Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

behalten

behạlten(er behält,) behielt, hat behalten
1. etw., jmdn. nicht hergeben
a) im Besitz von etw. bleiben: ein Geschenk, die bestellten Waren b.; das übrige Geld kannst du b.; darf ich das entliehene Buch noch eine Woche b.?; den Gewinn allein b.; etw. als, zum Pfand b.; er behielt seine Stellung sich /Dat./ etw. b.: Ich behalte mir einiges von dem Papiergeld Brecht Dickicht 2; wir behielten uns den Brief zur Erinnerung; die Nerven, seine Fassung b.; Geduld, ruhiges Blut, einen kühlen, klaren Kopf b.; den Verstand b.; alle fünf Sinne beieinander b.; die Herrschaft über sich, seine Selbstbeherrschung b.; das seelische Gleichgewicht, seine gute Laune b.; Kontakt, Fühlung mit jmdm. b. etw. für sich b. /der Ton liegt auf sich /: er hat den gesamten Gewinn für sich b.; Reichtum, Schätze für sich b.; du kannst das übrige Geld für dich b.; umg. eure Geschenke könnt ihr für euch b. (an eueren Geschenken liegt mir nichts)
b) /übertr./ etw. für sich b. über etw. schweigen, etw. nicht ausplaudern: ein Geheimnis für sich b.; e. Neuigkeit, Nachricht still für sich b.; ich werde meine Meinung für mich b.; sie konnte nichts für sich b.; /seltener auch/ etw. bei sich b. /der Ton liegt auf bei /: Daraufhin beschließt die Schneiderin, ihr Mißtrauen und ihre feindseligen Empfindungen fürderhin bei sich zu behalten Werfel Bernadette 157
c) umg. jmdn. b.: wenn wir sie [Mutter und Schwester] behalten hätten (wenn sie noch unter uns am Leben wären) Storm 7,14; wir möchten sie gern noch recht lange b.;
2. etw. für eine längere Dauer bewahren: das Urteil behält seine Gültigkeit; das Gemälde hat seinen Wert b.; die Stimme behält den harten Klang; die Blume behielt lange ihren Duft und Schimmer; ob wir das schöne Wetter b.?; geh. bitte, b. Sie Platz (bleiben Sie sitzen)! einen bleibenden Schaden davontragen: er behielt von der Krankheit einen Herzfehler; sie hat von dem Unfall ständige Kopfschmerzen b.;
3. jmdn., etw. in seiner Stellung, an einer bestimmten Stelle lassen, halten
a) jmdn. b.: sie wollten den Lehrer, ihren Meister gern b.; jmdn. im Dienst, Amt b.; jmdn. in Haft, Gewahrsam b.; jmdn. in seiner Obhut b.; der Arzt wollte den Kranken noch eine Woche im Krankenhaus b.; das Kind zu Hause, in der Nähe b.; in Abwesenheit der Eltern behielt sie die Kinder (paßte auf sie auf) ; ein Kind an der Hand b. (seine Hand nicht loslassen) ; jmdn. nicht weggehen lassen: einen Gast zu Tisch, zum Abendbrot, über Nacht b.; einen Freund zu Gast b.;
b) jmdn., etw. bei sich b. /der Ton liegt auf bei /: er hat den Gast die Nacht über bei sich b.; sie wollten ihn möglichst lange bei sich b.; e. Kleinod, Amulett stets bei sich b.
c) etw. an einer bestimmten Stelle b.: den Schlüssel in der Tasche, den Mantel um die Schultern, den Ring am Finger b.; ein Stück Brot im Mund b.; umg. ich behielt keinen trockenen Faden auf dem Leib; die Hand in der Tasche b.; er behielt den Hut in der Hand; /bildl./ etw., jmdn. in der Hand b. die Oberherrschaft, sichere Leitung über etw., jmdn. (auch weiterhin) haben: d. Zügel, Heft (fest) in der Hand b.; die Regierung behielt die Außenpolitik fest in der Hand; Um den Theaterdirektor in der Hand zu behalten St. Zweig Balzac 392; er behält den letzten Trumpf in der Hand (hält den letzten Trumpf noch zurück) ; jmdn., etw. im Auge b. jmdn., etw. nicht aus den Augen lassen: einen Verdächtigen fest, ständig, scharf im Auge b.; sie hat die Kinder, ihr Ziel immer im Auge b.; /bildl./ umg. etw. bedenken, nicht vergessen: diese Angelegenheit werde ich im Auge b.; den Kopf oben b. (den Mut nicht sinken lassen) den Ton, ein Wort im Ohr b. (noch zu hören meinen) die Augen offen b. (wachsam sein) sich in der Gewalt b. (sich beherrschen)
d) die Nahrung verdauen, verwerten: sein Magen behielt nichts; der Kranke hat keine Speise mehr b.; Nahrung bei sich b. /der Ton liegt auf bei /: sie hat im Anfang nichts Gekochtes bei sich behalten können Bergengr. Heiraten 31
4. etw. behaupten, sich etw. nicht nehmen lassen: d. Oberherrschaft, Übergewicht, Sieg b.; recht b.; das letzte Wort b.; er will stets seinen Willen b. (es muß stets nach seinem Willen gehen) veralt. das Feld b. überlegen sein: das Feld muß er [Gott] behalten Kirchenl., Ein feste Burg
5. etw., jmdn. im Gedächtnis bewahren, sich etw., jmdn. merken: ich kann d. Zahl, Formel, Adresse nicht b.; Vokabeln b.; den Inhalt eines Buches b.; diese Regeln sind so einfach, daß sie jedes Kind b. kann; hast du noch etwas von der letzten Unterrichtsstunde b.?; ich habe von dem Gespräch nichts mehr b.; die Melodie ist leicht zu b.; das Gelernte genau, auswendig b.; jmdn. in gutem Andenken b.; jmdm. ein gutes Andenken bewahren: sie wird euch in gutem Gedenken, gutem Gedächtnis b.; ich habe sie in freundlicher, guter Erinnerung b.;

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Zitationshilfe
„behalten“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/behalten>, abgerufen am 07.08.2020.

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