da1 /Adv./
I. /räuml./
1. /bezeichnet einen vom Standort des Sprechers entfernt liegenden Ort; weniger nachdrücklich als dort / da draußen, drüben, hinten, unten, vorn; von da (ab, aus); bald da, bald dort; da hinab, herunter, hinauf, heraus, herein, hinüber
a) /der Ort ist in der Sprechsituation gegenwärtig; meist wird auf ihn durch eine Geste hingewiesen/
α) wo liegt meine Brille? (Sie liegt) da; wo geht dein Vater? Da (geht er); wo ist die Haltestelle? (Sie ist) da, am Denkmal, bei der Post; da, in diesem Hause, wohnt mein Freund; guck, da fährt die Straßenbahn; wer kommt denn da?; die einen üben hier, die andern da; da steht das Holz, da stehen die Briketts; halt, wer da? /Anruf des Postens/ ; die schrille Stimme seiner Frau rief aus dem Badezimmer: Wer ist denn da? Böll Wort 21
β) /attr.; einem Nomen oder Pronomen nachgestellt; stets unbetont/ umg. der Mann, die Blume, das Auto da; der, die da (ist es gewesen); das da (will ich kaufen); welche Bluse gefällt dir am besten? Diese da; salopp du da; he, Sie da, Sie haben Ihren Handschuh verloren
b) /der Ort ist im vorangehenden Text genannt/ das Buch liegt auf dem Stuhl. Da kann es nicht liegenbleiben; er geht am Walde entlang. Da ist es nicht so windig; bei der Post ist eine Haltestelle. Meist stehen da viele Leute; mein Freund wohnt auf Rügen. Ich bin da oft zu Besuch; umg. da an der Küste ist es in heißen Sommern sehr angenehm; im Hafen, da liegen viele Schiffe; sie war im Krankenhaus und ist da am Blinddarm operiert worden; umg. er wohnt in L oder da in der Nähe, da herum (in der Gegend von L) er fährt jeden Tag nach Berlin, denn er wohnt hier und arbeitet da; er schlug im Lexikon nach und las da folgendes; kennen Sie die Familie Meier? Da ist ein Baby angekommen; /der Ort ist im folgenden oder vorangehenden Text genannt, wenn da in Korrelation mit wo steht / die Platzkarten bekommen Sie da, wo die vielen Leute stehen; der Schlüssel hängt da, wo er hingehört; /sprichw./ wo man singt, da laß dich ruhig nieder, böse Menschen haben keine Lieder
2. /bezeichnet den Standort des Sprechers/ hier: da bin ich!; da wären wir!;
3. /begleitet die Bewegung vom Sprecher weg, wenn man jmdm. etw. reicht/ umg. da, nimm das Geld!; da hast du die Zeitung!; salopp da! /für da nimm es, da hast du es /
4. /in festen Verbindungen/ hier und da, da und dort stellenweise: hier und da liegt noch Schnee; da und dort trifft man noch die alten Windmühlen; da und da an einer bestimmten Stelle, die hier nicht genauer bezeichnet zu werden braucht: ich hörte, daß er da und da wohne; salopp Platz da!, weg da! /Aufforderung, beiseitezutreten/
5. /in räuml. übertragenen Wendungen/ salopp da liegt der Hund begraben (das ist der Kern der Sache) umg. da hast du's, haben wir's (es ist das eingetreten, was ich schon immer erwartet hatte) landsch. da schau her! /Ausruf des Erstaunens/
6. /mit Bezug auf Abstrakta, die räuml. gesehen werden/ ich bin zum Geburtstag eingeladen. Da gibt es Kaffee und Kuchen; im Deutschen ist er sehr gut, aber leider nicht in Mathematik. Da sind seine Leistungen nur sehr mittelmäßig; er leitete eine Reihe menschlicher Eigenschaften nicht aus der Natur des Menschen, sondern aus seinen Umweltsbedingungen und da wieder aus den Eigentumsverhältnissen ab;
II. /zeitl./ zu diesem Zeitpunkt
1. /bezeichnet einen Zeitpunkt, zu dem ein Geschehen einsetzt, das auf ein vorhergehendes unmittelbar folgt/ in diesem Augenblick: der Schauspieler war gerade aufgetreten, da geschah das Unerwartete; kaum ist das Flugzeug gelandet, da ist es schon von einer Menschenmenge umringt; eben ertönte der Startschuß, da waren die Schwimmer schon im Wasser; fast hatte er das Ziel erreicht, da verließen ihn die Kräfte; Branzner wollte sich wehren, aber da traf ihn schon eine schallende Ohrfeige Noll Holt 1,310; /bezeichnet außerdem die Folge; vgl. III / er schalt das Kind. Da fing es an zu weinen; plötzlich stolperte er über seine eigenen Beine. Haben wir da gelacht!
2. /bezeichnet eine Zeitangabe, die im vorangehenden Text genannt ist/ nächstes Jahr geht er nicht mehr zur Schule, da ist er schon im Beruf; in ihrer Jugend war sie sehr schön, da hatte sie viele Bewunderer; bald ist es 22 Uhr, von da an muß Ruhe herrschen; er kam 1945 nach Berlin, das von da ab sein ständiger Wohnsitz war; umg. vor zehn Jahren, da sah es hier noch anders aus; gestern, da war hier ein Krach; /in Korrelation mit temporalen Konjunktionen/ als es schließlich soweit war, da sank ihm der Mut; als er noch im tiefsten Schlaf lag, da klingelte schon der Wecker; nachdem alle zugestimmt hatten, da mochte auch sie sich nicht mehr länger weigern; umg. bevor Sie sich beschweren, da erkundigen Sie sich erst einmal genau
3. /als Glied eines Wortpaares/ hie(r) und da hin und wieder: hie und da brachte er einen Sonntag mit ihr zu Federer Berge 184
III. /modal/
1. /bezeichnet die Umstände/
a) unter diesen Umständen: es regnete. Da hätte uns ein Baum Schutz bieten können; so ist es nicht richtig und so auch nicht. Wie soll man sich da noch auskennen?; ohnmächtig fiel sie nieder. Was war da zu tun?; trotz der Kälte ist er ohne Mantel gegangen. Da braucht man sich ja nicht zu wundern, wenn er krank wird;
b) /bezeichnet außerdem die Bedingung/ in diesem Falle: hoffentlich regnet es morgen nicht. Da können wir nicht spazierengehen; du glaubst wohl, ich entschuldige mich bei dir? Da kannst du lange warten; man muß sehr streng bei ihnen sein, und da gehorchen sie auch; umg. bei Sonnenschein, da braucht man keinen Schirm; /in Korrelation mit wenn / umg. wenn du weiter so unverschämt bist, da wirst du noch dein blaues Wunder erleben; wenn ich schon bezahlen muß, da bezahle ich lieber gleich; wenn du das tust, da bist du schön dumm
c) /bezeichnet außerdem den Grund, die Folge, vgl. II 1/ es regnet stark. Da sind die Wege unpassierbar; sie hatte lange warten müssen. Es ist verständlich, daß sie da sehr böse war; er hatte mich mehrfach unfreundlich empfangen. Da bin ich einfach nicht mehr zu ihm gegangen; sie sind beide sehr selbstbewußt. Da kommt es oft zu Auseinandersetzungen
d) /bezeichnet außerdem die Einräumung/ er ist zwar ein guter Fachmann, da ist er aber noch lange kein Meister; er arbeitet Tag und Nacht, und da gibt es noch Leute, die behaupten, er sei nicht fleißig genug;
2. /bezeichnet eine allgemeine Beziehung/ in dieser Hinsicht: noch als Siebzigjähriger konnte er sich für das Neue begeistern. Es ging ihm da wie seinen Studenten; haben wir uns nicht schon einmal irgendwo gesehen? Da (daran) kann ich mich nicht erinnern wir wollen verreisen. Du glaubst gar nicht, was da (dabei) alles zu bedenken ist wollen wir zusammen ein Glas Bier trinken? Da (damit) bin ich einverstanden
3. /in übertr. Wendungen/ umg. da hört doch alles auf (nun ist es aber genug; das ist ja unglaublich) salopp da brat mir einer 'nen Storch (das ist ja kaum zu glauben)
IV. /ohne eigentliche Bedeutung/
1. /rückt die Aussage näher und verleiht ihr Anschaulichkeit, Vertraulichkeit; steht meist, der Funktion von es angenähert, am Satzanfang / da wohnt in einem thüringischen Dorf eine Frau, die ist bald hundert Jahre alt; da ängstigen sich die Eltern nun, und dem Kind geht es ausgezeichnet; man glaubt gar nicht, was alles passiert. Da komme ich von meinem Freund und denke an nichts Böses, plötzlich werde ich hinterrücks überfallen; bei dem Vorhaben ist vielerlei zu bedenken. Da ist zunächst die Frage, wer daran teilnehmen soll; Da streiten sich die Leut' herum / Oft um den Wert des Glücks Raimund Verschwender III 10
2. /in festen Verbindungen/ siehe da /drückt aus, daß etwas Erwartetes eingetreten ist/ ich hatte das schon vermutet und, siehe da, so kam es auch; umg. nichts da (das kommt nicht in Frage, nein)! altertümelnd als da sind zum Beispiel: düstere Ämter … als da sind Einsegnungen, Begängnisse, Grabreden und Seelenmessen Werfel Veruntreuter Himmel 38
3. altertümelnd /nach Rel. pron. und gewissen Indef.pron./ Meister Martin Opitz … der da schreibt Weiskopf 8,450 (Verteidigung) ; was da kreucht und fleucht; bibl. wer da hat, dem wird gegeben
V. /Ausruf, der auf ein Geräusch aufmerksam macht/ da, horch!; da, es klingelt!;
VI. /als Ankündigung oder Teil eines mitda(r)- zusammengesetzten Pronominaladverbs/
1. umg. /als Ankündigung/ da habe ich nichts dagegen; da kann sich auch jeder darunter vorstellen, was er will Noll Holt 1, 406; da ist er nicht dran schuld; da werde ich nicht draus klug;
2. norddt. umg. /die mit da zusammengesetzten Pronominaladverbien werden getrennt, z. B. dabei, dafür, dazu zu da … bei, da … für, da … zu / da kann man nichts bei machen; da bin ich auch für; da kommt noch etwas anderes zu

da2 /Konj./
I. /leitet einen kausalen Gliedsatz ein/
1. /auf der Begründung liegt kein, zumindest kein besonderer Nachdruck/
a) /da kann durch weil ersetzt werden / die Zeitung ging ein, da die Auflage zu niedrig war; da die Auflage zu niedrig war, ging die Zeitung ein; die Mutter bestrafte das Kind, da es gelogen hatte; da schönes Wetter war, fuhren sie ins Grüne; da die Sonne am Himmel einen Bogen beschreibt, glaubte man früher, sie kreise um die Erde; erst nach längeren Beobachtungen erkannten die Ärzte den Erreger der Krankheit, da er nur unter bestimmten Bedingungen auftritt; er muß seiner Sinne nicht mächtig gewesen sein, da er nichts von dem Vorfall gesehen hat; Thiel, der den Tag über nicht dazu gekommen war, sich niederzulegen, kroch, da er die folgende Woche Tagdienst hatte, bereits gegen neun Uhr abends ins Bett G. Hauptm. 4,47 (Bahnw. Thiel)
b) /auf der Begründung liegt kein Nachdruck/
α) /da kann kaum durch weil ersetzt werden oder ist zumindest üblicher als weil; es wird die Begründung eines anderen referiert/ er sagte mir, er könne nicht mitkommen, da er keine Zeit habe; da dieser Begriff zu unklar sei, habe man ihn nicht verwendet; Dieser Schluß leuchtet angeblich vielen Menschen ein. Andere fürchten ihn, da er solche Vorstellungen erwecke wie, Roboter könnten sich selbständig machen Klaus Kybernetik 64; /die Begründung wird als bekannt vorausgesetzt; im da -Satz stehen Wörter wie ja, doch, bekanntlich / von dieser kleinen Ungenauigkeit kann man absehen, da das Ergebnis dadurch ja nicht beeinflußt wird; da er es doch selbst zugegeben hat, können wir uns einen umständlichen Beweis ersparen; das Kabel ist mit Gummi isoliert, da Gummi elektrischen Strom bekanntlich nicht leitet; Da, wie schon vorher bemerkt, nicht bloß ein guter deutscher Stil existiert, wird man dem Autor einer Stilkunde das Recht zubilligen müssen, unter mehreren zulässigen Ausdrucksweisen eine für schöner als die übrigen zu halten Weiskopf 8,447 (Verteidigung) ; /in einem dem Hauptsatz voraufgehenden Gliedsatz zum flüssigen Anschluß an den vorhergehenden Satz; meist in Verbindung mit anderen Konjunktionen/ Diese Antwort ist aber wiederum offensichtlich zu einfach, denn da ein und dieselbe Information ein System von Schallwellen, ein System elektrischer Wellen … sein kann, ist die materielle Seite einer Information offensichtlich sekundär Klaus Kybernetik 70
β) /da kann nicht durch weil ersetzt werden; der Hauptsatz wird durch so eingeleitet, das mit da korrespondiert/ Die Literatur bleibt, wie je, eine Macht; und da die Macht sich allgemein faßlich in Geld ausdrückt, so fällt ihr Geld zu H. Mann 11,437; und da Du schon die Selbstironie zur Hilfe herangezogen hast, so gestatte mir, daß … Becher 5,33; /in Verbindung mit zumal/ dieser Roman ist heiß umstritten, zumal da er in einer ungewöhnlichen sprachlichen Form geschrieben ist; Auch der Name des Verfassers spielte keine Rolle, zumal da alles Geschriebene allmählich in den Zustand der Anonymität gelangte Kasack Stadt 413; /die Begründung bezieht sich auf einen Fragesatz, der inhaltlich ein verneinter Aussagesatz ist/ was sollte er antworten, da er genau wußte, daß es darauf keine Antwort gibt; wohin sollte ich mich noch wenden, da mir alle Wege versperrt waren?
2. /auf der Begründung liegt besonderer Nachdruck; da kann anstelle des üblicheren weil stehen, wenn die Begründung sich auf das dem Gliedsatz unmittelbar voraufgehende Wort bezieht / es war seine Tragik, unlösbar, da sie nur lösbar gewesen wäre durch eine Wende der Zeit Becher 5,293; /in anderen Fällen, z. B. wenn im Hauptsatz durch Wörter wie darum, deshalb, deswegen auf den Begründungssatz hingewiesen wird, ist der Gebrauch von da unmöglich; vgl. weil /
II. geh. /leitet einen temporalen Gliedsatz ein/
1. /bezeichnet die Gleichzeitigkeit/ als, während: Ich gedachte heute morgen der Verse, die Tonio Kröger nicht fertig zu schmieden wußte, da sein Herz lebte Th. Mann 10,531; Als die Geschwister am andern Morgen im Frühstückszimmer des Gasthauses Platz nahmen, lächelten beide, da sie die Serviette entfalteten Andres Hochzeit 394; /meist geht dem da-Satz eine Zeitbestimmung voraus; vgl. / an dem Tage, da er zum ersten Mal das Meer erblickte, beschloß er, Seemann zu werden; Der Künstler schafft nicht nur in dem Augenblick, da er den Pinsel oder den Meißel in die Hand nimmt oder sich an den Schreibtisch setzt Becher 5,281
2. veraltend /bezeichnet die Vorzeitigkeit/ nachdem: Erst da auch das Gesetz-Nachspiel abgetan, wird mir die Neuheit und Fragwürdigkeit der Lage bewußt Th. Mann 12,189; da ich die vorliegenden Treppen hinaufgestiegen war … fiel mir das reizendste Schauspiel in die Augen, das ich jemals gesehen habe Goethe 6,23 (Werther)
III. veralt. /leitet einen konzessiven, adversativen Gliedsatz ein/ obwohl, während: Du wirst ein Sklave eines Edelmanns werden, da du Herr von Fürsten sein könntest Goethe Götz II; Warum … ließet [Ihr] es nicht zu, daß sie mir die Hand gab, da Ihr doch bemerken mußtet, wie innig wir uns liebten? E. T. A. Hoffm. 6,40
IV. geh. /leitet einen Relativsatz ein; vgl. / er besuchte die ehrwürdigen Stätten, da (wo) sein Vater gewirkt hatte Es gab Fälle, da (in denen) das Bett fünfzehn-, auch zwanzigmal am Tage gebaut worden war Noll Holt 1,351

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