Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 1. Band, 1967

brechen

1brechen(er bricht,) brach, ist gebrochen/ hat gebrochen
/vgl. brechend gebrochen /
1. etw. bricht etw. Hartes, Sprödes teilt sich durch Druck, Gewalt (geräuschvoll) in Stücke(ist:) das Brett bricht bei der Belastung; dieser dünne Stock muß b.; d. Metallfeder, Vorderachse, Rad, Draht ist gebrochen; das Eis bricht unter ihm; die Blüte ist oben gebrochen; die Bäume brachen fast unter der Last der Früchte, des Schnees; brechende Äste; durch sein Alter war der Taft an vielen Stellen gebrochen (zeigte Risse) ; /sprichw./ Glück und Glas, wie bald bricht das!; der Krug geht so lange zum Wasser, bis er bricht (Geduld erschöpft sich eines Tages) /bildl./ geh. das Herz bricht mir bei dem Anblick (der Anblick erfüllt mich mit tiefstem Mitleid, Kummer) geh. verhüll. sein Auge brach (verlöschte, er starb) die Stimme brach ihr (versagte, weil sie weinen mußte) sie meinte, die Knie brächen unter ihr (die Knie versagten ihren Dienst) sie brach in die Knie (sank zusammen) /übertr./ der Saal war zum Brechen (Bersten) voll ich muß das durchsetzen, mag es biegen oder b. (auch wenn es ungünstig für mich ist) etw. auf Biegen oder Brechen durchzusetzen versuchen; es geht auf Biegen oder Brechen (hart auf hart)
2. etw. Hartes, Sprödes durch Druck, Gewalt (geräuschvoll) in Stücke teilen(hat:) dürre Zweige mit der Hand b.; Gestein, Marmor, Schiefer (aus dem Felsen, zu Tage) b. (aus dem natürlichen Lager lösen) ; ein Loch in eine Mauer b. (die Steine herausschlagen) ; den Flachs b. (die festen Flachsstengel zerknicken, um die holzigen Teile von der Bastfaser zu trennen) ; es wird gebeten, das Kunstblatt nicht zu b. (zu knicken) ; einen Rand im Heft b. (umfalten) ; dicht. Blumen b. (pflücken) geh. den Boden b. (umpflügen) das Brot b.; das dünne Brot, das der Hausherr nach dem Gebete brechen wird Werfel Musa Dagh 358; umg. er hat nichts zu b. und zu beißen (er muß hungern) er hat sich /Dat./ den Arm gebrochen; der Arzt mußte den Arm nochmals b.; umg. das Genick, seinen Hals b. (tödlich hinstürzen) /bildl./ das brach ihm den Hals (ruinierte ihn) umg. scherzh. einer Flasche den Hals b. (sie öffnen und leeren) jmdm. ist d. Rückgrat, Kraft gebrochen (er zeigt keinen Widerstand, keine Energie mehr) scherzh. er kann Herzen b. (kann Liebe erwecken) geh. der Kummer hat ihr das Herz gebrochen (sie getötet) der gebrochene (tief gebeugte) Greis den Stab über jmdn. b. (jmdn. verurteilen) eine Lanze für jmdn. b. (ihn verteidigen) umg. etw. übers Knie b. (etw. übereilt tun) geh. etw. bricht sich Bahn etw. setzt sich durch: e. Talent, Erkenntnis, das Gute bricht sich Bahn;
3. /übertr./ etw. unwirksam machen(hat:) einen Bann, den Widerstand, seinen Trotz, ihre Hartnäckigkeit, d. Zinsknechtschaft, Tyrannei, Blockade b.; das Recht b.; sein Schweigen b. (zu reden beginnen) er hat seinen Vertrag, Eid, sein Wort gebrochen (nicht gehalten) Sie hat die Treu' gebrochen Eichendorff In einem kühlen Grunde die Ehe b. (dem Ehepartner untreu werden) einen Rekord b. (ihn überbieten) e. Streit, Krieg vom Zaune b. (grundlos den Frieden verletzen und e. Streit, Krieg unvermittelt heraufbeschwören) mit jmdm., etw. b. die Verbindung zu jmdm., etw. zerreißen: sie hat mit ihm, mit ihrer Familie, mit der Vergangenheit (völlig) gebrochen; mit einer Gewohnheit, Überlieferung b. (sie aufgeben)
4. aus, durch etw. b. gewaltsam aus etw. hervorkommen(ist:) die Quelle bricht aus dem Gestein; die Sonne brach endlich durch die Wolken, aus den Wolken; die Tulpen brachen aus der Erde; /bildl./ die Feinde brachen aus dem Gehölz, aus dem Hinterhalt (kamen plötzlich hervor) /übertr./ Tränen brachen ihr aus den Augen; in etw. b. in etw. mit Gewalt eindringen: Da bricht eine Kuh in das Saatfeld Waggerl Jahr 21
5. sich, etw. b. die ursprüngliche Richtung (von etw.) verändern(hat)
a) die Wellen b. sich an der Felsküste, am Leuchtturm, an der Mauer (steigen anprallend empor und strömen schäumend zurück) die Ufermauer bricht die starken Wellen (hält sie so auf, daß sie schäumend zurückströmen)
b) Phys. Lichtstrahlen, Schallwellen b. sich (werden durch den Körper, durch den sie dringen, abgelenkt) gebrochenes Licht drang durch die bunten Scheiben;
6. Jägerspr.
a) mit dem Rüssel den Erdboden aufwühlen, um Nahrung zu suchen(hat:) diese [die Frischlinge] laufen quiekend und grunzend hinter ihnen [den Alten] drein … hier ein wenig verweilend und brechend, einen plumpen Scherz versuchend Brehm Tierleben 4,295
b) durch knackende Äste, raschelndes Laub laufen(ist:) das Wild bricht; der Jäger hört es b.;

WDG, 1. Band, 1967

brechen

2brechen(er bricht,) brach, hat gebrochen
etw. zu sich Genommenes unverdaut mit Anstrengung durch den Mund wieder von sich geben, sich übergeben: er mußte plötzlich b.; sie brach heftig, hat schon wieder gebrochen; landsch. sich b.; etw. b. etw. im Inneren Angesammeltes ausspeien: Schleim, Blut, Gallensaft b.; /übertr./ abwertend es war einfach zum Brechen (es war widerlich)

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Zitationshilfe
„brechen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/brechen>, abgerufen am 28.09.2020.

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