Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

immer

immer
I. /Adv./
1. zu jeder Zeit, stets
a) jederzeit, ständig, Ggs. nie: er war i. höflich zu mir; i. werden wir an euch denken; die Nachbarsleute sind i. in Eile; das habe ich (schon) i. prophezeit; der i. zu Scherzen aufgelegte Onkel; alles war wie i. (war unverändert) Neupräg. salopp ich verstehe i. (bloß) Bahnhof (gar nichts)! rufe vorher bei ihm an, er ist nicht i. daheim; Kinder dürfen nicht i. allein gelassen werden; sie will i. nicht (will nie) mitkommen /verstärkt in dem Wortpaar/ umg. i. und ewig: er redet i. und ewig denselben Unsinn; für, auf i. für alle Zeit, für ewig: ein Abschied für, auf i.; sich für, auf i. trennen; für, auf i. blamiert, ruiniert sein; geh. verhüll. er ging für i. von uns (ist gestorben) die Augen für i. schließen, für, auf i. Abschied nehmen (sterben) er hat i. wieder von vorn anfangen müssen; Und was man immer wieder und wieder hört / daran glaubt man P. Weiss Marat 13; ich nahm i. und i. wieder aufs neue Anlauf; umg. i. mal hin und wieder: ich treffe ihn i. mal auf der Straße; wir spielen i. mal Schach miteinander;
b) jedesmal: i. (dann) wenn man ihn sprechen will, hat er keine Zeit; wenn man ihn sprechen will, hat er i. keine Zeit; er gibt i. (dann) seine Ratschläge, wenn man sie nicht braucht; sie ist nicht i. krank, wenn sie fehlt; wenn ich ihn einlade, ist er i. unabkömmlich; salopp er ist i. der Dumme (hat den Schaden, Nachteil)
2. /i. + Komp.; dient der beständig zunehmenden Steigerung/ man wird i. älter; die Jungen kletterten i. höher; er forderte i. mehr; seine Leistungen wurden i. besser; wir fuhren i. schneller
3. /verallgemeinernd in Verbindung mit Interrogativpronomen und häufigem auch / s. auch
4. umg. jeweils: i. drei Schüler auf einmal wurden in den Prüfungsraum gebeten; i. der vierte mußte vortreten; er hastete die Treppe hinauf, i. drei Stufen auf einmal nehmend; Man tastete sich mit Hilfe seiner Laterne immer nur zwei Schritte vorwärts Klabund Bracke 153; sie gingen i. sechs und sechs (zu sechst) los
5. umg. die Zeit über: was treibst du (denn) i.?; wie geht es dir immer? Doderer Lederbeutelchen 146
6. salopp ja, selbstverständlich: wirst du den Mund halten? Na, i.!; Kommst du mit? I.!;
II. /partikelhaft, ohne eigentliche Bedeutung; wirkt intensivierend und satzbelebend/
1. /verstärkend bei noch / es hatte geregnet, als wir ankamen, bei der Abfahrt regnete es i. noch, noch i.; um neun Uhr lag er i. noch, noch i. im Bett; hast du den Schlüssel i. noch nicht gefunden?; diese Brücke ist i. noch gesperrt; umg. versöhne dich mit ihr, sie ist i. noch (immerhin, schließlich) deine Schwester!
2. umg. /an der Spitze von Aufforderungssätzen/ nur: i. langsam (voran)!; i. lustig voran!; i. frisch von der Leber weg!; i. rein in die gute Stube!; i. ran an den Speck!; i. mit der Ruhe!; i. der Nase nach!; i. zu (drauflos)!
3. /in modalen Gliedsätzen des Grades nach so + Adv. / nur: er lief, so schnell er i. konnte; sie nahm, soviel sie i. bekommen konnte; ich helfe ihm, sooft ich i. kann;
4. /in Sätzen mit imperativischem Sinn/
a) /mit konzessivem Nebensinn; häufig in Verbindung mit nur / mögen sie (nur) i. schimpfen!; soll er (nur) i. mit seinem Besitz prahlen!; laß ihn nur i. herein!
b) /häufig in Verbindung mit schon, inzwischen / er kommt anscheinend nicht mehr, fangen wir (schon) i. an!; ich denke, wir fangen i. an; gehen wir (inzwischen) i. los!; wir sollten i. losgehen; hör mal, Johnnie, willst du nicht immer schon packen? Baum Kristall 262

Im WDG stöbern

a b c d e f g h i j
k l m n o p q r s t
u v w x y z - ' & µ
intravenös
Zitationshilfe
„immer“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/immer>, abgerufen am 11.08.2020.

Weitere Informationen zum Zitieren …


Weitere Informationen zum WDG – Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache