greifen, griff, hat gegriffen
   1. etw. (rasch) in die Hand nehmen, etw., jmdn. (rasch) berühren, anfassen (und festhalten): er griff sich /Dat./ ein Buch vom Bücherbrett; der Zauberkünstler griff Karten aus der Luft; Tags griff er vom Feld die frühsten Ähren Brecht Hirse 13; sie ... hatte mit der Rechten schon ihre Tasche gegriffen M. Walser Halbzeit 249; Sie griff ihr Haar mit beiden Händen und warf es nach hinten Nossack Spirale 22; im Dunkeln suchend um sich g.; ins Leere g.; das Gebirge lag zum Greifen nahe vor uns; nach etw., jmdm. g.: das Kind griff vergeblich nach der roten Kugel, nach der Mutter; nach allem Neuen, Glänzenden g.; er griff nach seinem Hut, Mantel, um fortzugehen; nach der Zange, Schaufel, zur Zange, Schaufel g.; »Gleich greifst du« -- zum Stock, will er sagen Hebbel Heideknabe; geh. zur Feder g. (schreiben wollen)⌉; sich /Dat./ an etw. g. etw. (rasch) berühren, anfassen: er griff sich an den Kopf; sich an d. Arm, Stirn g.; Sobald Strapinski nur an seine Mütze griff und dieselbe demütig vor seine Brust nahm ... verbeugte sich das Mädchen G. Keller 6,313 (Kleider machen Leute); (mit der Hand) an die Wand, den warmen Ofen g.; /übertr./ der Bagger greift das Erdreich (nimmt es auf); die Räder g. schlecht (haben wenig Reibung) auf der glatten Straße; umg. den werde ich mir schon g. (mit dem werde ich abrechnen)⌉; er griff einige Akkorde auf dem Klavier (schlug sie an); diese Melodie greift ans Herz (rührt); daß er sein Werk verlassen mußte, bevor es vollendet ist, greift jedem ans Herz Th. Mann 12,741; diese Behauptung ist völlig aus der Luft gegriffen (ist frei erfunden); Sport umg. hinter sich g. (ein Tor in Kauf nehmen) müssen; umg. er mußte tief in den Beutel g. (mußte viel bezahlen)⌉; der Wind, der in Metas Rock griff H. W. Richter Spuren 239; Tief greift die Lübecker Bucht ins Land Natur u. Heimat 1960; eins greift ins andere (alles ist organisch untereinander verbunden); das läßt sich mit Händen g. (ist ganz deutlich); er greift gern nach, zu einem guten Buch (liest gern); nach den Sternen g. (Unmögliches erreichen wollen); nach dem rettenden Strohhalm g.; salopp scherzh. jmdm. unter die Arme g. (jmdm. helfen); verhüll. zum Branntwein g. (ein Trinker werden)⌉; zu den Waffen, zum Gewehr g. (kämpfen wollen); zum Wanderstab g. (wandern, weggehen wollen); zu einer List, zu strengeren Maßnahmen, unerlaubten Mitteln, zur Selbsthilfe g. (sie anwenden); etw. ist hoch, niedrig gegriffen etw. ist hoch, niedrig geschätzt: diese Zahl ist nicht zu hoch gegriffen
   2. jmdn. fassen, gefangennehmen: einen Dieb g.; der Täter konnte bald gegriffen werden; Der läßt sich so leicht nicht greifen Fallada Blechnapf 445; der Hund greift (fängt) den Hasen; landsch. Greifen Haschen, Fangen /Kinderspiel/; die kleineren spielen, unbekümmert um den Ernst der Stunde, zwischen den Reihen Greifen Urania 1964
   3. etw. greift um sich, greift Platz etw. breitet sich aus: das Feuer griff rasch um sich; die Seuche hatte schnell um sich gegriffen; Depressionen, die immer weiter um sich griffen Klepper Schatten 16; eine Unsitte griff Platz; es hat eine gegenseitige Zersetzung Platz gegriffen Musil Mann 1622
zu 1 /in Verbindung mit Richtungsadverbien, z. B./ durch-, heraus-, herein-, hin-, hinauf-, hinaus-, hindurch-, hinein-, hinüber-, zurückgreifen; /ferner in/ ab-, an-, aus-, daneben-, ein-, fehl-, ineinander-, über-, übereinander-, ver-, vor-, zugreifen; tief-, weitgreifend; handgreiflich zu 1 u. 2 auf-, ergreifen dazu begreifen; begreiflich; inbegriffen

Zitationshilfe
„abgreifen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/abgreifen>, abgerufen am 21.08.2018.

Weitere Informationen …


Weitere Informationen zum Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG) …