Zunge, die; -, -n /Verkl.Zünglein/
1. muskulöses Organ am Boden der Mundhöhle, das beweglich ist und bei der Aufnahme, beim Schmecken und Schlucken der Nahrung sowie bei der Lautbildung beteiligt ist: Trocken und hart klebt die Zunge am Gaumen J. Roth Radetzkymarsch 104 der Patient hat eine belegte (mit krankhaftem weißem Belag bedeckte) Z. der Arzt ließ sich /Dat./ die Z. zeigen; jmdm. (frech) die Z. herausstecken, -strecken /als Zeichen der Mißachtung, Schadenfreude/ ; einen schlechten, bitteren Geschmack auf der Z. haben; Pfeffer brennt auf der Z.; das Eis zerging auf der Z.; sich /Dat./ aus Versehen auf die, in die Z. beißen; sich /Dat./ mit der Z. über die (trockenen) Lippen fahren; die Lippen mit der Z. befeuchten; (anerkennend) mit der Z. schnalzen; mit der Z. anstoßen (lispeln) die Z. an den Gaumen drücken, an die Zähne pressen; sich /Dat./ an heißer Brühe die Z. verbrennen; /in bildl. Wendungen/ jmd. hat eine feine, verwöhnte Z. (ist ein Feinschmecker) jmd. hat eine flinke, rasche Z. (redet schnell und viel, übereilt, voreilig) jmd. hat eine geläufige Z. (ist redegewandt) jmd. hat eine spitze Z. (macht gern anzügliche, leicht boshafte Bemerkungen) jmd. hat eine scharfe Z. (führt gern bissige, verletzende Reden) jmd. spricht, redet mit doppelter Z. (jmd. ist doppelzüngig) jmd. hat eine schwere Z. (jmd. redet unter dem Einfluß von Alkohol oder aus Veranlagung langsam) böse Zungen (boshafte Menschen) behaupten, daß … umg. jmdm. klebt die Z. am Gaumen (jmd. ist durstig) salopp jmdm. hängt die Z. zum Hals heraus (jmd. ist sehr durstig, ganz erschöpft) umg. der Name liegt mir auf der Z. (schwebt mir vor, fällt mir aber im Moment nicht ein) es brannte mir schon die ganze Zeit auf der Z. (ich wollte es schon die ganze Zeit sagen) jmd. trägt, hat sein Herz auf der Z. (jmd. ist offenherzig) er ließ das Wort, Bonmot auf der Z. zergehen (ergötzte sich daran, genoß den Klang) ich mußte mir auf die Z. beißen (mußte an mich halten), um nicht laut loszulachen salopp sich /Dat./ die Z. aus dem Hals reden (unermüdlich, angestrengt auf jmdn. einreden) sich /Dat./ die Z. aus dem Hals rennen (mit größter Anstrengung rennen) ; der Kognak löste, lockerte ihre Zungen (brachte sie zum Reden, machte sie gesprächig) er verstand es, ihre Z. zu lösen (sie zum Reden zu bringen) umg. er würde sich /Dat./ lieber, eher die Z. abbeißen, als etw. zu verraten (würde es auf keinen Fall verraten) salopp bei diesem Namen, Satz (zer)bricht, verrenkt man sich /Dat./ ja die Z. /der Name, Satz ist schwer auszusprechen) ; umg. er hat sich wieder einmal die Z. verbrannt (unbedacht etw. gesagt, das unangenehme Folgen haben kann) sie hat ihre Z. nicht im Zaum halten können (hat nicht an sich halten können und etw. gesagt, was besser nicht gesagt worden wäre) hüte, zügle deine Z. (äußere nichts Unbedachtes)!
2. /übertr.; ohne Verkl./ dicht. Sprache: die Dichter deutscher, spanischer Z.; in fremder Z. reden, schreiben; sie redete in einer fremden Z., von der er kein Wort verstand, auf ihn ein; die Unterhaltung wurde in vielen Zungen geführt; er dichtete in der Z. des einfachen Volkes;
3. /Dinge, die einer Zunge äußerlich ähnlich sind/ Unter uns immer noch Sümpfe … dazwischen Zungen von Land, Sand Frisch Homo faber 20; daß die letzten Zungen der Wellen unsere Schuhe erreichten H. W. Richter Spuren 299; das Feuer brannte mit vielen roten Zungen; die Zungen einer Blüte
a) landsch. Lasche am Ausschnitt eines Schnürschuhs: die Z. hat sich schon wieder verschoben;
b) Zeiger an einer Waage: beim Wiegen auf die Z. blicken; du mußt warten, bis das Zünglein zum Stillstand gekommen ist /übertr./ das Zünglein an der Waage sein den Ausschlag geben: bei der Abstimmung war seine Stimme, war er das Zünglein an der Waage;
c) Techn. beweglicher Teil der Weiche, durch den die Fahrtrichtung bestimmt wird
d) Mus. an einer Seite befestigtes Blättchen bei bestimmten Musikinstrumenten, meist aus Metall, das durch Anblasen, Zupfen, Anschlagen in Schwingungen versetzt wird und dadurch Töne erzeugt: die Z. an der Klarinette, am Harmonium;
4. Gericht aus 1 mancher Schlachttiere, bes. vom Rind, Kalb, Schwein: heute gibt es (gekochte) Z.; Z. vom Rind, Kalb; Z. in Rotwein; gepökelte Z. (Pökelzunge)

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