Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

abtreiben

abtreiben, trieb ab, hat abgetrieben/ ist abgetrieben
/vgl. abgetrieben /
1. (etw., jmdn.) wegtreiben
a) etw., jmdn. aus seinem Kurs bringen, vertreiben, Ggs. antreiben(hat:) der Wind treibt d. Wolke, Ballon ab; die Strömung treibt d. Boot, Schwimmer (rasch, mehrere Meter, nach Süden, weit ins Meer) ab; Das Menschengewühl trieb mich ab Werfel Abituriententag 150; /übertr./ Schlächtersleute, denen die … Warenhäuser die Kundschaft abtrieben (abzogen) A. Zweig Beil 531
b) vom Kurs abkommen, Ggs. antreiben(ist:) d. Wolke, Flugzeug treibt ab; d. Kahn, Schwimmer treibt (vom Ufer) ab;
c) etw. aus dem Körper heraustreiben(hat:) ein abtreibendes Mittel; ein Kind a. (die Leibesfrucht vorzeitig entfernen) Würmer, (Gallen)steine a.; /übertr./ salopp er hat ihm die Würmchen abgetrieben (ihm fortgesetzt Aufträge erteilt)
d) die Hirten haben das Vieh (von der Alm) abgetrieben (herabgetrieben)
2. Jägerspr. die Jäger haben den Wald abgetrieben (eine Treibjagd im Wald veranstaltet) Und als der [zweite Kessel] abgetrieben war Löns 4,96 (Mümmelm.)
3. /Sonderbedeutungen/ (hat)
a) Forstw. den Wald a. (abholzen) der Tannenbestand mußte (kahl) abgetrieben werden;
b) Bergm. gelockertes Gestein losbrechen: zur Sicherung der Einfahrenden wurde der Gang abgetrieben;
c) Hüttenw. (Edel)metalle von unedleren Bestandteilen befreien: (aus dem Bleikonzentrat) Silber a.; Gold, Wismut a.;
d) Chem. etw. durch Destillation trennen: Alkohol aus einem wasserhaltigen Gemisch a.;
e) österr. süddt. Kochk. einen Teig a. (rühren) Butter, Zucker und Eier treibt man zusammen ab;

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