Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

grün, Adj.

grün /Adj./
1. /Farbe des Sonnenspektrums zwischen Gelb und Blau/ g. Gras; g. Blätter, Hänge, Saaten, Wiesen; g. Salat (Blattsalat) g. Tee; Geogr. das Grüne Herz Deutschlands /Thüringen/; die Grüne Insel /Irland/ ; die g. Hölle (der tropische Urwald mit seinen Gefahren) die g. Lungen der Großstädte (Parks und Wälder innerhalb oder in der Umgebung der Großstädte) g. Weihnachten (Weihnachten ohne Schnee) der Grüne Donnerstag (Gründonnerstag) geh. verhüll. der g. Rasen deckt ihn schon lange (er ist schon lange tot) g. Tinte, Ölfarbe; eine g. Flasche; die g. Tiefe des Meeres; das g. Licht der Steuerbordlampen, der Verkehrsampel; Neupräg. die g. Welle (alle Ampeln einer Hauptstraße, die nacheinander in festgelegten Zeitabständen grünes Licht zeigen und so den Fahrzeugen bei einer bestimmten Geschwindigkeit an allen Kreuzungen freie Fahrt gewähren) die g. Fahne des Propheten Mohammed; die g. Dächer der Kirchen; das Grüne Gewölbe /berühmte Kunstsammlung in Dresden/; Der Grüne Heinrich G. Keller /Titel/; scherzh. die Grüne Minna (Transportwagen für Verhaftete) der g. Star (Schädigung von Sehnerv und Netzhaut im Auge, die auf einem gesteigerten Innendruck beruht) die Vorhänge waren g.; die Bäume werden wieder g.; Grau, teurer Freund, ist alle Theorie, / Und grün des Lebens goldner Baum Goethe Faust I 2039; Vital Dutour, grün vor Galle, erhebt wirklich diese lächerliche Anklage Werfel Bernadette 434; g. aussehen, leuchten, funkeln, schimmern; der Stoff wurde g. gefärbt; ein g. und gelb kariertes Tuch; g. ist die Farbe der Hoffnung; die Farbe Grün; ein schönes, helles, zartes, mattes, dunkles, tiefes, sattes, kräftiges, leuchtendes, giftiges Grün; er war ganz in Grün gekleidet; die Dame in Grün; die Ampel zeigt jetzt Grün; das Grün der Fluren, des Laubes; der Weg verlor sich im Grün der Wiesen; das erste Grün des Frühlings; frisches Grün (frische Zweige) schmückt die Straßen moderne Wohnviertel mit viel Grün zwischen den Häusern; scherzh. Mutter Grün die grünende Natur: bei Mutter Grün schlafen; ein Besuch bei Mutter Grün; eine Fahrt, einen Ausflug ins Grüne (in die grünende Natur) unternehmen, machen wir verbrachten das Wochenende im Grünen; Grün /ohne Art./ zweithöchste Farbe der deutschen Spielkarten, deren Kennzeichen grüne Blätter sind: Grün ist Trumpf; Grün an-, ausspielen, nachbringen, zugeben; /in bildl. Wendungen/ umg. jmdn. über den g. Klee (außerordentlich) loben Neupräg. umg. g. Licht geben Handlungsfreiheit geben: den Wissenschaftlern wurde g. Licht gegeben, ihr Programm durchzuführen; die Regierung erhielt für ihr Programm g. Licht vom Parlament; salopp ach, du g. Neune! /Ausruf der Verwunderung, Bestürzung/ ; vom g. Tisch (aus) ohne Kenntnis der Sachlage, bürokratisch: etw. vom g. Tisch aus planen, anordnen, entscheiden; da haben sich die Herren am g. Tisch wieder mal etwas einfallen lassen!; die g. Hochzeit (Tag der Eheschließung) über die g. Grenze gehen, kommen (eine Grenze nicht am offiziellen Übergang überschreiten) Der gewisse Levin ist fort … Über die grüne Grenze, wie man sagt, obwohl es sich um einen Fluß handelt Bobrowski Levin 276; umg. auf keinen g. Zweig kommen erfolglos sein, nicht zu Geld kommen: mit dieser Beschäftigung kommst du nie auf einen g. Zweig⌝!; ihm wurde (es) g. und blau vor den Augen (ihm wurde übel und schwindlig) salopp sich über etw. g. und blau, g. und gelb (sehr) ärgern g. und gelb vor Ärger werden; Der Angestellte verliert den Faden, ärgert sich grün, verhaspelt sich Tucholsky Rheinsberg 172; jmdn. g. und blau (sehr) prügeln
2. /mit der Farbe mehr oder weniger verbundene Sonderbedeutungen/
a) frisch, saftig: g. Bohnen, Erbsen; g. Holz; das Holz war zu g. zum Verarbeiten; g. Ware (frisches Gemüse) zum Mittagessen wird es Grünes geben (frisches Gemüse, Kräuter) roh, ungekocht, ungeräuchert: g. Heringe; g. Speck; g. Klöße (Klöße aus rohen Kartoffeln)
b) unreif: g. Äpfel; g. Obst; der Junge hat sich mit g. Äpfeln den Magen verdorben /übertr./ abwertend unerfahren, zu jung: ein g. Junge, Bengel; dazu bist du noch viel zu g.!; wir waren damals alle noch g. hinter den Ohren;
c) /drückt Sympathie aus/ scherzh. an jmds. g. (linker) Seite gehen, sitzen Mädele, ruck, ruck, ruck an meine grüne Seite Volksl.; umg. jmdm. nicht g. sein jmdm. nicht wohlgesinnt, nicht gewogen sein: Dem Alkibiades war man sowieso nicht grün Brecht Kalendergesch. 131
d) Neupräg. BRD die Landwirtschaft betreffend: der Grüne Plan (Plan für die Strukturveränderung der Landwirtschaft) der Grüne Bericht (Jahresbericht des Ministers für Landwirtschaft)

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Zitationshilfe
„grün“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/grün>, abgerufen am 25.11.2020.

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