Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

leiden

leiden, litt, hat gelitten
/vgl. leidend /
1. großen Kummer, Leid, Schmerzen haben, ertragen müssen: er leidet schwer, maßlos, sehr, innerlich; sie hat seinetwegen viel gelitten; Ich habe so viele Unschuldige leiden und untergehen sehen Hesse 5,235 (Narziß) was muß die arme Frau gelitten (durchgemacht) haben! um jmdn. l.; an, unter etw., jmdm. l. wegen etw., jmdm. Kummer haben: er litt an den Menschen, seiner Zeit; sie litt unter ihrer Armut, der ungerechten Behandlung, dem Verlust; Sie litt kaum unter der Verworrenheit Jahnn Holzschiff 129; die Kinder litten sehr darunter, unter ihm an etw. l. eine Krankheit haben, mit etw. Unangenehmem, Krankhaftem behaftet sein: an einer schweren Krankheit, an Schwermut, Migräne, unglücklicher Liebe, Wahnvorstellungen, Schlaflosigkeit l.; er starb nach langem Leiden; umg. scherzh. jmd. leidet an chronischer Faulheit; Seit ein paar Monaten litt Sarno an der Idee, törichte Salonlustspiele … zu beleben Hartlaub Großer Wagen 89 etw. l. etw. Unangenehmes ausstehen, erdulden müssen: Hunger, Not, Durst, Langeweile, Traurigkeit, große Angst, (keinen) Mangel l.; er litt große Schmerzen, Qualen; geh. etw. leidet Schaden, Einbuße; etw., jmd. leidet Schiffbruch (hat Mißerfolg)
2. etw. leidet unter etw. etw. nimmt durch etw. Schaden, wird durch etw. beschädigt: die Bilder hatten unter der Feuchtigkeit, die Gardinen unter der Sonne stark gelitten; der gute Ruf, das Ansehen, Niveau des Unterrichts würden darunter l.; sein Gedächtnis hat durch die Krankheit gelitten;
3. umg. jmdn., etw. l. können, mögen jmdn., etw. mögen, gern haben, an jmdm., etw. Gefallen finden: er konnte, mochte ihn (nicht, gut, nie) l.; ich kann das (gar) nicht l.!; er hat Widerspruch, Operetten nie l. können; salopp übertrieben jmdn., etw. in, auf den Tod nicht l. können; umg. sie ist zu l. (man kann sie gern haben) /nur im Part. Prät./ jmd. ist gut gelitten jmd. ist beliebt: er ist von seinen Kollegen, bei den Damen gut, wohl gelitten;
4. geh. etw. dulden, zulassen, erlauben: die Sache litt keinen Aufschub; das leidet keinen Zweifel; Die Wirtschaft litt Müßiggang nicht A. Zweig De Vriendt 253; das leide ich nicht in meinem Hause!; er litt es nicht, daß …; er litt es nicht länger; jmdn. um sich l. jmdm. den Aufenthalt in seiner Nähe gestatten: er litt nur seine engsten Freunde um sich; sie litten ihn in ihrem Haus; /mit unpers. es / es leidet (hält) jmdn. nicht (länger) an einem Ort es litt ihn nicht (mehr) auf seinem Platz, im Bett, daheim; Den Alten litt es nicht lange am Tisch Nell Fischer 192

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Zitationshilfe
„leiden“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/leiden>, abgerufen am 10.08.2020.

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