Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

Schein, der

1Schein, der; -(e)s, -e /Pl. ungebräuchl./
1. von einer Lichtquelle ausgehende Helligkeit, Lichtschein: der helle, glänzende, strahlende, warme S. der Sonne; der blasse, matte S. des Mondes; der glitzernde, flimmernde S. der Sterne; der stille, feierliche, trauliche S. einer brennenden Kerze; beim S. einer Lampe lesen; im S. einer Lampe sitzen; der trübselige S. der Straßenlaternen; der düstere, zuckende S. der Fackeln, des Wachtfeuers; die Taschenlampe warf einen runden S. an die Decke des Zimmers; der S. des brennenden Holzstoßes leuchtete weithin in die Nacht; das trübe Licht in der Gaststube brannte einen Schein (ein wenig) heller Noll Holt 2,179; Widerschein, Glanz, Schimmer: der S. der lackierten Vase, Tischplatte /bildl./ daß ein Schein (Anflug, leise Spur, Schimmer) von Glück an ihrem Mund gewesen war Jahnn Niederschrift 1,153; /übertr./ diese häßliche Höhle ist vergoldet vom Schein ihrer Liebe Fallada Wolf 1, 145
2. äußerliche (eingebildete) Erscheinung, Wirkung, die dem wirklichen Sachverhalt nicht entspricht oder ihn verschleiert, Trugbild, Täuschung: der äußere, hohle, leere, falsche, nur ästhetische S.; Sein und S.; S. und Wirklichkeit; an die Stelle des wechselnden Scheins das bleibende Sein zu setzen Planck Sinn 14 die Welt des (schönen) Scheins (das Theater, die Dichtung) er wirkt stark und gesund, aber das ist alles nur S.; sich durch den, vom S. blenden, täuschen lassen; der S. trügt, spricht gegen ihn; auch nicht den S. eines Beweises (keinen Beweis) vorbringen können (mit Mühe) den S. der Freundlichkeit (be)wahren (können); den S. (vorhandenen falschen Eindruck) wahren, aufrechterhalten Der Schein ist gegen mich, doch darf ich hoffen, / Daß ich nicht nach dem Schein gerichtet werde! Schiller Stuart IV 6; etw. zum S. (in irreführender Absicht) tun

WDG, 4. Band, 1974

Schein, der

2Schein, der; -(e)s, -e
1. schriftliche Bescheinigung, die
a) etw. amtlich beglaubigt: ein S., der jmds. Geburt, Krankheit, Tod beglaubigt; der Arzt hat den S. ausgefüllt, unterschrieben; dieser S. ist ein Beleg dafür, daß er sich angemeldet hat; auf Grund dieses Scheines kann er in den Urlaub fahren; Der Roßkamm versicherte, daß er siebzehn Mal in seinem Leben, ohne einen solchen Schein (Passierschein), über die Grenze gezogen sei Kleist 3,143 (Kohlhaas) einen S. (Fahrschein) lösen, lochen, umg. knipsen lassen
b) garantiert, daß man eine bestimmte Tätigkeit ausüben darf, Erlaubnisschein: zum Zelten werden noch Scheine ausgestellt; wer ohne S. angelt, muß Strafe zahlen;
c) einen bestimmten Wert hat oder als Quittung für etw. dient: gegen Vorlage dieses Scheines erhalten die Reisenden ihr Gepäck zurück; am Gepäckschalter den S. vorweisen; ein S. über hundert Mark; hast du auch alle Scheine beisammen?; auf diesen S. (Lotterielos) haben wir hundert Mark gewonnen
2. Banknote, Geldschein: ein alter, echter, falscher, neuer S.; ein zerknitterter, eingerissener S.; eine Menge Scheine in der Brieftasche haben; einen S. (zusammen)falten, kniffen; die Scheine bündeln, zählen; umg. einen großen (höheren Wert repräsentierenden) S. wechseln lassen hundert Mark in kleinen (einen niedrigeren Wert repräsentierenden) Scheinen

Im WDG stöbern

a b c d e f g h i j
k l m n o p q r s t
u v w x y z - ' & µ
Scharade schlauchen
Zitationshilfe
„Schein“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Schein>, abgerufen am 31.10.2020.

Weitere Informationen zum Zitieren …


Weitere Informationen zum Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)