Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

letzt, Adj.

letzt /Adj.,
vgl. letztere /
1. am Ende einer Aufeinanderfolge
a) /räuml./ das l. Haus der Straße; die l. Sprosse der Leiter; er stand auf der l. (der untersten oder der obersten) Stufe der Treppe
b) /zeitl./ am l. Tag des Jahres; die l. Jahre seines Lebens; der Letzte des Monats; mitternacht die l. Nachrichten hören;
c) am Ende einer Reihenfolge: er kommt als l. an die Reihe, ging als l. durch die Tür; ich will als l. trinken; der l. Buchstabe des Alphabets; der l. Band der Gesamtausgabe; die l. Seite des Buches; die l. Szene des ersten Aktes; das l. Glas trinken; er wurde in l. Instanz zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt; ich sage es zum dritten und l. Mal; er ist der Letzte (Schlechteste) in der Klasse dieser Hut ist der l. Schrei (die neueste Mode)
2. einen Vorgang abschließend: die l. Vorbereitungen für die Reise treffen; einen l. Blick auf etw. werfen; im l. Moment den Besuch absagen; dieses Medikament bedeutete die l. Hoffnung; beim l. Abschied hatten sie sich das Versprechen gegeben, daß …; den l. Versuch machen; l. Hand an etw. legen (etw. vollenden) das ist mein l. Wort; das l. Wort ist noch nicht gesprochen; er will immer das l. Wort haben (duldet keine Widerrede) salopp bei jmdm. ist Matthäi am letzten (jmd. ist wirtschaftlich am Ende) letzten Endes (im Grunde)
3. eben erst vergangen, vorig: l. Jahr, im l. Sommer waren wir an der See; l. Sonntag habe ich sie im Kino gesehen; in der l. Nacht ging es ihm nicht gut; in der l. Zeit war er öfter krank;
4. am Ende (von einer Menge) übriggeblieben: das l. Geld; eine l. Reserve; die l. tausend Mark; er hatte sein Letztes hergegeben; auf dem Tisch stand … der letzte Rest von Ninas Geschirr Rinser Mitte 292; er trank das Letzte aus der Flasche; sie kämpften bis zum l. Mann; Wenn das letzte bißchen Gemütlichkeit verschwinden soll Renn Kindheit 59; /sprichw./ den Letzten beißen die Hunde; umg. scherzh. er ist der Letzte der Mohikaner
5. am Ende des Lebens: Denn ein Grab im Freien war sein letzter Wille gewesen Fontane I 1,233 (Minde) ; den Letzten Willen (das Testament) des Verstorbenen vollziehen, vollstrecken geh. verhüll. in den l. Zügen liegen (sterben) bis zum l. Atemzug; er bereitete ihn auf das Letzte (den Tod) vor Gegens Letzte is kein Kraut gewachsen Zuckmayer Hauptmann 14; seine l. Stunde war gekommen; sie fühlte ihre l. Stunde, ihr l. Stündlein herannahen; Rel. kath. die Letzte Ölung vornehmen; geh. jmdm. die l. Ehre erweisen, das l. Geleit geben (an jmds. Beerdigung teilnehmen) den Verstorbenen zur l. Ruhe betten (bestatten)
6. /drückt einen hohen Grad aus/
a) höchst: die l. Dinge; nach l. Zielen streben; das l. Risiko eingehen; es ist der Garten Eden in letzter Perfektion Koeppen Amerikafahrt 100; das ist der Weisheit l. Schluß (die höchste Weisheit)
b) tiefst: l. Probleme, Fragen; der Dichtung l. Sinn; in seiner Stimme lag das letzte Wissen der Eingeweihten S. Lenz Brot 79
c) äußerst: die l. Konsequenzen ziehen; zum l. Mittel greifen; aus einer Sache das Letzte herausholen; er ist ein Mensch l. Beherrschung; Wenn Frankreichs letztes (schlimmstes) Schicksal nun sich naht Schiller Jungfr. v. Orleans, Prolog4 bis aufs letzte beleidigt sein; etw. bis ins letzte kennen; etw. bis zum letzten ausnutzen;
d) geringst: die l. Sorte, Qualität; er täte besser, vor dem letzten der alten Weiblein … zu schweigen Le Fort Papst 116 Denn jetzt wird man als Mensch gewertet, nicht mehr als Kuli und letzter Dreck Nell Fischer 157

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Zitationshilfe
„letzt“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/letzt>, abgerufen am 04.08.2020.

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