Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

bleiben

bleiben, blieb, ist geblieben
1. in einer Handlung fortfahren, einen Zustand nicht ändern
a) einen Ort nicht verlassen: in der Stadt, im Zimmer b.; bei jmdm. (ein paar Tage, über Nacht) b.; er blieb noch eine Weile bei uns; nicht (mehr länger) b. können; zu Hause, zum Abendbrot b.; im Bett b.; d. Geld, Besitz blieb in der Familie; b. Sie bitte am Apparat!; das Stück bleibt auf dem Spielplan; auf dem Weg b.; etw. bleibt im dunkeln (unaufgeklärt) diese Worte blieben mir im Gedächtnis (ich habe diese Worte nicht vergessen) /in bildl. Wendungen/ auf seinem Posten b.; jmd., etw. muß im Rahmen, in seinen Grenzen b. (jmd., etw. darf nicht über das Ziel hinausgehen) kein Stein ist auf dem anderen geblieben (alles wurde zerstört) umg. er sieht, wo er bleibt (er sieht, wie er am besten Vorteile gewinnen kann) auf der Strecke b. (nicht weiter können) salopp bleib, wo der Pfeffer wächst (komm mir nicht zu nahe)! bis in die Puppen (sehr lange) b. Sport im Windschatten b. den vom Wind nicht getroffenen Raum einnehmen: der Fahrer, Läufer blieb im Windschatten seines Vordermannes; /sprichw./ bleibe im Lande und nähre dich redlich; Schuster, bleib bei deinem Leisten (strebe nicht aus deinem Lebenskreis)! geh. Hier ist unsers Bleibens / Nicht mehr Schiller Braut v. Messina IV 5; verhüll. umkommen: er ist im Krieg geblieben; im Kampf b.; Ihr Vater war auf See geblieben Leip Bergung 10
b) einen bestimmten Zustand beibehalten: frei, standhaft, konsequent, gut, anständig, sachlich, schweigsam, kalt, ungerührt, wachsam b.; unerwähnt, ungenannt b.; ledig, (jmdm.) treu b.; lebendig, gesund, neutral b.; allein b.; ungestraft, unversehrt b.; jmd., etw. bleibt unbekannt; etw. ist unklar geblieben; Sei ruhig, bleibe ruhig, mein Kind Goethe Erlkönig; das bleibt sich gleich; es bleibt alles, wie es war; dabei bleibt es!; ich bleibe dabei (ich gehe nicht davon ab)! bestehen, erhalten b.; hängen, kleben, sitzen, stehen, liegen, stecken b.; Sport ungeschlagen (unbesiegt) b. die Zigarre blieb brennen; jmd., etw. bleibt verborgen, verschwunden, unvergeßlich; d. Fenster, Tür bleibt geöffnet; d. Amt, Gaststätte, dieser Eingang bleibt heute geschlossen; eine Sache bleibt unerledigt; der Brief blieb unbeantwortet; der Schein bleibt gewahrt; etw. bleibt abzuwarten; das muß ein Wunsch b.; jmdm. etw. schuldig b.; etw. bleibt mein eigen; von etw. verschont b.; die Auseinandersetzung blieb mir erspart; wir b. Freunde, die alten; er blieb Herr der Situation; ich werde / Ein Landsverräter ihnen sein und bleiben Schiller Wallenst. Tod I 3; guten Muts b.; es wird ein Rätsel b.; eine Frage bleibt offen; mir blieb keine andere Wahl; es bleibt zu hoffen, daß … /sprichw./ was Recht ist, muß Recht b.; salopp er kann mir gestohlen b. (ich will nichts von ihm wissen) da blieb kein Auge trocken (alle waren gerührt) ; am Leben b.; Sport am Ball b. (den Ball beim Spiel nicht verlieren) an der Macht b.; jmdm. auf den Fersen, auf der Spur b. (jmdn. verfolgen) ; auf dem laufenden b.; das muß aus dem Spiel b. (das darf nicht hineingezogen werden) ; etw. bleibt außer acht, außer Betracht; bei d. Ansicht, Aussage, Behauptung, Wahrheit b.; scherzh. bei diesem Wein können wir b. (den wollen wir weitertrinken) bei der Arbeit b.; bei der Sache b. (sich von etw. nicht ablenken lassen) bei guter Laune b.; es bleibt alles beim alten; im Amt b.; im Gleichklang b.; im Rückstand b.; Es kann der Frömmste nicht im Frieden bleiben, / Wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt Schiller Tell IV 3; in Gang, Bewegung, Ruhe b.; das Schiff blieb in Fahrt; die Bestimmung blieb in Kraft; in Kontakt, Verbindung b.; in (der) Mode, Übung b.; in Gefangenschaft b.; etw. bleibt ohne Folgen, Wirkung (auf jmdn.); b. Sie ohne Sorge!; was ich dir gesagt habe, bleibt unter uns (erfährt niemand) ; /oft im Part. Präs./ bleibend dauernd, immerwährend: ein bleibender Erfolg, Gewinn, Eindruck; das ist von bleibendem Wert; eine bleibende Erinnerung; jmdm. ein bleibendes Andenken bewahren; er hat sich mit dieser Tat ein bleibendes Denkmal gesetzt; Verhaßt sei mir das Bleibende Goethe Natürl. Tochter III 2
2. übrig sein: es blieb eine (letzte), keine Hoffnung; jmdm. bleibt (noch) Zeit, ein kleiner Rest; eine Stunde bleibt uns noch; da sie zu spät kamen, blieben für sie nur die hinteren Bänke; verhüll. kein Kind ist ihr geblieben (alle Kinder sind gestorben) Dieser Tabak war das einzige, das uns noch blieb Brecht Guter Mensch 1; es blieb keine andere Wahl; viel Geld bleibt uns nicht; ihr blieb kein Trost; mir bleibt die Verzweiflung der Verdammten Schiller Stuart V 10

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„bleiben“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/bleiben>, abgerufen am 26.09.2020.

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