Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

absehen

absehen(er sieht ab,) sah ab, hat abgesehen
/vgl. abgesehen /
1. durch aufmerksames (heimliches) Hinsehen
a) etw. von jmdm. erlernen, abgucken: jmdm. e. Fertigkeit, Kunst(griff) a.; etw. von einem Modell, dem Leben a.;
b) etw. (von jmdm.) unerlaubt abschreiben, abgucken: der Schüler hat (von seinem Nachbar) abgesehen;
c) jmdm. etw. ansehen: [Gründe] die sie den Leuten am Gesicht absah G. Keller 7,152; sah er beinahe jedem seiner Kunden das, was er brauchte, an der Nase ab Raabe II 5,230; jmdm. alles an den Augen a. (jeden unausgesprochenen Wunsch erfüllen) etw. ablesen: einen Laut am Mund a.; etw. an der Kurve, am Test a.;
2. etw. voraussehen, erkennen: es ist kein Ende abzusehen; das Ende läßt sich nicht a.; die Folgen dieser Handlung sind nicht abzusehen; er sah noch weniger ab, wo das geringste Mittagbrot herwachsen sollte G. Keller 6,293 (Kleider machen Leute) etw. ist (noch gar) nicht abzusehen;
3. von etw. abstehen, etw. unterlassen: von dem Kauf a.; von d. Klage, Bestrafung a.; von seiner Anstellung a.; davon wollen wir (jetzt ganz, diesmal noch) a.;
4. über etw. hinwegsehen, etw. außer acht lassen: wenn man von dem Schaden, von dieser Eigenheit absieht; ist das nicht die beste Art, von der Erde und vom Leben abzusehen Th. Mann 9,11
5. umg. es auf etw., jmdn. a. es auf etw., jmdn. anlegen, auf etw., jmdn. abzielen: er hat es darauf abgesehen (mich zu ärgern); es war darauf, auf ihn abgesehen; er hat es auf mich abgesehen (will mich schädigen; will mich gewinnen) Nicht, daß ich es auf ein Schlaraffenleben absehe G. Keller 7,264 (Fähnlein) ; er … könnte es mit der Heirat bloß auf ihr Geld abgesehen haben Broch Esch 212
6. veralt. etw. einsehen: [ich] sah nicht ab, warum man mir … das Größere entziehen wollte Büchner Danton I 5; daß sie gar nicht absehen und glauben könne, wie die Menschen unsterblich sein sollten G. Keller 4,761 (Gr. Heinrich)

Im WDG stöbern

a b c d e f g h i j
k l m n o p q r s t
u v w x y z - ' & µ