Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

Schatten, der

Schatten, der; -s, -
1. verhältnismäßig dunkle Fläche
a) die hinter einem beleuchteten, undurchsichtigen oder nicht völlig transparenten Körper gelegen ist und den Umriß dieses Körpers hat: jmd., etw. wirft einen (langen, kurzen, grotesken, schwarzen, scharfen) S.; etw. gibt, geh. spendet⌝ (kühlen, wohltuenden) S.; der S. eines Berges, Gebäudes, Baumes, Menschen; im (grünen) S. des Gartens, Waldes; im S. eines Sonnenschirms, Gebüschs sitzen, liegen; jmds. S. fällt auf eine Wand; bei einer Mondfinsternis fällt der S. der Erde auf den Mond; die Bäume warfen lange bläuliche S. auf den Schnee; die dunklen S. der schnell dahinziehenden Wolken flogen über den See; abends werden die S. länger; geh. d. Dämmerung, Nacht breitete ihre S. über das Land; /bildl./ sie ist durch die Krankheit, das Unglück zu einem traurigen S. geworden; er ist nur noch ein S. (seiner selbst) (er ist sehr elend) ein S. huscht, fliegt über jmds. Gesicht (jmds. Miene verfinstert sich) diese Lüge warf einen S. auf ihre Freundschaft; geh. der S. des Todes; die (düsteren, schrecklichen, schweren) S. des Krieges, der Vergangenheit; /übertr./ jmd., etw. steht im S. eines anderen jmd., etw. bleibt neben einem anderen unbeachtet, kommt neben einem anderen nicht zur Geltung: er stand ganz im S. seines berühmten Vaters; etw. wirft seinen S. voraus etw. kündigt sich durch bestimmte Anzeichen an: die Krankheit warf ihre S. (weit) voraus; /sprichw./ große, künftige Ereignisse werfen ihre S. voraus; über seinen (eigenen) S. springen über seine subjektiven Möglichkeiten hinausgehen, etw. scheinbar Unmögliches vollbringen: du kannst nicht über deinen (eigenen) S. springen;
b) dunkle Stelle, dunkler Fleck, bes. im Röntgenbild: die Röntgenaufnahme zeigt einen S.; umg. er hat einen S. auf der Lunge (die Röntgenaufnahme seiner Lunge zeigt eine dunkle Stelle) S. unter den Augen (Augenringe)
c) /übertr./ schwaches Anzeichen, Spur: dafür gibt es nicht den S. eines Beweises; nie gab es auch nur den S. einer Unstimmigkeit zwischen ihnen; auch nicht der leiseste S. eines Schuldbewußtseins war ihm gekommen; er antwortete mit einem S. von Ärger, Zweifel in der Stimme; ein S. leichter Besorgnis, von Angst huschte, flog über sein Gesicht;
2. /ohne Pl., nur mit best. Art./ der außerhalb des direkten Lichteinfalls gelegene, der durch Mangel an Licht verhältnismäßig dunkle Bereich, das Dunkel: jmd. tritt aus dem Sonnenlicht in den S.; sich im S. aufhalten; mir ist es zu kühl im S., ich gehe lieber in die Sonne; das Thermometer zeigt 30 Grad im S.; das Tal lag schon im S., die Gipfel leuchteten noch in der Abendsonne; die Verteilung von Licht und S. auf einem Bild; /bildl./ er versuchte, ihn in den S. (Hintergrund) zu drängen er hielt sich bei der Auseinandersetzung im S.; der wahre Schuldige blieb im S.; So lebt das Ehepaar Carraud ein stilles enges Leben im Schatten St. Zweig Balzac 156; /sprichw./ wo viel Licht ist, ist auch viel S.; /übertr./ jmdn., etw. in den S. stellen jmdn., etw. überbieten, -treffen: keiner konnte ihn, seine Leistung in den S. stellen;
3. schemenhafte Erscheinung, Gestalt
a) wegen schlechter Sichtverhältnisse nicht genau zu erkennende, dunkle, verschwommene Gestalt, Erscheinung: ein flüchtender, unheimlicher, gespenstischer S.; zwei dunkle S. huschten vorbei; am Fenster des Autos flogen im Nebel graue S. vorbei /bildl./ jmd. jagt einem S. (einem unklaren, unerreichbaren Ziel) nach
b) jmd., der jmdm. unablässig folgt: Von Zeit zu Zeit sieht er sich um, ob sein Schatten ihm folgt. Sein Schatten folgt ihm Kisch Marktplatz 299 der S. ließ ihn nicht aus den Augen;
c) das Reich der S. (Totenreich in der griech. Mythologie) /bildl./ geh. verhüll. in das Reich der S. hinabsteigen (sterben)

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Zitationshilfe
„Schatten“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Schatten>, abgerufen am 27.10.2020.

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