Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

blau, Adj.

blau /Adj./
1. /Farbe des Sonnenspektrums zwischen Grün und Violett/ b. wie der wolkenlose Tageshimmel; die b. Farbe des Enzians, der Kornblume; das b. Meer; An der schönen blauen Donau /Titel eines Walzers von Joh. Strauß/; b. Tinte; ein b. Tuch; b. Rauch stieg aus dem Schornstein; eine b. Flamme; dicht. Frühling läßt sein blaues Band / Wieder flattern durch die Lüfte Mörike Er ist's; Die Nacht war blau und schön Brecht Gedichte 76; Geogr. die Blaue Grotte von Capri; die Blauen Berge von Australien; Philat. die b. Mauritius /Name einer berühmten Briefmarke/ ; ein schönes, dunkles, kräftiges, lichtes, helles Blau; etw. ist mit Blau bemalt; eine Bluse in Blau; sie ist in Blau gekleidet; Berliner Blau; etw. sieht b. aus; der Stoff ist b. (und weiß) gestreift; ein Kleid b. färben; b. leuchten, schimmern; das Metall lief (durch Erhitzen) b. an; umg. er hat sich beim Beerenpflücken, mit Tinte b. gemacht; Kochk. Karpfen b. (Karpfen, der vor dem Kochen mit siedendem Essigwasser übergossen wird, damit er eine blaue Haut bekommt) b. ist die Farbe der Treue; sein Gesicht war b. vor Kälte; [er] wurde ganz blau vor Wut Böll Billard 33 b. (blutleere) Lippen, Finger haben er hatte viele b. (blutunterlaufene) Flecke(n) am Körper jmd. hat b. Augen (Augen mit blauer Iris) ein b. (blutunterlaufenes) Auge haben /in bildl. Wendungen/ mir wurde es grün und b. vor den Augen (mir wurde übel; ich wurde ohnmächtig) umg. mit einem b. Auge (glimpflich) davonkommen salopp jmdn. braun und b., grün und b. (heftig) schlagen sich grün und b. (sehr) ärgern
2. /Sonderbedeutungen/
a) /bezeichnet etw. Unbestimmtes/ umg. jmdm. b. Dunst vormachen (jmdm. Unwahres glaubhaft zu machen suchen) du wirst schon (noch) dein b. Wunder erleben (du wirst staunen) jmd. schwatzt das Blaue vom Himmel herunter (jmd. schwatzt pausenlos) jmd. lügt das Blaue vom Himmel herunter (jmd. lügt unverschämt) jmd. verspricht das Blaue vom Himmel herunter (jmd. macht leere Versprechungen) jmdm., für jmdn. das Blaue vom Himmel holen (für jmdn. fast Unmögliches, alles tun) in b. Ferne; eine Fahrt ins Blaue (kleine Vergnügungsfahrt, bei der das Ziel vorher nicht bekannt ist) ins Blaue (hinein) (ohne Plan und Zweck) reden, schießen, träumen
b) umg. die b. Jungs, Jungen (Matrosen) b. Milch (Magermilch) der b. Brief (Mahnbrief des Lehrers an die Eltern wegen schlechter Leistungen des Schülers; veralt. amtliche Mitteilung einer Kündigung) ; salopp scherzh. b. sein betrunken sein: er war b. wie ein Veilchen; das Blaue Band (des Ozeans) /Auszeichnung für das schnellste Fahrgastschiff zwischen Europa und Amerika/; Rel. ev. das Blaue Kreuz /Zeichen des Mäßigkeitsvereins zur Rettung Trunksüchtiger/; salopp abwertend der Blaue (Schutzmann) der b. Montag (arbeitsfreie Montag) Soldatenspr. scherzh. b. Bohnen (Gewehrkugeln) spött. b. (adliges) Blut eine Marquise … bestes, blauestes Blut St. Zweig Balzac 202; dicht. die b. Blume /Sinnbild der Sehnsucht in der romantischen Dichtung/

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„blau“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/blau>, abgerufen am 29.09.2020.

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