gen./ geh. /dient als Sinnbild des Veränderlichen, Beweglichen/ Bedenkt, wie schnell des Glückes Rad sich dreht Schiller Wallenst. Tod IV 7; das R. des Schicksals, Lebens, der Zeit; das R. der Geschichte läßt sich nicht zurückdrehen; Manchmal möchte man glauben: Nicht die Klügsten, sondern die Dümmsten drehen am Rad der Geschichte Bredel Heerstraßen 387
e) /vgl. radschlagen / der Pfau schlägt R., ein, sein R. (spreizt die Schwanzfedern und richtet sie auf) Turnen ein R. schlagen einen ein- oder mehrmaligen seitlichen Überschlag mit gestrecktem Körper ausführen: der Junge schlug ein R.;
f) hist. mittelalterliche, zur Hinrichtung dienende Vorrichtung in Form eines Rades: jmdn. aufs R. flechten; die aufrührerischen Anklamer Zunftbürger aufs Rad zu spannen und aufs Schafott zu schleppen Bredel Heerstraßen 40 (Vitalienbrüder)
2. Fahrrad: mit, auf dem R. (in die Stadt) fahren; auf dem R. sitzen; er setzte, schwang sich auf sein R.; vom R. steigen, abspringen; er ist mit dem, vom R. gestürzt, mit dem R. verunglückt; sein R. anhalten, besteigen, schieben, einstellen; ein R. kaufen, haben; sein R. putzen; er fährt R. /vgl. radfahren /

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Zitationshilfe
„Rad“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Rad>, abgerufen am 27.11.2020.

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