Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 6. Band, 1977

Wasser, das

Wasser, das; -s, -/ Wässer
1. /ohne Pl./ farb-, geruch- und geschmacklose Flüssigkeit, die eine Verbindung von Wasserstoff und Sauerstoff darstellt, bei 0 Grad gefriert, bei 100 Grad siedet und für den lebenden Organismus unentbehrlich ist
a) frisches, klares, sauberes, reines, eisenhaltiges, salzhaltiges, Chem. gechlortes, hartes, weiches⌝ W.; schales, abgestandenes, trübes, schmutziges W.; ein Tropfen W.; das W. siedet, verdampft, verdunstet, gefriert; das W. rinnt, fließt, strömt, sprudelt, plätschert, spritzt, stäubt, versickert; das W. brodelt, schäumt, zischt; W. zum Trinken, Kochen, Waschen; eine Küche mit fließendem W. (Leitungswasser) e. Glas, Eimer (voll) W.; W. holen, schleppen; W. aus dem Brunnen schöpfen; W. in die Wanne einfüllen, einlassen; umg. heißes W. machen; das W. (Leitungswasser) abdrehen, abstellen W. trinken, vulg. saufen⌝; die Lok übernahm auf der Station W.; W. aufbereiten, destillieren, filtern, klären, pumpen, stauen; seinen Durst mit W. löschen; das Geschirr mit W. spülen; sich mit kaltem W. waschen; er stand da wie mit kaltem W. übergossen (stand enttäuscht da) die beiden sind wie Feuer und W. (vertragen sich nicht) nach W. suchen, bohren; der Keller stand unter W. (war überschwemmt)
b) die ein Gewässer bildet: das W. trägt den Schwimmer; das Boot liegt gut auf dem W. (schwimmt gut) ; aus dem W. auftauchen; die Ruder durch das W. ziehen; der Fisch lebt im W. im W. waten, planschen; sich im W. tummeln; ins W. gleiten, fallen; von einem Kahn ins W. springen; sie gingen dreimal ins W. (badeten dreimal) etw. ins W. werfen; der Fährmann stieß eine lange Stange ins W.; der Schwimmschüler hielt sich gut über W.; unter W. schwimmen, tauchen; ein Boot zu W. bringen, lassen das Wasserflugzeug ging zu W. (wasserte) er ist gesund, munter wie ein Fisch im W. (sehr gesund, munter) [ich] fühlte, daß ich am ganzen Körper wie aus dem Wasser gezogen war (ganz naß geschwitzt war) Frenssen Baas 210; /sprichw./ W. hat keine Balken (im Wasser kann man sich nicht festhalten und muß versinken)
c) /in bildl. Wendungen/ das ist W. auf seine(r) Mühle (bestärkt ihn in seiner Meinung, ist ganz in seinem Sinne) umg. das W. steht ihm bis zum Hals (er ist in größter Bedrängnis) bis dahin fließt noch viel W. den Berg, die Elbe hinunter (bis dahin dauert es noch lange, kann sich noch vieles ereignen) die Sonne zieht W. (scheint in einer Weise, die baldigen Regen ankündigt) jmdm. das W. abgraben (jmds. Pläne vereiteln, jmds. Existenz gefährden) jmdm. W. in den Wein gießen (jmds. Begeisterung, Erwartungen dämpfen) jmdm. nicht das W. reichen können (jmds. Fähigkeiten, Leistungen bei weitem nicht erreichen) das war ein Schlag ins W. (Mißerfolg) ins W. gehen (sich ertränken) etw. fällt ins W. etw. zerschlägt sich: sein Vorhaben fiel ins W.; jmdn., sich über W. halten (notdürftig jmds., seine eigene Existenz sichern) den Kopf über W. halten (besonnen, gefaßt bleiben) umg. etw. wird zu W. etw. wird zunichte: Diese Hoffnung wurde zu Wasser Bebel Aus meinem Leben 191; hier wird auch nur mit W. gekocht (hier geht es auch nicht anders zu als überall) umg. ein Edelstein, jmd. ist von reinem, reinstem W. ein Edelstein, jmd. weist seine typische Qualität in vollkommener Form auf: ein Diamant von reinstem W. (von großem Glanz, Feuer) eine Perle von reinstem W. (eine echte Perle) er ist e. Forscher, Theoretiker, Komödiant von reinstem W. (von besonderer, deutlichster Ausprägung)
2. /Pl.Wasser/ dicht. die W. die Fluten: die W. des Meeres; die schnellen, wilden W. der Gebirgsbäche; die W. heulen, donnern, tosen; die W. stürzen herab, schießen dahin, steigen, schwellen; die W. treten über die Ufer, durchbrechen die Dämme, überfluten die Wiesen; Aus den Wassern schallt es Antwort Platen Grab im Busento
3. /Pl.Wasser, auch Wässer; Verkl.: Wässerchen, Wässerlein/ Gewässer: ein kleines, flaches, schmales, tiefes, schiffbares W.; ein offenes W. (frei befahrbare Strecke in einem sonst vereisten Gewässer) verunreinigte W.; an manchen Stellen waren es … Bäche, und wieder an anderen waren es stehende Wasser (ohne Abfluß) Musil Mann 1262; ein W. (Fluß) ableiten sich an einem W. lagern; umg. das große W. das Meer, bes. der Atlantik: über das große W. fahren; die Waren, die über das Wasser (von Übersee) kommen Molo Ein Deutscher 262 die Stadt ist zu Lande und zu W. (auf dem Land- und Wasserweg) zu erreichen /bildl./ umg. sie hat am W. gebaut (vergießt leicht Tränen) mit allen Wassern gewaschen sein (durchtrieben sein) umg. scherzh. jmd. kann kein Wässerchen trüben (jmd. kann nichts Unrechtes, Böses tun, ist harmlos) /sprichw./ stille W. sind tief (ruhige Menschen überraschen oft bei näherer Bekanntschaft)
4. /Pl.Wässer; Verkl.: Wässerchen, Wässerlein/ wäßrige Lösung: umg. ein W. (Mineralwasser) mit Geschmack schweiz. gebrannte W. (Spirituosen) ein wohlriechendes Wässerchen (Parfüm) Alle Parfüms und Kölnische Wässer enthalten Alkohole Gesundheit 1963
5. /ohne Pl./ umg. wäßrige Flüssigkeit, die sich im menschlichen Körper bilden kann: W. in den Beinen (Wassersucht) haben Sie hatte Wassersucht, und das Wasser reichte ihr bis ans Herz Fussenegger Antlitz 59; ihre Augen sind, stehen voll W. (Tränen) das Wasser trat ihm in die Augen E. Strauss Freund Hein 33; vulg. Rotz und W. (heftig, hemmungslos) heulen bei der Hitze lief ihm das W. (Schweiß) von der Stirn sein W. (Urin) nicht halten können salopp derb sein W. abschlagen, verhüll. W. lassen (Harn ausscheiden) /bildl./ umg. Blut und W. schwitzen (in großer Angst, Aufregung sein) mir läuft das W. im Mund zusammen (ich bekomme Appetit)

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Wortfügung
Zitationshilfe
„Wasser“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Wasser>, abgerufen am 07.08.2020.

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