Volk, das; -(e)s, Völker
1. Bevölkerung eines Landes, Gesamtheit der Bürger eines Staates, Nation: das französische, polnische V.; das V. der DDR; ein friedliebendes, tapferes, unterdrücktes V.; die um ihre Unabhängigkeit kämpfenden Völker Afrikas; ein seefahrendes V.; d. Geschichte, Kultur dieses Volkes; ein friedliches Zusammenleben der europäischen Völker; Shakespeare war ein großer Sohn des englischen Volkes; die Freundschaft unter den Völkern, mit allen Völkern; in einer Volksabstimmung das (ganze) V. befragen; die Völker (Nationalitäten) der Sowjetunion
2. aus einer Vereinigung von Stämmen hervorgegangene ethnische Gemeinschaft mit vorkapitalistischer Produktionsweise, Völkerschaft: das V. der Lappen; ein V. von Viehzüchtern, Jägern; nomadisierende Völker; die indoeuropäischen Völker; mit dem aufkommenden Kapitalismus schlossen sich diese Völker zu einer Nation zusammen;
3. /ohne Pl./ Gesamtheit der den werktätigen Teil der Gesellschaft umfassenden Klassen und sozialen Schichten: das arbeitende, werktätige, schaffende, einfache, arme, ausgebeutete, revolutionäre, von Unterdrückung befreite V.; das V. stand auf, erhob sich, empörte sich gegen die Gewaltherrschaft, das reaktionäre Regime; das V. forderte sein Recht, hat die Macht übernommen, die Ausbeutung abgeschafft; die schöpferischen Kräfte, fortschrittlichen Traditionen des Volkes; die Sprache, Dichtung, Überlieferungen des Volkes; die Überführung der Schlüsselindustrie, Banken in die Hände des Volkes; Hosang hatte sich zum Anwalt des Volkes gemacht Bredel Heerstraßen 40 (Vitalienbrüder); er stammt aus dem Volke, war ein Mann aus dem Volke; die Leute aus dem Volk in ihrem gesunden Empfinden für das wirklich Wertvolle Schweitzer Aus meinem Leben 106; im Volke lebende Lieder, Märchen; revolutionäre Ideen im V. verbreiten, ins V. tragen /bezeichnet unter soz. Verhältnissen die Gesamtheit der Angehörigen eines Staates, wird in diesem Sinne aber auch unter bürgerl. Verhältnissen zur Verschleierung der Klassengegensätze verwendet/ die Abgeordneten sind die gewählten Vertreter des Volkes, sind dem V. gegenüber rechenschaftspflichtig; dieser Betrieb ist Eigentum des Volkes; zum Wohle des Volkes wirken; die Urteilsverkündung begann mit den Worten: Im Namen des Volkes!; d. Macht, Staatsgewalt geht vom Volke aus; Neupräg. DDR Verdienter Arzt, Lehrer, Hervorragender Wissenschaftler des Volkes
4. /Pl. ungebräuchl.; Verkl.Völkchen; faßt eine (größere) Anzahl von Personen zu einer Menschengruppe zusammen/ Menschen, Leute: umg. in den Straßen drängte sich das aufgeregte V.; dort hatte sich viel V. versammelt; alles V. eilte zum Festplatz; spött. sich unters V. mischen; umg. ein lustiges, fröhliches, munteres Völkchen; Das ganz alte Volk hatte sich an den warmen Ofen gehockt Marchwitza Unter uns 114 beim Tanze traf sich viel junges V. (junge Leute, Jugend) das junge V. vergnügt sich auf seine Weise; das kleine V. (die Kinder) stürmte ins Zimmer salopp ihr seid aber ein blödes V. (benehmt euch dumm, albern)! salopp abwertend (ein) liederliches, leichtlebiges, zweifelhaftes, lichtscheues V.; dieses verlogene V.!; mit solchem, so einem V. wollte er nichts gemein haben; Er pfiff auf das ganze Volk hier Noll Holt 2,232; umg. scherzh. das V. der Fernsehzuschauer; er gehörte zum großen V. der Fußballanhänger; hist. fahrendes V. (Artisten, Schausteller)
5. (größere) Gruppe bestimmter Tiere, Schwarm: ein V. Bienen (Gemeinschaft eines Bienenstocks, die aus einer Königin, Arbeitsbienen und Drohnen besteht) ein Bienenstand von zehn Völkern; d. Hummel, Honigbiene lebt in Völkern; Jägerspr. ein V. (eine Kette) Rebhühner
6. /Pl. ungebräuchl./ veralt. bewaffnete Schar, Truppe: so zog das leichte Volk über Weferlingen Droysen York v. Wartenburg 1,151; reisiges V.;

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