Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 6. Band, 1977

Wort, das

Wort, das; -(e)s, Wörter/ -e /Verkl.: Wörtchen, Wörtlein/
1. /Pl.Wörter, auch Worte/ ein- oder mehrsilbige selbständige sprachliche Einheit mit einem bestimmten Bedeutungsgehalt: ein ein-, drei-, mehrsilbiges, kurzes, langes, zusammengesetztes, neues, veraltetes, mehrdeutiges, umgangssprachliches, fachsprachliches, fremdes, unbekanntes, schwieriges, derbes W.; ein W. aus der Jäger-, Kindersprache, einer Fachsprache, dem Englischen; russische, französische Wörter; das W. Biologie stammt aus dem Griechischen, ist der griechischen Sprache entlehnt worden; ein (neues) W. prägen; dieses W. wird mit v, großem Anfangsbuchstaben, umg. groß⌝ geschrieben; d. Bedeutung, Betonung, Klang eines Wortes; ein W. mit sechs Buchstaben, drei Silben; die zweite Silbe dieses Wortes trägt den Hauptakzent; dieses W. hat mehrere Bedeutungen, kann man nicht übersetzen; was bedeutet dieses W.?; ich verstehe den Sinn dieses Wortes nicht; die Bedeutung dieses Wortes hat sich gewandelt; sie ist freigiebig im wahrsten, eigentlichen, vollsten Sinn des Wortes, in des Wortes wahrster, ureigenster Bedeutung; nach einem treffenden, dem passenden W. suchen; er antwortete mit einem (einzigen) W.: Ja!; ein W. hören, lesen, sprechen, schreiben, verstehen, gebrauchen; ein W. richtig aussprechen, anwenden; ein W. falsch betonen, schreiben; buchstabiere das W.!; der Taubstumme las jedes W. von den Lippen des Sprechenden ab; einen Text W. für W. abschreiben, übersetzen; einen Satz W. für W. nachsprechen; ein W. an die Tafel schreiben; ein W. rot unterstreichen; bestimmte Wörter gesperrt, kursiv setzen; dieses Wörterbuch bringt ca. 20000 Wörter; dieser Satz besteht aus fünf Wörtern, umg. Worten⌝; ein Telegramm mit 12 Wörtern, umg. Worten⌝; beim Schreiben Wörter auslassen; er verschluckte (unterdrückte) den Rest des Wortes; Exakte Wissenschaft – was liegt alles in diesen beiden Worten! Planck Sinn 3; mit diesen Worten ließ sich ausdrücken, was sonst nicht auszudrücken war Böll Haus 173; in Worten nicht in Zahlen, sondern mit Buchstaben geschrieben: 3000 Mark in Worten: dreitausend Mark; umg. dieses W. ist mir (nur) so herausgerutscht (habe ich unüberlegt, übereilt ausgesprochen, ist mir entschlüpft) ; ich habe das W. auf der Zunge, das W. liegt mir auf der Zunge (es schwebt mir vor, fällt mir aber im Moment nicht ein) ; so ein vulgäres W. nehme ich nicht in den Mund (spreche ich nicht aus)
2. /Pl.Worte/ mündlich oder schriftlich formulierte, sinnvolle Äußerung, Bemerkung: das gesprochene, geschriebene, gedruckte W.; kluge, geistreiche, vernünftige, klare, deutliche, unmißverständliche, erklärende, prophetische, richtungweisende Worte; packende, aufrüttelnde, mahnende, beschwichtigende, tröstende Worte; höfliche, freundliche, liebevolle, zu Herzen gehende Worte; böse, heftige, scharfe, höhnische, bissige, beleidigende Worte; derbe, starke, große Worte; kurze, nüchterne, umg. dürre, abwertend hohle, spött. salbungsvolle⌝ Worte; die passenden, rechten, richtigen Worte zu finden wissen; man kann (vor Lärm) das eigene, sein eigenes W. nicht verstehen; goldene (wertvolle, beherzigenswerte) Worte das sind nur schöne, leere Worte (leere Versprechungen) das war das rechte W. zur rechten Zeit (jmd. hat im richtigen Augenblick das Richtige gesagt) das ist ein wahres W. (was du sagst, ist völlig richtig)! da hast du ein wahres W. gesprochen; Du sprichst ein großes Wort gelassen aus Goethe Iphigenie I 3; umg. jmd. führt, hat das große W. (gibt im Gespräch den Ton an) jmd. gibt jmdm. gute Worte (jmd. redet jmdm. zu) Rel. das W. Gottes (Bibel) auf ein W. (ich möchte kurz mit dir sprechen)! ein W. (Andeutung) genügt, und ich weiß Bescheid mit einem W. /faßt vorher Gesagtes zusammen und führt es zu einem Abschluß/ kurz gesagt: er beherrscht sein Fach, spricht mehrere Sprachen, kennt sich in Literatur und Kunst aus, spielt Tennis und läuft Ski, mit einem W.: er ist sehr vielseitig; das ist das erste W., das ich davon höre (davon höre ich zum erstenmal) ; seine letzten Worte wurden vom Applaus übertönt; das waren seine letzten Worte (das hat er zum Schluß gesagt) ; jmd. will stets das letzte W. haben, behalten (jmd. duldet keine Widerrede) ; in dieser Angelegenheit ist noch nicht das letzte W. gesprochen (diese Angelegenheit ist noch nicht abgeschlossen, noch nicht endgültig entschieden) ; das ist mein letztes W. (bei dieser Entscheidung, Meinung bleibe ich)!; bei ihm ist jedes zweite, dritte W. mein Wagen (er spricht häufig von seinem Auto) ; etw. läßt sich nicht mit wenigen Worten sagen, erklären; mit jmdm. einige (freundliche), ein paar Worte wechseln; ein paar Worte zu den Anwesenden sprechen; kann ich ein paar Worte (kurz) mit Ihnen sprechen?; schon nach wenigen Worten hatte er begriffen, was für ihn auf dem Spiel stand; es bedurfte nur weniger Worte, um ihr das begreiflich zu machen; er war ein Mann von wenig Worten (sprach nicht viel, war wortkarg) ; sie macht nicht viel, viele Worte (handelt, ohne lange darüber zu reden, sie ist wortkarg) ; sie half ohne viele Worte; kein (einziges) W., nicht ein W. nichts: er sagte kein W. dazu; davon hast du mir kein (einziges) W. gesagt; sie hat den ganzen Abend kein (einziges), nicht ein W. gesprochen; darüber wurde kein W. gesprochen; davon hat kein W., nicht ein W. in seinem Brief gestanden; sie konnte vor Aufregung kein W. herausbringen; jmdm. entgeht kein W. (jmd. achtet auf jede Äußerung) davon ist kein W. wahr, daran ist kein wahres W. (das stimmt nicht) davon war mit keinem W. (nicht) die Rede ich möchte mit keinem W. daran erinnert werden; etw. mit keinem W. erwähnen; mit keinem W. widersprechen; kein W. fiel (niemand sagte etwas) als diese Worte gefallen waren, brach im Saal ein Tumult aus; die Worte sprudeln aus jmds. Mund(e); die Worte flossen ihm leicht von den Lippen (er sprach ohne Mühe, ohne weitere Bedenken) umg. diese Worte sind mir (nur) so herausgerutscht (das habe ich unüberlegt, übereilt ausgesprochen, das ist mir entschlüpft) das W. bleibt jmdm. im Hals(e), Mund(e), in der Kehle stecken (jmd. kann plötzlich nicht weitersprechen) mir blieben vor Schreck die Worte im Munde stecken; geh. jmdm. erstirbt das W. im Munde (jmd. hört zu reden auf) ihre Worte saßen, trafen (was sie sagte, hatte seine Wirkung) sein W. wiegt schwer, hat Gewicht (ist von großer Bedeutung, sehr wichtig) ein W. gab das andere (die Äußerung des einen hatte eine Äußerung des anderen zur Folge, es kam zum Streit, der Wortwechsel wurde immer heftiger) das waren deine Worte (das hast du wörtlich gesagt) mir fehlen die Worte, um diese Szene zu beschreiben (diese Szene kann kaum beschrieben werden) mir fehlen (einfach) die Worte (ich bin so erstaunt, überrascht, erschrocken, entrüstet, daß ich zunächst nicht sprechen kann) sich unflätiger Worte bedienen; geh. sie war (vor Erregung, Angst) ihres Wortes kaum mächtig (sie konnte kaum sprechen) mit der Waffe des Wortes für eine gerechte Sache kämpfen; Der Worte sind genug gewechselt Goethe Faust I 214; ich traue seinen (schönen) Worten nicht; jmdm. ein W. des Dankes, Trostes, der Anerkennung sagen; das erlösende W. sprechen; Worte des Tadels, Bedauerns, anerkennende Worte äußern; da sprach er die Worte …; (unverständliche, heisere) Worte aus-, hervorstoßen, murmeln, stammeln; er brachte diese Worte zögernd, ohne Stocken hervor; freundliche, höfliche Worte mit jmdm. wechseln; mit jmdm. ein W. unter vier Augen sprechen (mit jmdm. ohne Zeugen sprechen) mit jmdm. ein W. im Vertrauen sprechen (vertrauensvoll sprechen) mit jmdm. ein offenes, vernünftiges, ernstes W. reden (offen, vernünftig, ernst reden) umg. mit jmdm. ein (kräftiges) Wörtchen reden (jmdm. energisch und deutlich seinen Standpunkt klarmachen) bei einer Entscheidung ein (gewichtiges, entscheidendes) W. mitreden (mit zu entscheiden haben) umg. da habe ich auch ein Wörtchen mitzureden!; das W. an jmdn. richten (jmdn. ansprechen) jmdm. das W. abschneiden (jmdn. unterbrechen) jmdm., einer Sache das W. reden (für jmdn., etw. eintreten) jmdm. das W. aus dem Mund(e) nehmen (etw. sagen, bevor es der andere ausspricht) umg. jmdm. das W. im Mund(e) (her)umdrehen, verdrehen (den Sinn von jmds. Äußerung ins Gegenteil verkehren) er läßt sich, man muß ihm jedes W. herausziehen (er ist schwer zum Reden zu bringen) salopp laß dir doch nicht jedes W. aus der Nase ziehen (rede doch endlich)! umg. jedes W., die Worte auf die Goldwaage legen (das Gesagte übergenau nehmen, wie es gar nicht gemeint war) ; man legt mir Worte in den Mund, die ich nicht gesagt habe (man schreibt mir fälschlicherweise eine Äußerung zu, unterstellt mir Äußerungen) ; der Verteidiger hat seinem Zeugen die Worte förmlich in den Mund gelegt (dem Zeugen eine bestimmte Äußerung nahegelegt, den Zeugen zu bestimmten Äußerungen veranlaßt) ; ich finde keine Worte!, umg. hast du (da noch) Worte? (ich bin fassungslos, das ist unerhört) ; sich /Dat./ einige Worte zurechtlegen (sich vorher überlegen, was man sagen wird) ; ein paar Worte aufsetzen (etw. schriftlich formulieren) hier und da ein W., Wörtchen fallenlassen (sich über etw. beiläufig äußern) darüber wollen wir kein W. verlieren (darüber wollen wir nicht reden) er hat nie wieder ein W. über diese Angelegenheit verloren; bei jmdm. ein (gutes) W. für jmdn. einlegen (bei jmdm. für jmdn. bitten) für andere das W. führen (für die anderen sprechen) bedenke, wäge deine Worte (überlege, was du sagst)! mäßige deine Worte!; umg. du kannst dir jedes (weitere) W. sparen (alles, was du sagst, ist überflüssig, kann mich nicht beeinflussen, umstimmen) sparen Sie sich Ihre Worte!; jmd. setzt seine Worte bedächtig, vorsichtig, klug (jmd. spricht bedächtig, vorsichtig, klug) geh. er versteht es, die Worte zu setzen (er formuliert gut, treffend) seine Gedanken, Gefühle, Vorstellungen (in einem Gespräch, Brief) W. werden lassen (äußern, aussprechen) ; denke an meine Worte!; du solltest auf sein W., seine Worte hören (dich nach dem, was er sagt, richten) ; ich glaube dir aufs W. (ich glaube dir alles, was du sagst) ; aufs W. gehorchen, folgen, umg. parieren⌝(jmds. Anordnung, Befehl sofort und genau befolgen) ; jmdn. bei seinem, beim W. nehmen (von jmdm. verlangen, daß er das Gesagte, Versprochene ausführt) ; jmd. steht für seine Worte ein (jmd. steht zu seiner Äußerung) ; auch, selbst für Geld und gute Worte tut er das nicht (er tut es auf keinen Fall) ; etw. in knappen Worten mitteilen etw. in eindrucksvollen Worten schildern; jmdm. in bewegten Worten danken; sich in bitteren Worten beklagen; ein in herzlichen Worten gehaltenes Glückwunschschreiben; eine in präzisen Worten gefaßte Erklärung; umg. jmdm. ins W. fallen (jmdn. unterbrechen, am Sprechen hindern) ; jmdm. mit warmen Worten danken jmdn. mit gemeinen Worten beschimpfen; jmdn. mit harten Worten tadeln; jmdn. mit zärtlichen Worten trösten; mit W. und Tat, geh. Worten und Werken⌝ für etw. eintreten; ein Spiel mit Worten (Wortspiel) ; mit diesen Worten (indem er dies äußerte, nach dieser Äußerung) verließ er das Zimmer; mit anderen Worten /drückt etw. vorher Gesagtes anders aus/ anders gesagt: mit anderen Worten: ich soll dir 2000 Mark borgen; nach Worten ringen; nach (passenden, treffenden) Worten suchen; nach seinen Worten (als er dies gesagt hatte) herrschte eisiges Schweigen; ein Schwall von leeren, nichtssagenden, tönenden Worten; er empfing uns mit einem Schwall von Worten (mit einem Wortschwall) ; jmd. steht zu seinem W., seinen Worten (bleibt bei seiner Aussage, hält sein Versprechen ein) ; jmdn. nicht zu W. kommen lassen (jmdn. am Sprechen, Reden hindern)
3. /ohne Pl.; ohne Verkl./ mündliche Darlegung, Äußerung von Gedanken zu einem bestimmten Thema vor einem bestimmten Publikum: sich (in einer Versammlung, Diskussion) zu(m) W. melden (durch Handzeichen zu erkennen geben, daß man zur Sache sprechen möchte) ich bitte ums W. (um die Erlaubnis, zur Sache zu sprechen)! jmdm. das W. geben, erteilen; das W. hat nun Kollegin R!; auf der Tagung nahmen, ergriffen auch viele jüngere Wissenschaftler das W.; der Versammlungsleiter unterbrach ihn und entzog ihm das W. (die Erlaubnis zu sprechen)
4. /Pl.Worte; ohne Verkl./ Zitat: ein bekanntes, klassisches W.; ein geflügeltes W. (Äußerung einer bekannten Person, die häufig angeführt wurde und so sprichwörtlich geworden ist) ein W. von Goethe, Marx; ein Brechtsches W.; dieses W. stammt von Schiller; ein oft zitiertes W. von Wilhelm Busch; Text: das dichterische W.; W. und Weise eines Liedes; ein Lied ohne Worte; d. Fernsehen, Illustrierte berichteten darüber ausführlich in W. und Bild; revolutionäre Agitation in W. und Schrift (in mündlicher und schriftlicher Form)
5. /ohne Pl.; ohne Verkl./ (mündliches) Versprechen, (mündliche) Zusage, Ehrenwort: jmd. gibt, verpfändet sein W.; er gab ihr das, sein W., daß er mit dieser Angelegenheit nichts zu tun hätte; sie gaben sich feierlich das W., einander stets mit Rat und Tat zu helfen; (ich gebe dir) mein W. (darauf)!; auf mein W.!; wir haben sein W., daß er uns unterstützen wird; jmd. hält sein W.; ob er (sein) W. hält?; sie hatte ihm sein W. abgenommen, daß er mit niemandem darüber sprechen würde; jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo er sein W. einlösen muß; ich garantiere Ihnen dafür mit meinem W.!; er hat sein W. gebrochen (sein Versprechen nicht gehalten) am liebsten hätte er sein W. zurückgenommen, -gezogen; auf sein W. kannst du bauen, vertrauen; er ist ein Mann von W. (hält stets, was er versprochen hat) /sprichw./ ich komme, ein Mann, ein W. (auf mich ist Verlaß)

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„Wort“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Wort>, abgerufen am 28.11.2020.

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