Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

ausziehen

ausziehen, zog aus, ist ausgezogen/ hat ausgezogen
1. hinausziehen, ausrücken, ausmarschieren, Ggs. einziehen(ist:) er ist ausgezogen, um in der Fremde sein Glück zu suchen; hist. der König zog mit großem Gefolge (aus dem Schloß) aus; zur Jagd a.; die Truppen ziehen (zur Parade, gegen die Feinde) aus; zu Fuß, zu Pferde a.; in die weite Welt, auf Abenteuer, Beute, Raub a.; Winter wurde Frühling, Mensch und Traktor zogen / Aus zu neuem Wettkampf Brecht Hirse 31
2. Wohn-, Arbeitsräume aufgeben und räumen, Ggs. einziehen(ist:) aus der Wohnung, dem möblierten Zimmer a.; die Buchhaltung muß aus dem ersten Stockwerk des Betriebes a.;
3. Kleidungsstücke vom Körper herunterziehen, Ggs. anziehen(hat)
a) (jmdm.) etw. a.: d. Anzug, Kleid, Schuhe, Strümpfe a.; jmdm. beim Ausziehen (Ablegen) des Mantels helfen; einem Kranken, sich /Dat./ das verschwitzte Hemd a.; er hatte das ausgezogene Jackett über den Arm gehängt; /bildl./ die Uniform, veralt. des Kaisers Rock⌝ a. (aus dem Militärdienst ausscheiden) ostmitteldt. jmd. hat die Kinderschuhe (noch nicht) ausgezogen jmd. ist (noch nicht) erwachsen
b) jmdn., sich a. jmdn., sich entkleiden: das Kind a.; sich schnell zum Baden, zum Schlafengehen a.; sich nackt a.; ausgezogen sein; umg. zieh' dich erst mal aus (lege erst einmal ab)! /übertr./ jmdn. bis aufs Hemd a. (jmdn. aussaugen)
4. etw. herausziehen(hat)
a) jmdm. ein Haar, einem Vogel eine Feder a.; Unkraut, Rüben a.; veralt. den Schlüssel a.; jmdm. e. Splitter, Zahn a.; er ermunterte den Diener … die Kugel, die, wie er meinte, in dem Brustknochen stecken müsse, auszuziehen Kleist 3,351
b) veraltend etw. exzerpieren, einen wörtlichen Auszug, eine Inhaltsangabe von etw. machen: wichtige Stellen, das Wesentliche (aus einem wissenschaftlichen Werk) a.; in freien Stunden hatte mich unterwegs das Ausziehen altdeutscher Worte und Wendungen beschäftigt Th. Mann 12,219; e. Buch, Schriftsteller a.;
c) Pharm. Chem. etw. extrahieren, einen Extrakt von etw. herstellen: Drogen mit Alkohol übergießen und a.; Manche machen auch Frühjahrskuren mit dem ausgezogenen Saft [der Weinraute] Bergengr. Rittmeisterin 246; eine chemische Lösung mit einem Lösungsmittel a.;
d) etw. ausbleichen: die Sonne zieht die Farben der Tapeten aus; Wir halten immer sorgfältig geschlossen, das Licht zieht die Möbel so aus Viebig Berl. Novellen 140
e) Jägerspr. beim Federwild der Niederjagd das Gescheide mit einem Haken herausziehen: der Jäger muß die erlegten Hühner so bald als möglich a.;
f) Math. die Quadratwurzel a. (berechnen, bestimmen)
5. herausziehen(ist)
a) herausziehen und verlorengehen: bei der unsachgemäßen Lagerung ist das Aroma des Kaffees ausgezogen;
b) Bergm. die verbrauchten Wetter ziehen aus dem Schacht aus (werden herausgeleitet) der ausziehende Schacht (Schacht, durch den die verbrauchten Wetter aus der Grube herausgeleitet werden)
6. etw. durch Ziehen verlängern(hat:) den (Auszieh)tisch a.; d. Antenne am Auto, Stativ für den Fotoapparat a.; das (ineinandergeschobene) Fernrohr a.; [Thomas Buddenbrook] mit seinem nach französischer Mode sehr spitz gedrehten und mit der Brennzange waagerecht ausgezogenen Schnurrbart Th. Mann 1,239 (Buddenbr.) ; (Metall)stangen zu Draht, die zähflüssige Masse zu dünnen Fäden a.; einen dicken Glasstab erhitzen und bis auf 2 Millimeter Stärke a.; Bäckerei Strudelteig dünn a.; Segelfliegen das Startseil a.; /bildl./ Seen, die mit flach ausgezogenen, sandigen Ufern eine gute Bademöglichkeit gewähren Natur u. Heimat 1959
7. die Linien einer Zeichnung vervollständigen(hat)
a) mit Tusche nachziehen: angedeutete Linien, Bögen a., damit sie gut sichtbar werden; eine Bleistiftzeichnung mit Tusche a.;
b) ohne Unterbrechung durchziehen: das Diagramm hat ausgezogene, punktierte und gestrichelte Kurven;

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Zitationshilfe
„ausziehen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/ausziehen>, abgerufen am 23.11.2020.

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