Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 2. Band, 1967

dürfen

dürfen(er darf), durfte, hat gedurft
1. /d. + Infinitiv; bei vorangehendem Infinitiv steht der Infinitiv von d. statt des Part. Prät./
a) jmds. Erlaubnis, Einwilligung zu etw. haben
α) von einer Person: du darfst nur kommen, wenn du artig bist; ich darf bleiben, so lange ich will; der Kranke darf schon aufstehen; umg. ich durfte mich nicht mucksen; das darfst du nicht anfassen, essen; du darfst dir davon nichts nehmen, ohne vorher zu fragen; er hat es nicht sagen, tun d.; hast du mitgehen d.?; er bat, sitzen bleiben zu d.; darf ich eintreten, stören, vom Tisch aufstehen?; darf ich mich zu Ihnen setzen?; darf ich Sie nach Hause begleiten?; Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, / Meinen Arm und Geleit Ihr anzutragen? Goethe Faust I 2605; darf es etwas mehr sein? /Frage an den Kunden beim Abwiegen einer Ware/; /d. ohne folgenden Infinitiv; aus Zusammenhang und Situation ergibt sich der zu ergänzende Infinitiv/ ich durfte nicht zu ihm (hinein); er durfte noch nicht an die frische Luft; willst du mitgehen? Ich darf nicht; wenn ich gedurft hätte, wäre ich heute zu dir gekommen; umg. ich darf mit (mitgehen) das darfst du nicht; /der zu ergänzende Infinitiv wird durch es, das ersetzt / er wird es nicht gedurft haben; /abgeblaßt; in höflicher Rede, bes. in einer Frage, Aufforderung/ wo warst du heute, wenn ich fragen darf?; dürfte ich noch um etwas Zucker bitten?; darf, dürfte ich Sie bitten, mir zu folgen!; darf ich bitten (zuzulangen)?; … Ich rauche. Darf ich bitten? Und er präsentierte ihm sein Tula-Etui Th. Mann 1,671 (Buddenbr.) ; darf ich bitten? /Aufforderung zum Tanz/; ich darf Sie noch darauf hinweisen, daß …; umg. man wird doch wohl mal fragen d.
β) durch eine Instanz Befugnis, Berechtigung zu etw. haben: hier darf nicht geraucht werden; jeder Reisende durfte nur eine bestimmte Summe Geld umtauschen; du hast Tafeln gemacht / Und darauf geschrieben: / Das ist verboten / Und dieses darfst du nicht Brecht Mahagonny 11; Kinder d. nicht mit Streichhölzern spielen;
b) unabhängig von jmds. Erlaubnis zu etw. berechtigt sein
α) ethisch zu etw. berechtigt sein: so etwas darf man nicht sagen; du darfst Tiere nicht quälen; Wer darf ihn (Gott) nennen? Goethe Faust I 3432; man darf die Schuld nicht immer bei anderen suchen; Es will der Feind – es darf der Freund nicht schonen Goethe Tasso I 2
β) durch die Umstände zu etw. berechtigt sein /steht können nahe /: Die Situation – hat sich in einer Richtung entwickelt – der man sich nicht in den Weg stellen kann. Darf Zuckmayer Teufels General II; sie hatten so viel Geld gespart, daß sie ans Bauen denken durften; in einem fremden Haus, wenn man diese Baracke ein Haus nennen darf Brecht Guter Mensch 1; das darfst du nicht miteinander vergleichen; das d. Sie mir ruhig glauben; darf ich mich darauf verlassen?; du darfst stolz auf ihn sein (hast Ursache, stolz auf ihn zu sein)
c) /in meist verneinten Sätzen, die einen Wunsch, eine Bitte ausdrücken/ du darfst nicht danach fragen (frag bitte nicht danach!) ; er darf nicht gestört werden; du darfst nicht traurig sein, dir das nicht zu Herzen nehmen; über sein Benehmen darfst du dich nicht wundern; du darfst nicht erschrecken; dabei darfst du nicht fehlen; ich darf gar nicht daran denken, daß …; /nachdrücklich/ das darf nicht geschehen; dieses Unglück hätte nicht auch noch passieren d.; spött. das durfte (jetzt) nicht kommen, das hätte (jetzt) nicht kommen d. (es war dumm, das jetzt zu sagen) /in Sätzen, die eine indirekte Aufforderung an jmd. Ungenanntes enthalten/ der Vater darf (soll) davon nichts wissen die Suppe darf nur 10 Minuten kochen
2. /dürfte + Infinitiv; drückt eine Wahrscheinlichkeit aus; steht in vorsichtigen Feststellungen und mildert eine bestimmte Behauptung, Aussage/ morgen dürfte es Regen geben (morgen gibt es wahrscheinlich, vermutlich Regen) es dürfte nicht schwer sein, das zu beweisen; dazu dürfte es zu spät sein; es dürfte ein leichtes sein, ihn zu widerlegen; das dürfte ihm gezeigt haben, daß …; das dürfte genügen; das dürfte ein Irrtum sein; spött. der dürfte vorläufig nicht wiederkommen; der dürfte (fürs erste) genug haben
3. veraltend /d. + nur, bloß + Infinitiv / brauchen: ich darf nur mal die Kinder einige Augenblicke allein lassen, schon passiert etwas; Jürn darf bloß da hüten, wo der Brahm wächst, weg ist der Bock Löns 7,10

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Zitationshilfe
„dürfen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/dürfen>, abgerufen am 24.01.2021.

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