Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

aussprechen

aussprechen(er spricht aus,) sprach aus, hat ausgesprochen
/vgl. ausgesprochen /
1. etw. (in bestimmter Weise) in Sprachlauten wiedergeben, artikulieren: ein Wort richtig, falsch, deutlich, undeutlich, gut, laut a.; wie wird dieses Wort ausgesprochen?; er konnte kein r aussprechen;
2. etw., sich äußern
a) etw. mündlich oder schriftlich sagen, in Worte fassen: er spricht aus, was jeder dachte; er sprach klipp und klar aus, daß …; sie sprach es offen aus; es gibt Dinge, die eine gebildete Dame kaum zu denken wagt, geschweige, daß sie solche ausspricht C. F. Meyer 1,384; Du sprichst ein großes Wort gelassen aus Goethe Iphigenie I 3; seine Meinung, (innerste) Überzeugung, einen Gedanken a.; e. Wunsch, Bitte a.; jmdm. seinen (heißen) Dank a.; die feste Hoffnung a., daß …; e. Befürchtung, Vermutung, Verdacht a.; sein Bedauern, Befremden, seine Verwunderung a.; jmdm. sein Beileid a.; seine Zufriedenheit über etw. a.; jmdm. seine volle Anerkennung a.; in seinem Brief sprach er seine Sorge darüber aus; die Nationalversammlung sprach der Regierung das Vertrauen aus; Verwünschungen über jmdn. a. (jmdn. verwünschen) /übertr./ etw. spricht etw. aus etw. bringt etw. zum Ausdruck: diese Zeilen sollen a., wie dankbar ich bin; ihre Seufzer sprachen ihre Angst aus; das Gesicht … spricht letzte Ergebung aus Carossa Gion 37
b) etw. verkünden: e. Urteil, Strafe a.; eine Ehescheidung a.; hist. Der ist der nämliche Kardinal, der vor Jahren den Bann über Konrad ausgesprochen hat Stifter Witiko 2,72
c) sich in einer bestimmten Art a. sich in einer bestimmten Art mündlich oder schriftlich zu etw. äußern: sich anerkennend, lobend, zufrieden über jmds. Leistung a.; in dem Brief sprach er sich mißbilligend darüber aus; sich entschieden gegen den Krieg a.; sich begeistert für etw. a.; du mußt dich deutlicher a.; /übertr./ etw. spricht sich in etw. aus etw. kommt in etw. zum Ausdruck, wird sichtbar: sein Charakter spricht sich in all seinen Handlungen aus; in ihrem Blick sprach sich Mitleid aus; Alles Schöne und Liebe und Tüchtige, was Du hast, spricht sich in ihnen [deinen Zeilen] aus Fontane II 4,406
3. sich a.
a) sein Herz ausschütten, alles erzählen, was einen bewegt: es tat ihr wohl, sich einmal a. zu können; sie hat nicht das Bedürfnis, sich so recht von Herzen auszusprechen Fontane I 4,161 (Briest) sprich dich ruhig aus!; ich habe mich offen über alles ausgesprochen;
b) gründlich miteinander reden, um Unstimmigkeiten zu beseitigen: wir haben uns ausgesprochen und völlig versöhnt Welk Grambauer 298 sich mit jmdm. a.: ich mußte mich mit ihm a.;
4. (etw.) zu Ende sprechen: laß ihn doch a.!; jmdn. ruhig a. lassen; als er ausgesprochen hatte, stellten wir Fragen; kaum war der Satz, das Wort ausgesprochen, so …;

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Zitationshilfe
„aussprechen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/aussprechen>, abgerufen am 23.11.2020.

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