Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

Ruhe, die

Ruhe, die; -, /ohne Pl./
1. das Aufhören der Bewegung, der Stillstand: e. Körper, Maschine ist, befindet sich in R.; der Wechsel zwischen R. und Bewegung; Die Lampe über dem Tisch kam zur Ruhe U. Becher Männer 28
2. Zustand des Ungestörtseins, Ggs. Unruhe
a) äußere, durch keinen Lärm gestörte Stille: eine friedliche, tiefe, träumerische, unheimliche, vollkommene, nächtliche, feiertägliche R.; die R. des Waldes; die R. in der Natur; gegen Abend trat draußen R. ein; Eine geisterhafte Ruhe hatte sich über Platz und Straßen ausgebreitet Wasserm. Gold 189; die R. suchen; er braucht R. bei der Arbeit; das Dorf lag in beschaulicher R.; nach R. verlangen; sich nach R. sehnen; R.! sagte der Lehrer; bitte einen Augenblick R.; R. schaffen; jmdn. zur Ruhe bringen, ermahnen; ungestörter ordnungsgemäßer Zustand: die R. stören; R. geben, halten (nicht stören) ich möchte jetzt meine R. haben (ungestört bleiben) jmdm. keine R. lassen (jmdn. dauernd stören) seine Arbeiten in R. (ungestört) fortsetzen umg. laß mich in R.!; in R. und Frieden leben; die ungestörte öffentliche Ordnung und Sicherheit: nach dem Putschversuch herrschte in der Hauptstadt wieder R., waren R. und Ordnung wiederhergestellt; /bildl./ die R. vor dem Sturm (gespannte Atmosphäre vor einer kommenden Auseinandersetzung)
b) innere Ausgeglichenheit: eine heitere, gesammelte, erzwungene, erstaunliche, bewundernswerte R.; die R. des Gemüts; geh. Meine Ruh ist hin, / Mein Herz ist schwer Goethe Faust I 3374; er strahlt R. aus; R. geht von ihm aus, erfüllt ihn; R. kommt über ihn; die R. verließ ihn; jmdm. die R. geben, nehmen, rauben; jmdn. aus seiner R. aufschrecken; ihr Unglück brachte ihn um seine R.; nach vielen Wirrnissen kam er endlich zur R.; Gleichmut: eine gelassene, gemessene, überlegene, unerschütterliche, behäbige, lässige, gespielte, kalte, eisige, aufreizende, gefährliche, apathische R.; ihm fehlt die nötige R.; R. besitzen; er zeigte eine gleichmütige R.; die R. behalten, bewahren, verlieren; aus der R. kommen; sich nicht aus der R. bringen lassen /sprichw./ nur die R. kann es bringen; umg. immer mit der R. (nicht so hastig)! den Ereignissen in aller R. entgegensehen; etw. in R. besprechen; mit größter R. abwarten; Der General hörte mit stoischer Ruhe den Bericht des Offiziers Welk Hoher Befehl 516; sich zur R. zwingen /übertr./ er ist die R. selbst, in Person; salopp er hat die R. weg (ihn kann nichts erschüttern) umg. nun hat die liebe Seele Ruh (nun ist man endlich zufrieden)
3. das Ausruhen
a) Muße, Erholung: eine kurze, behagliche, wohltuende, wohlverdiente R.; viel R. brauchen sich /Dat./ nach der Arbeit R. gönnen; geh. der Kranke bedarf der R.; veraltend der R. pflegen; geh. ein Leben ohne Rast und Ruh (ein ruheloses, unstetes Leben) ohne Rast und Ruh (ständig) arbeiten /übertr./ sich zur R. setzen (als privater Unternehmer, Geschäftsmann, selbständiger Handwerker oder freiberuflich Tätiger seine Tätigkeit aus Altersgründen aufgeben und von seinem Vermögen leben) Mil. in R. (Ruhestellung) liegen Wir zogen … nach hinten in Ruhe Marchwitza Jugend 318
b) Schlaf: eine gute, erquickende, bleierne R.; im Bett keine R. finden; zur R. gehen (schlafen gehen) sich zur R. legen, papierdt. begeben⌝; angenehme R.! /Wunsch beim Schlafengehen/; /bildl./ geh. verhüll. zur ewigen R. eingehen (sterben) jmdn. zur letzten R. tragen, betten (jmdn. beerdigen) Wir hatten Philipp auf dem einsamen Dorfkirchhof … zur letzten Ruhe gebracht Werfel Veruntreuter Himmel 77

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Zitationshilfe
„Ruhe“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Ruhe>, abgerufen am 28.11.2020.

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