Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

bewegen, Vb.

1bewe̱gen /Vb.,
vgl. bewegt /
1. etw. aus der Ruhelage bringen, den Ort, die Lage von etw. verändern: der Verunglückte konnte den rechten Arm nicht mehr b.; sie bewegte die Lippen, ohne ein Wort zu sagen; ohne fremde Hilfe vermochte er die schwere Kiste, den Schrank nicht zu b.; ein leichter Wind bewegte d. Fahnen, Blätter, die Oberfläche des Sees; Die Mittagshitze bewegte die Luft, daß sie flimmerte Andres Portiuncula 262 sie blickten auf das bewegte (unruhige) Meer hinaus die stark bewegte See erschwerte die Rettung der Schiffbrüchigen; Pferde sollten möglichst jeden Tag bewegt (eingespannt oder geritten) werden beim Bau des Stausees mußten mehrere Millionen Kubikmeter Erde bewegt (transportiert) werden Man muß in diesen neuen Tagebauen auf 1 t Kohle etwa 5 m³ Abraum bewegen Wissensch. u. Fortschr. 1957 sich b. sich an einen anderen Ort, in eine andere Lage begeben: der Kranke konnte sich vor Schmerzen kaum b.; vor mir im Gebüsch bewegte sich eine dunkle Gestalt; ein langer Zug von Demonstranten, Gefangenen bewegte sich durch die Stadt; sich auf und ab, hin und her b.; indem sie [die Konsulin] … sich im Zimmer auf und nieder bewegte Th. Mann 1,183 (Buddenbr.) ; umg. ich muß mich noch ein bißchen b. (muß noch etwas spazierengehen) d. Gardine, Vorhang bewegte sich leicht im Morgenwind; der festgefahrene Wagen bewegte sich nicht von der Stelle; und sie [die Erde] bewegt sich doch! /bekannter Ausspruch, den Galilei nach der erzwungenen Widerrufung seiner Lehre getan haben soll/
2. /übertr./ sich b.: seine Gedanken, Vorschläge, Pläne bewegten sich (liefen) in ganz anderer Richtung mit dieser Theorie bewegt sich (wandelt) der Forscher auf recht unsicherem Boden er bewegte sich bei seinen Ausführungen häufig in Extremen; Ich bewege mich nicht in Illusionen Fontane I 2,114; der Preis, Wert des Geschenkes bewegt sich (liegt) zwischen 10 und 15 Mark
3. sich in einer bestimmten Art verhalten, benehmen: er bewegt sich ohne Zwang, mit großer Sicherheit, frei in der besten Gesellschaft; in diesen Kreisen kann ich mich völlig ungezwungen b.; er weiß sich auf dem Parkett nicht zu b.; weil das schlanke Mädchen aus der Stadt sich auf seinem Kahn noch nicht so recht zu bewegen verstand Klepper Kahn 248
4. etw. bewegt jmdn. etw. bringt jmdn. aus seiner ruhigen Gemütslage
a) etw. rührt, ergreift jmdn.: seine warmherzigen Worte bewegten sie sehr; die Nachricht von seinem Tode bewegte uns schmerzlich; die Gedenkrede des Schriftstellers hatte die Anwesenden tief bewegt; das Drama bewegte einige Zuschauer zu Tränen; der Jubilar dankte den Gratulanten mit bewegter Stimme, in bewegten Worten; bewegten Herzens nahmen sie voneinander Abschied; sichtlich bewegt empfing er die hohe Auszeichnung; sie lächelte, flüsterte, antwortete bewegt; Der Pfarrer hielt eine sehr bewegende Leichenpredigt O. M. Graf Unruhe 13
b) etw. erregt jmdn.: der Skandal hat tagelang die Gemüter bewegt; ein seltsames Gefühl bewegte ihn bei dem Gedanken, daß …; Freude, Hoffnung auf ein baldiges Wiedersehen bewegte sie; von Angst, Kummer, Sorge bewegt, konnte sie nicht schlafen; freudig bewegt eilte er dem Besuch entgegen; Leidenschaftlich bewegt lehnte sie sich in des Geliebten Arm Viebig Erde 169
c) etw. beschäftigt jmdn.: dieser Gedanke, Plan, Wunsch bewegt mich schon seit geraumer Zeit; in der Versammlung wurden viele Fragen, die uns heute b., eingehend besprochen; Zwanzig Jahre nach der Niederschrift des Baal bewegte mich ein Stoff für eine Oper Brecht in: Hammer u. Feder 15; geh. etw. in seinem Innern b. sich mit etw. innerlich beschäftigen: daß er schon allerlei Ideen bei sich bewege Th. Mann 12,282; diesen Gedanken hat der Admiral lange Jahre in seinem Gemüte bewegt C. F. Meyer 3,31 (Amulett) ; Maria aber behielt alle diese Worte und bewegte sie in ihrem Herzen /bibl. Weihnachtsgeschichte/

WDG, 1. Band, 1967

bewegen

2bewe̱gen, bewog, hat bewogen
jmdn. zu etw. b. jmdn. (durch vorgebrachte Gründe) veranlassen, etw. zu tun: jmdn. zur Umkehr, Rückkehr, zum Bleiben b.; wir konnten ihn nicht zur Teilnahme an der Veranstaltung, zum Eintritt in den Verein b.; er hatte ihn durch Bitten, Drängen, Drohungen zu diesem Entschluß, Schritt bewogen; der Angeklagte ließ sich durch nichts zum Sprechen, zu einer Aussage, einem Geständnis b.; das Kind war nicht dazu zu b., die Arznei einzunehmen; was mag ihn wohl zu seiner plötzlichen Abreise bewogen haben?; sein Gesundheitszustand bewog ihn dazu, den Beruf zu wechseln; das Motiv, das ihn zu dieser Tat bewogen hatte, blieb ungeklärt; der Erfolg des Filmes bewog den Produzenten, einen zweiten Teil drehen zu lassen; die günstige Gelegenheit hatte den Gefangenen zur Flucht bewogen; er fühlte sich nicht bewogen, in dieser Angelegenheit etwas zu unternehmen; Es war die Unruhe seines Zustands, die Ulrich gegen Abend bewog, zu Walter … hinaus zu gehn Musil Mann 797; d. bewegende (treibende) Kraft, Macht

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„bewegen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/bewegen>, abgerufen am 01.10.2020.

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