Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

auf, Präp. mit Dat. u. Akk.

1auf /Präp. mit Dat. u. Akk.,
vgl. aufs /
I. /räuml./
1. /mit Dat./
a) /bezeichnet ein Lageverhältnis/
α) /etw., jmd. befindet sich obendrauf/ das Buch liegt a. dem Tisch; er sitzt a. dem Stuhl; das Haus steht a. einem Berg; sie liegen a. dem Bett; der Vogel a. dem Dach, die Feder a. dem Hut, die Wurst a. der Platte; etw. a. dem Kopf tragen; a. den Knien liegen; a. Zehenspitzen laufen; geh. sein Blick lag, ruhte a. ihr; a. der Straße gehen; a. dem Feld, Hof, a. dem Lande arbeiten; a. einer Inselleben, wohnen; Geld a. dem Konto haben
β) /in übertragenen Wendungen/ die Verantwortung liegt, ruht a. mir; er läßt es nicht a. sich /Dat./ sitzen; etw. a. dem Herzen, jmdn. a. dem Gewissen haben; etw. liegt a. der Hand; a. eigenen Füßen stehen; geh. etw. ist a. aller Lippen; den ganzen Tag a. den Beinen, den Füßen sein; umg. etw. brennt mir a. den Nägeln; er hat es a. der Brust; salopp jmdn. a. dem Hals haben; a. dem Mond leben; a. der Lauer liegen; a. dem letzten Loch pfeifen; a. einer Tatsache herumreiten; jmdn. a. dem Strich haben; etw. a. dem Kasten haben; a. der Palme sein; /der Ton liegt auf auf / es hat nichts a. sich (nichts zu bedeuten) a. der einen Seite … a. der anderen Seite; umg. a. der Stelle (sofort, in diesem Augenblick)
b) /bezeichnet den Aufenthalt in einem Raum, Gebäude/
α) /dafür heute auch in / a. der Post sein, telefonieren; a. der Polizei etw. melden; a. der Bibliothek, dem Gericht arbeiten; a. dem Bahnhof warten; a. dem Büro sitzen; a. seinem Zimmer bleiben, essen; a. dem Rathaus etw. erledigen; umg. den ganzen Tag a. der Bahn liegen (im Zug sitzen) a. dem Dorf (Ggs. in der Stadt) wohnen veralt. /heute nur in / wie er sein erstes Bild auf dem Kunstverein ausgestellt hatte Heyse II 2,311; a. dem Kaffeehaus, Theater, Museum;
β) a. der Schule, der Universität sein Schüler, Student sein: er ist noch a. der Grundschule, schon a. der Oberschule, a. der Hochschule;
c) /bezeichnet die Teilnahme an etw./ a. der Probe, Versammlung, dem Kongreß, a. der Hochzeit, dem Ball, Fest, a. der (Heim)fahrt, Reise, dem Spaziergang, der Jagd sein, sich befinden; /steht mit Vorgangsverben zeitlichem Gebrauch nahe/ a. (während) der Probe ohnmächtig werden a. dem Fest einen Preis bekommen; a. der (Heim)fahrt den Fuß brechen; a. dem Spaziergang das Portemonnaie verlieren; /in festen Verbindungen/ umg. a. Arbeit sein; a. Wache, Posten, Spähtrupp sein; a. Besuch, Erholung sein
2. /mit Akk.; bezeichnet ein Richtungsverhältnis/
a) /die Bewegung von oben nach unten, von unten nach oben/
α) ich lege das Buch a. den Tisch; ich setze mich a. den Stuhl; er stellt die Last a. den Boden; die Sonne scheint a. meinen Rücken; das Kind fiel a. den Kopf; wir legen, werfen uns aufs Bett; wir steigen a. den Berg; ich klettere aufs Dach; die Mutter nimmt das Kind a. den Schoß; sie hebt den Korb a. den Schrank; wir eilen a. die Galerie; (bis) a. den Mond schießen; vom Flugzeug a. die Landschaft, vom Fenster a. den Garten blicken; (bis) a. den Grund sehen; Geld a. sein Konto eintragen
β) /in übertragenen Wendungen/ die Verantwortung a. jmdn. legen, schieben; /der Ton liegt auf auf / etw. a. sich nehmen, laden; den Ruf a. einen Lehrstuhl erhalten, annehmen; salopp jmdm. aufs Dach steigen, a. die Finger sehen, a. den Leib rücken, a. den Zahn fühlen; sich a. den Kopf stellen; einer Sache a. den Grund kommen; a. jmdn., etw. setzen; salopp jmdn. a. den Sand setzen; jmdn. a. Rente, halbe Ration setzen; die Erdölgewinnung a. 97 Millionen Tonnen erhöhen; die Verkehrsunfälle a. die Hälfte reduzieren; das Versehen kommt a. sein Konto
b) /bezeichnet die auf ein Ziel gerichtete Vorwärtsbewegung/ in Richtung: a. eine Stadt marschieren; /häufig in Verbindung mit zu / a. jmdn. zugehen, zukommen, zutreten; a. etw. zusteuern; Seemannsspr. aufs Ufer, a. die Küste (zu)halten; auf das Gerichtsgebäude zu bewegt sich eine Menge Brecht Rundköpfe 4; daß man jahrelang auf ein Ziel hinleben kann I. Seidel Tor 365
c) /bezeichnet den Gang in einen Raum, ein Gebäude/
α) /dafür heute auch in oder zu / a. die Post, Polizei, den Bahnhof gehen; a. die Bibliothek, aufs Gericht, aufs Rathaus schicken; Der Angestellte Lauterbach ist am frühesten auf das Büro gekommen Fallada Kleiner Mann 54; a. sein Zimmer gehen /dafür heute meist in / aufs Dorf (Ggs. in die Stadt) ziehen veralt. /dafür heute nur in oder zu / a. die Apotheke schicken; a. den Kunstverein, das Kaffeehaus gehen
β) a. die Schule, die Universität gehen Schüler, Student sein: er geht aufs Gymnasium, a. die Technische Hochschule;
d) /bezeichnet den Gang zur Teilnahme an etw.; dafür heute häufig zu / a. die Probe, Versammlung, a. Bälle, eine Hochzeit, ein Fest, a. die Reise, Jagd gehen; /in festen Verbindungen/ umg. a. Arbeit gehen; a. Schicht, Posten gehen; a. Besuch kommen; a. Urlaub gehen
3. /mit Akk.; bezeichnet die Entfernung/ in der Entfernung von: ich habe es ihm a. 10 Meter angesehen, daß …; a. 50 Meter Entfernung gab er drei Schüsse ab; Er ist … der erste Schachspieler auf zwanzig Stunden im Umkreis Heyse I 5,17
II. /zeitl. mit Akk./
1. /bezeichnet eine Zeitspanne/ für (die Dauer von): a. unbestimmte Zeit, a. ein paar Tage verreisen; sich a. ein Stündchen zurückziehen, a. einen Augenblick entschuldigen; die Arbeit a. Jahre (hinaus), a. lange hin unterbrechen müssen; a. 4 Jahre gewählt werden; umg. a. einen Sprung vorbeikommen; einen Posten a. Zeit (zeitweise) übernehmen bitte, a. ein Wort (für einen Augenblick)!
2. /bezeichnet das zeitliche Nacheinander/
a) wir warteten Stunde a. Stunde (mehrere Stunden hintereinander) es ging Schlag a. Schlag; die Kinder bohrten ein Loch aufs andere; a. Regen folgt Sonnenschein; /sprichw./ Wein a. Bier, das rat ich dir; Bier a. Wein, das laß sein
b) /bezeichnet die Wende von einem Tag, Jahr zum anderen/ zu: es geschah in der Nacht vom 16. a. den 17. August, in dem kalten Winter von 1955 a. 1956; Meine im Wintersemester 1911 auf 1912 gehaltenen Vorlesungen Schweitzer Aus meinem Leben 110
3. /bezeichnet einen Zeitpunkt; vgl. /
a) süddt. /bei Festen neben an / zu: a. Weihnachten werden wir Schnee haben; a. Pfingsten verreisen wir;
b) schweiz. zu, für: Architekt a. 1. Mai gesucht; a. nächsten Frühling freiwerdende Lehrstellen sind bereits besetzt;
c) veraltend a. den Abend, a. die Nacht zum Abend, zur Nacht: wir sollten a. den (späten) Abend zu ihm kommen; [du] issest deine Suppe auf die Nacht Brecht Rundköpfe 11; es geht a. den Abend;
d) bis zu /nur in festen Verbindungen/ a. Wiedersehen!, a. Wiederhören!; a. morgen!
e) geh. bis a. bis zu: alles blieb unverändert bis a. den heutigen Tag; bis a. weiteres (bis zu einem noch unbekannten Zeitpunkt)
4. /in festen Verbindungen/ umg. a. die Minute (pünktlich) kommen salopp etw. a. Anhieb (sofort, beim ersten Versuch) schaffen umg. a. einmal (plötzlich) stand er vor mir er begann aufs neue (von neuem) a. seine alten Tage (im Alter) noch arbeiten
III. /modal mit Akk./
1. /bezeichnet die Art und Weise/ a. die eine, a. die andere Art, a. diese Weise etw. tun; a. Staatskosten studieren; a. orientalische Sitte das Gesicht verhüllen; salopp etw. a. die süße Tour erreichen; etw. a. die Schnelle erledigen; etw. a. deutsch, französisch (in deutscher, französischer Sprache) sagen, schreiben das Glas a. einen Zug austrinken; sieben a. einen Streich (mit einem Male) alles a. einmal (gleichzeitig) erledigen a. jeden Fall kommen; mit jmdm. a. du (und du) stehen; zwischen beiden ist ein Verhältnis a. du und du
2. /bezeichnet den Grad, die Intensität/
a) jmdm. aufs Haar (ganz genau) gleichen a. den Tod krank sein; a. Tod und Leben kämpfen;
b) /aufs, auch a. das vor dem Superlativ, nur in adverbialer Verwendung; bezeichnet einen sehr hohen Grad/ jmdn. aufs herzlichste (sehr herzlich) grüßen lassen aufs beste (sehr gut) arbeiten aufs äußerste, a. das äußerste erzürnt sein; es ist aufs strengste verboten …; sie wehrten sich a. das tapferste
IV. /bezeichnet den Zweck, das Ziel; mit Akk./
1. etw. a. Abbruch verkaufen; etw. a. Wirkung berechnen, a. den äußeren Eindruck abstellen; der neue Typ des Flugzeugs wurde a. äußerste Sicherheit angelegt; umg. sich a. jung zurechtmachen, a. neu einkleiden; mit ihren grotesken Nasen oder auf süß geschminkten Gesichtern H. Mann Zeitalter 158; a. Heringe ausziehen; a. Löwen jagen; (be)gierig, lüstern a. etw. sein; hinsichtlich: etw. a. seine Richtigkeit (über)prüfen; ein Fahrgestell a. Brüche untersuchen; eine Arbeit a. Fehler durchlesen; a. Ihr Wohl, Ihre Gesundheit!; a. gut Glück, aufs Geratewohl (zu jmdm. reisen);
2. veralt. a. daß s. daß
V. /bezeichnet die Folge, steht Grund und Bedingung nahe; mit Akk./ a. den Rat des Arztes trat er von dem Posten zurück; a. seinen Wink, a. ein Zeichen verstummte der Chor; Das [Ehrenwort] gebe ich nicht auf Befehl H. Mann 4,157 (Untertan) ; a. ihren Antrag (hin) erhielten sie eine größere Wohnung; a. (vielfachen) Wunsch wiederholen wir das Konzert; a. Bestellung werden Tische reserviert;
VI. /in Sonderfunktionen; mit Akk./
1. /weist bei der Aufteilung einer Menge auf die Grundeinheit/ wieviel Pfund Fleisch kommen a. den Kopf der Bevölkerung?; bei der Verteilung fielen 10 Mark a. den Mann; man nehme drei Eier a. (pro) ein Pfund Mehl etwa sechs Apfelsinen gehen a. ein Kilogramm
2. bis a. ausgenommens. bis
3. /losgelöst von einer bestimmten Bedeutung; eine allgemeine Ziel- oder Bezugsgröße schließt sich an; nach Verben, z. B./ achten, aufpassen a. das Kind; etw. anwenden, beziehen a. einen Fall; horchen, lauschen a. die Musik; zählen, vertrauen, sich verlassen a. den Freund; sich besinnen a. das Ereignis; dringen a. Einhaltung des Versprechens; /nach Adjektiven, z. B./ stolz a. den Erfolg; eifersüchtig a. den Nachbar; aufmerksam a. den Lärm werden; /nach Substantiven, z. B./ ein Lied, Gedicht a. jmdn. verfassen; Rücksicht a. jmdn. nehmen; e. Anspruch, Recht a. etw. haben

WDG, 1. Band, 1967

auf, Adv.

2auf /Adv./
1. aufwärts, nach oben
a) /fordert auf, sich zu erheben/ a., zu Tisch!; a. (denn), wir wollen gehen!; /bildl.; fordert auf, zu beginnen/ Auf, laßt uns singen! /Buchtitel/; a., an die Arbeit!
b) Mil. Gepäck auf! schrie der Leutnant Renn Krieg 73; Bergm. Glück auf! /Gruß/
c) dicht. Betäubt kehr' ich den Blick nach oben hin, / Zum Himmel auf – da lächeln alle Sterne Mörike 2,406 (Nolten)
2. umg.
a) aufgestanden: sie ist immer schon früh a.; Mit der Sonne war er [Apollonius] auf O. Ludwig 1,184 (Himmel u. Erde) ; der Kranke ist täglich drei Stunden a.; wenn ich erst a. (wieder gesund) bin, besuche ich dich wach: ist der Kranke schon a.?; außer Bett: er war um Mitternacht noch a.; ich fand, traf ihn noch a.;
b) /in Verbindung mit einem Modalverb/ aufstehen: Ihre Unruhe litt es nicht, sie mußte auf und hinaus, um nachzusehen Fallada Jeder stirbt 226; ich kann nicht a.; er wollte a. und sich wehren;
3. umg. Ggs. zu
a) offen: d. Fenster, Tür, Keller ist a.; das Tor steht halb, weit a.; für den Publikumsverkehr geöffnet: wann, wie lange haben Sie a.?; die Geschäfte haben heute nur bis 16 Uhr a.;
b) aufgemacht!: Mund a.!; Augen a. (im Straßenverkehr)!; Bücher a.!; hast du die Kiste a. (aufgebracht)?
4. /als Glied eines Wortpaares/
a) a. und ab s. ab
b) a. und nieder /seltener für a. und ab / nach oben und wieder hinunter: Er [der Bauer] ließ die erhobene Hand mit dem Hahn auf und nieder gehen, um auf sein schönes Gewicht hinzuweisen Andres Portiuncula 257; hin und her: a. und nieder gehen, laufen, schreiten;
c) umg. a. und davon (schnell, plötzlich, für immer) fort: er war a. und davon, ehe ich etwas erwidern konnte; als die Polizei kam, war der Einbrecher schon a. und davon; sie machten sich bei Nacht und Nebel a. und davon; er wollte noch in dieser Stunde a. und davon gehen; Die Mädchen mit ihren langen Zöpfen rutschten beängstigt rückwärts, dann auf und davon Federer Berge 84
d) von … a. /in der Bedeutung von 1, in festen Wendungen für zeitl. von … an / von Jugend, Kind(heit) a., von klein a.: ich kannte sie von Jugend a.; er war von Kind a. kränklich; sie hatte ihn von klein a. erzogen umg. etw. von der Pike a. lernen

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