Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

aussetzen, Vb.

aussetzen /Vb./
1. jmdn., etw. hinaussetzen
a) ein neugeborenes Kind a. (an fremden Ort legen und seinem Schicksal überlassen)
b) Schiffspassagiere a. (an Land bringen; in Rettungsboote steigen lassen) ein Boot a. (zu Wasser lassen)
c) Fasanen, Steinböcke a. (ins freie Land bringen) kleine Gebirge aus Steinchen, auf welchen er hundertmal gefangene Eidechsen ausgesetzt hatte Hesse 3,87; Junghechte, Edelfische a. (in Freiwasser bringen)
d) Pflanzen a. (in Freiland bringen)
e) Rel. kath. das Allerheiligste a. (zur Anbetung ausstellen)
f) Billard einen Ball a. (zum Anspielen hinsetzen)
g) ein Netz (zum Fang) a. (auslegen)
h) veralt. etw. zum Verkauf a. (zum Verkauf anbieten)
2. sich, jmdn., etw. einer unangenehmen, schädlichen Sache a. sich, jmdn., etw. preisgeben: sich einer Gefahr a.; sich, jmdn. dem Spott, Gelächter, der Kritik, Verachtung, einem Verdacht a.; /oft in der Form ausgesetzt sein / schutzlos überlassen sein: der glühenden Sonne, einem Unwetter ausgesetzt sein; sie waren ständig Angriffen, Überfällen, Verfolgungen ausgesetzt; fremden, neugierigen Blicken, Demütigungen, Beleidigungen, seelischen Belastungen ausgesetzt sein; Unleugbar sei Antonie im Zusammenleben mit Permaneder schweren Enttäuschungen ausgesetzt gewesen Th. Mann 1,401 (Buddenbr.) ; etw. einer Belastungsprobe a. (unterwerfen)
3. etw. als Belohnung, Äquivalent für eine Leistung festsetzen: e. Preis (für den Sieger), Prämie a.; für die Ermittlung des Täters ist eine Belohnung ausgesetzt; jmdm., für jmdn. e. Rente, Pension a.; Ich könnte Ihnen natürlich nur ein ganz kleines Gehalt aussetzen Brecht Mutter 6; etw. zur Verfügung stellen: der Verstorbene hatte in seinem Testament zahlreiche Legate ausgesetzt;
4. (vorübergehend, unerwartet) aufhören, stillstehen: d. Maschine, Motor, Zündung setzte plötzlich aus; d. Musik, Lärm setzte (zeitweilig) aus; d. Herztöne, Puls, Atem setzt aus; Wenn mein Glück aussetzt / bin ich verloren Brecht Gedichte 305; jmd. setzt mit etw. aus: sie setzte mit der Massage ein paar Wochen aus; er mußte wegen eines Unfalls ein paar Wochen (mit der Arbeit) a.;
5. etw. (vorübergehend, unerwartet) unterbrechen: e. Streik, Debatte a.; Die Beseitigung von Glassplittern und Schutt in Bibliothek und Lesesaal mußte ausgesetzt werden Voigt-Diederichs Waage 8; Jur. etw. aufschieben: e. Prozeß, Urteil a.; eine Strafe auf Bewährung a.;
6. an jmdm., etw. etwas a. an jmdm., etw. etwas tadeln: /meist im Inf. mit zu / an jmds. Haltung, Kleidung (immer, dauernd) etwas auszusetzen haben, finden; an ihm, an seiner Arbeit ist nichts, viel auszusetzen
7. /Sonderbedeutungen/
a) Handw. einen Ofen mit Schamottesteinen a. (innen mit Schamottesteinen ausbauen)
b) Druckerei ein Manuskript a. (zu Ende, fertig setzen)

Im WDG stöbern

a b c d e f g h i j
k l m n o p q r s t
u v w x y z - ' & µ
ausschließen
Zitationshilfe
„aussetzen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/aussetzen>, abgerufen am 02.12.2020.

Weitere Informationen zum Zitieren …


Weitere Informationen zum Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)