Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 6. Band, 1977

Wind, der

Wind, der; -(e)s, -e
1. spürbare stärkere Luftbewegung
a) ein frischer, kalter, frostiger, kühler, starker, stürmischer, heftiger, wirbelnder, leichter, sanfter, warmer W.; es geht ein kleiner W.; ein leichter W. erhob sich, kam auf; es weht ein scharfer, schneidender W.; der eisige W. verschlägt uns den Atem; bei schwachem bis mäßigem W. aus nördlicher Richtung ist es meist stark bewölkt; der W. heult leise; durch die Straßen pfeift der W.; der W. ist umgesprungen, hat sich gelegt; der W. drehte nach Nordwest und flaute ziemlich schnell ab; woher kommt der W.?; die Fahnen flattern, das Haar fliegt im W.; den W. im Rücken haben; gegen den W. fahren, gehen, laufen, fliegen; der W. streicht über die Felder; wo nur die Winde über den Deich wehten Storm 7,158 (Schimmelr.) ; die Winde brausen um das Haus; wie der W. (sehr schnell) rannte der Junge fort wie ein Rohr im W. schwanken (unentschlossen, ohne festen Standpunkt sein) /in festen Verbindungen/ W. und Wetter (jedem Wetter) ausgesetzt sein bei W. und Wetter (bei jedem Wetter, selbst bei schlechtem Wetter) stehen die Leute auf dem Fußballplatz etw. hängt von W. und Wetter ab; Seemannsspr. ein ablandiger (vom Land wehender), auflandiger (vom Meer zum Land wehender), achterlicher (von hinten kommender) W. das Segelschiff lief vor dem W., hart am W.; gegen den W. segeln, kreuzen; /bildl./ viel Versprechungen und alles W. (Angeberei) umg. eine Mütze voll W. (eine Brise) salopp abwertend etw. stinkt sieben Meilen gegen den W. (macht sich schon von weitem aufdringlich bemerkbar) Jägerspr. /vom Wild/ W. bekommen Witterung bekommen: wir vermuteten, daß die Elefanten unseren Wind bekommen hätten Schomburgk Afrika 360; /übertr./ umg. hier weht (jetzt) ein anderer W. (geht es strenger zu) ; ich weiß, merke schon, woher der W. weht (kenne mich aus) ; daher weht, bläst also der W. (so ist das also)!; einen Rat in den W. schlagen (ihn nicht befolgen) ; von einer Angelegenheit W. bekommen (etw. von einer Angelegenheit erfahren) ; mach nicht soviel, nicht solchen W. (gib nicht so an; bausch das nicht so auf)!; jmdm. den W. aus den Segeln nehmen (einem Gegner den Grund für sein Vorhaben nehmen, die Argumente des Gegners gegenstandslos machen) ; den Mantel nach dem W. hängen, drehen, kehren (seine Meinung je nach Vorteil ändern, sich aus Eigennutz immer nach der jeweils herrschenden Meinung, der jeweiligen Lage richten) ; sich /Dat./ frischen W. um die Nase wehen lassen (sich in der Welt, im Leben umsehen, Erfahrungen sammeln) frischen W. in die Segel bekommen (neuen Antrieb bekommen) salopp jetzt pfeift's, da pfeift der W. aus einem andern Loch (jetzt wird strenger durchgegriffen)
b) fachspr. die durch den Blasebalg den Orgelpfeifen zugeführte Luft: Der Lehrer will Wind in seiner Orgel haben Jahnn Niederschrift 2,696
2. in alle (vier) Winde überallhin: die Familie ist in alle Winde zerstreut; dann fahren wir wieder in alle Winde, jeder dahin, woher er gekommen Bredel Fünfzig Tage 147
3. verhüll. abgehende Blähung: versetzte Winde; salopp derb einen W. fahrenlassen (eine Blähung abgehen lassen)

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Zitationshilfe
„Wind“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Wind>, abgerufen am 07.08.2020.

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