Gedạnke, der; -ns, -n
   1. das, was jmd. denkt oder gedacht hat: ein kluger, neuer, vernünftiger, verlockender, interessanter, einleuchtender, gewohnter G.; abenteuerliche, aufrührerische, freiheitliche, ketzerische, verwegene, gefährliche, hochfliegende, befremdliche, beklemmende, bittere, böse, düstere, ernste, wehmütige, kritische, selbständige, schöpferische, glückliche Gedanken; da platzten heraus / Auch mir die geheimsten Gedanken Heine 2,465 (Wintermärchen); sie konnten keinen klaren Gedanken fassen; umg. auf dumme Gedanken kommen⌉; seine eigenen Gedanken (Ansichten) über etw. haben; ich habe darüber die gleichen Gedanken wie er; sich trüben Gedanken hingeben; jmdn. quälen verzweifelte, schreckliche Gedanken; ein G. durchzuckt, erfaßt, belastet jmdn.; ein G. schoß, fuhr, ging mir durch den Kopf; ein G. taucht in jmdm. auf; ein G. kommt jmdm.; der G. ist von ihm ausgegangen; ein G. besticht, drängt sich auf; jmds. Gedanken arbeiten, kreisen um etw., verwirren sich, gehen langsam, irren, g eiten ab; seine Gedanken kehrten immer wieder zu seiner Familie zurück; seine Gedanken gehen seltsame Wege; /sprichw./ Gedanken sind zollfrei; Leicht beieinander wohnen die Gedanken Schiller Wallenst. Tod II 2; sich eines Gedankens nicht erwehren können; Der angebornen Farbe der Entschließung / Wird des Gedankens Blässe angekränkelt Schlegel-Shakesp. Hamlet III 1; einem Gedanken nachjagen, Raum geben; sich bei einem Gedanken ertappen; sich mit einem Gedanken befreunden; von einem Gedanken gepeinigt sein; seinen Gedanken nachgehen, -hängen; jmdn., sich seinen Gedanken überlassen; aus seinen Gedanken auffahren; sich in Gedanken mit etw. beschäftigen; in Gedanken verloren, versunken, vertieft sein; ganz in Gedanken sein; das habe ich ganz in Gedanken getan; sich mit einem Gedanken vertraut machen; mit den Gedanken abschweifen; weit fort mit den Gedanken sein; mit den Gedanken (nicht) bei der Sache (unkonzentriert) sein; von einem Gedanken abkommen; einen Gedanken fassen, haben, geh. hegen⌉, äußern, ausspinnen, ausführen, weiter verfolgen, weiterführen, aufgreifen, aufnehmen, niederkämpfen, unterdrücken, abschütteln, abtun, fallenlassen, verwerfen; einen Gedanken in Worte kleiden, zu Ende denken, weit von sich schieben; sich an einen Gedanken klammern; an, auf etw. keinen Gedanken verwenden, verschwenden; auf einen Gedanken verfallen; seine Gedanken konzentrieren, sammeln, zusammennehmen, ordnen, darlegen, entwickeln, ausschalten; sie tauschten ihre Gedanken über ein Buch aus; geh. seine Gedanken dem Papier anvertrauen⌉; seine Gedanken nicht ausdrücken können; jmds. Gedanken ahnen, erraten; jmds. Gedanken auf etw. lenken; auf jmds. Gedanken eingehen; jmdn., sich auf andere Gedanken bringen (zerstreuen); jmdm. die Gedanken vom Gesicht ablesen; kannst du Gedanken lesen?; etw. bleibt nur G. (wird nicht Wirklichkeit); etw. ist nur in Gedanken vorhanden; Vorstellung: es ist mir ein peinlicher, schrecklicher, unerträglicher G., daß ...; sich an einen Gedanken gewöhnen; Es ist ein holder, freundlicher Gedanke, / Daß über uns in unermeßnen Höhn, / Der Liebe Kranz aus funkelnden Gestirnen, / Da wir erst wurden, schon geflochten ward Schiller Piccolomini III 4; Einfall: das ist der rettende, erlösende, ein guter, ausgezeichneter, kein schlechter G.!; ein plötzlicher G.; Plan, Absicht: sich mit einem Gedanken tragen; mit einem Gedanken spielen; [Klothilde] die mit dem Gedanken umging, sich demnächst einmal zu »etablieren« Th. Mann 1,290 (Buddenbr.); Begriff, Idee: der G. der Freiheit, des Friedens; jeder von ihnen diente doch der gleichen Einheit, demselben Gedanken, derselben Ordnung Hesse 5,285 (Narziß); der tragende G. des Werkes; Sorge: sich /Dat./ (schwere, unnötige) Gedanken machen; mach dir darüber, deswegen keine Gedanken
   2. /ohne Pl./ das Denken: schon der (bloße) G. (daran) beunruhigt mich; umg. (es ist) kein G. daran, davon (nicht daran zu denken), daß ich rechtzeitig fertig werde; kein G. (keineswegs, auf keinen Fall)!
   3. /ohne Pl./ umg. das Kleid ist um einen Gedanken (eine Kleinigkeit) zu lang; die Tönung ist um einen Gedanken zu kräftig ausgefallen
zu 1 Abrüstungs-, Abschieds-, Autonomie-, Einheits-, Flucht-, Freiheits-, Friedens-, Gottes-, Grund-, Haupt-, Heirats-, Hinter-, Kern-, Leit-, Lieblings-, Mord-, Neben-, Rache-, Reichs-, Schluß-, Selbstmord-, Staats-, Todes-, Unsterblichkeitsgedanke

Zitationshilfe
„gedanke“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/gedanke>, abgerufen am 17.11.2018.

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