Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 6. Band, 1977

Wirtschaft, die

Wirtschaft, die; -, -en
1. /Pl. ungebräuchl./ Gesamtheit aller ökonomischen und wissenschaftlich-technischen Prozesse und der dazu notwendigen Einrichtungen, die zur erweiterten Reproduktion eines Landes gehören und deren sozialökonomischer Charakter durch die jeweils herrschenden Eigentumsverhältnisse bestimmt wird, Volkswirtschaft: der Charakter der Produktivkräfte der Gesellschaft und die damit verbundenen Produktionsverhältnisse bestimmen den Charakter der W. eines Landes; die sozialistische W. wird vom sozialistischen Staat gemeinsam mit den Werktätigen entsprechend den Erfordernissen der ökonomischen Gesetze des Sozialismus geplant und geleitet; für die kapitalistische W. sind das Privateigentum an den Produktionsmitteln, die Ausbeutung von Lohnarbeitern und die Produktion um des Profites willen sowie Anarchie, Krisen und Klassenkampf charakteristisch; /unter soz. Verhältnissen/ der private (auf Privateigentum an den Produktionsmitteln beruhende), der genossenschaftliche Sektor unserer W. die örtlich geleitete W. (die den Bezirken, Kreisen, Gemeinden unterstehenden Betriebe und Einrichtungen) die zentral geleitete W. (alle Betriebe und Einrichtungen, die direkt den Staats- und Wirtschaftsorganen unterstehen) eine blühende, krisenfreie, leistungsfähige W.; die Industrialisierung, Rekonstruktion, Umgestaltung der W.; die W. wieder in Gang bringen, umg. ankurbeln ; die W. lag darnieder; jmd. ist in der W. (als Handelskaufmann) tätig
2. Haushalt, Hauswirtschaft: eine eigene W. gründen; ihr ganzer Stolz waren ihre Kinder und ihre gut geführte W.; jmdm., einem Junggesellen, Witwer die W. führen; jmdm. die W. in Ordnung bringen, halten; sie hilft ihrer Mutter in der W.; sie nutzte die Zeit, die ihr W. und Kinder ließen, zu allerlei Handarbeiten;
3. landsch. bes. norddt., DDR veralt. kleiner privater landwirtschaftlicher Betrieb: eine eigene kleine W. war das Ziel seiner Wünsche; der Bauer sah keine Möglichkeit mehr, seine W. weiterzuführen; Nur in ganz zurückgebliebenen ländlichen Gegenden findet man noch Bauernfamilien, die sich das meiste zum Leben durch eigene Arbeit in der Wirtschaft verschaffen Luxemburg Reden 1,421
4. landsch. (kleinere) Gaststätte mit Ausschank von Getränken, in der auch Speisen verabreicht werden: eine saubere kleine W.; in die W. gehen; in eine W. einkehren; er wartete auf mich in der W.; vor der W. standen einige Autos; er hatte sein letztes Geld in der W. gelassen;
5. /ohne Pl./ sachgemäßes, haushälterisches Umgehen mit den gegebenen (finanziellen) Mitteln, das Wirtschaften: bei solch schlechter W. könnt ihr mit eurem Geld nicht auskommen; er ließ sich /Dat./ nicht in seine W. dreinreden; sie war eine kluge Frau, aber von der W. verstand sie nichts
6. /ohne Pl./ umg. abwertend Unordnung, Durcheinander: wir können dich nicht machen lassen, was du willst, das gäbe eine schöne W.; diese W. muß endlich aufhören!; was hast du für eine W. angerichtet!;
7. /ohne Pl./ umg. Mühe, Schererei: so viel Besuch, das macht eine Menge W.; jedesmal ist's die gleiche W. mit ihm;

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Zitationshilfe
„Wirtschaft“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/Wirtschaft>, abgerufen am 18.09.2021.

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