Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

binden

binden, band, hat gebunden
1.
a) etw. Loses mit einem Faden, Seil zu etw. Festem, Einheitlichem zusammenfügen: Blumen (zu einem Strauß, Kranz) b.; einen Kranz b.; Reisig (zu einem Besen) b.; das gemähte Getreide (in, zu Garben) b. /bildl./ geh. etw., sich verbinden, zusammenschließen: Wenn die Ehe Gleiches bindet … / Wünsch' ich Glück Grillp. 3,56; die bindende Kraft der gemeinsamen Sprache; Über dem Opferkessel banden sich die Männer zu einem Bunde Freytag 8,160 (Ahnen)
b) die Enden von einem Stoffstreifen in sich verknüpfen: e. Schleier, Schal b.; einen Schnürsenkel zur Schleife b.; die Krawatte b.; e. Tuch, Band nach hinten, oben b.; etw. locker, fest b.;
c) etw., jmdn. an, auf, um etw. b. etw., jmdn. an, auf, um etw. befestigen, anbinden: junge Bäume an eine Stütze, einen Kahn an einen Pflock b.; die Kinder haben das Spielzeug an einen Faden gebunden; einen Sattel aufs Pferd b.; hist. jmdn. aufs Rad b.; sich einen Gurt um den Leib b. (schnallen) ein Tuch um den Hals b.; e. Schnur, Faden um ein Paket b. (ein Paket verschnüren) /bildl./ seine Zukunft an ein Mädchen b.; sie hatte sich an die fremden Menschen gebunden Seghers 6,125 (Die Toten) ; jmd. ist an sein Haus, Geschäft gebunden; jmdn. b. Erinnerungen an alte Familienmöbel; umg. sich /Dat./ einen Klotz ans Bein, eine Rute auf den Rücken b. (sich mit einer lästigen Verpflichtung belasten) salopp jmdm. etw. auf die Nase b. jmdm. etw. bereitwillig mitteilen, was er nicht unbedingt wissen müßte: ich binde dir doch nicht alles auf die Nase!; jmdm. etw. auf die Seele b. jmdm. etw. einschärfen, dringend nahelegen: Ich werde den Ältesten … auf die Seele binden, daß sie dir kein Unrecht geschehen lassen Feuchtw. Jefta 75; veraltend jmdm. jmdn. auf die Seele b. jmdm. jmdn. zur Fürsorge anempfehlen: der Vater hatte sterbend ihm das Mädchen auf die Seele gebunden Eichendorff 3,130
2. jmdn., etw. fesseln: jmdn. an Händen und Füßen b.; jmdn. gebunden abführen; bindet ihn /bildl./ Die Schüchternheit, die sonst seine Zunge band E. T. A. Hoffm. 3,189 (Serapionsbrüder) ; etw. bindet jmds. Aufmerksamkeit, Sinne; Schwerpunkte der Wirtschaft b. Investitionsmittel, Arbeitskräfte über lange Zeiträume; Er [der Torfmull] vermag … Gerüche zu binden Carossa Gion 271; die gebundene Wärme wird bei diesem Vorgang frei; das chemisch gebundene Wasser entweicht /übertr./ jmdm. sind die Hände gebunden jmd. kann nicht so handeln, wie er will: ich kann dir leider nicht helfen, denn mir sind auch die Hände gebunden; jmd. ist (an, durch etw.) gebunden, jmdn. bindet etw. jmd. ist durch etw. verpflichtet: ich bin in meinen Entscheidungen an nichts gebunden; Sie sei nach keiner Seite gebunden Brecht Dreigroschenroman 368; jmd. ist an das Gesetz, an eine Abmachung gebunden; jmd. ist durch einen Vertrag gebunden; jmd. ist durch einen Eid, sein Wort gebunden; jmdn. bindet ein Gelübde, Schwur; etw. ist an etw. gebunden etw. ist von etw. abhängig, auf etw. angewiesen: manche Verkehrsmittel sind an Schienen gebunden; der Anbau von Weizen ist an bestimmte Böden gebunden; sich b. sich abhängig machen, festlegen: er will sich für die Ferien noch nicht b.; ich habe nie mehr … mich selber durch ein Wort gebunden Hesse 3,77; jmdm. die Heirat versprechen: sich zeitig b.; Drum prüfe, wer sich ewig bindet, / Ob sich das Herz zum Herzen findet Schiller Glocke jmd. ist gebunden (jmd. ist verlobt, verheiratet) /oft im Part. Präs./ bindend verpflichtend, verbindlich: eine bindende Zusage, Verprechung; ein bindendes Abkommen, Jawort; ein bindender Auftrag, Beschluß; jmdm. etw. in bindender Form zusichern; eine bindende Entscheidung treffen;
3. (etw.) zusammenhalten: Leim, Zement muß gut b.; die Farbe hat bereits gebunden; das [angerührte Ziegelmehl] muß über Nacht stehen, morgen bindet es Welk Hoher Befehl 202; etw. b.: Wasser bindet den Staub; die durch den Nachttau gebundenen Sandkörner Schomburgk Afrika 338; feine Wurzeln b. lockere Böden; ein mit Lehm gebundenes Mauerwerk;
4. /fachspr. Sonderbedeutungen/
a) Buchbind. ein Buch b. die gehefteten Bogen mit Deckeln und Rücken versehen: ein Buch in Leinen, Halbleder b.; ein sauber gebundenes Buch; Zeitschriften, Noten zum Binden weggeben;
b) Kochk. Gemüse, Suppen, die Soße b. (mit Mehl sämig machen)
c) Mus. Töne b. (zusammenhängend, ohne abzusetzen, legato spielen)
d) Wissensch. Worte in Verse fassen: sich in gebundener Rede ausdrücken; eine Dichtung in gebundener Sprache; Wörter durch einen Reim b.;
e) Wirtsch. gebundene Preise (festgesetzte, begrenzte Preise) die Produktion (vertraglich) b. (Abnehmer für die Produktion sichern)

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„binden“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/binden>, abgerufen am 23.09.2020.

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