Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 3. Band, 1969

liegen

liegen, lag, hat gelegen
/vgl. Liegende gelegen /
1. sich auf einer Unterlage in waagerechter Lage befinden, auf etw. der Länge nach ausgestreckt sein, Ggs. stehen, sitzen: auf dem Sofa, der Couch l.; der Verunglückte lag besinnungslos am, auf dem Boden; (krank) im, zu Bett l.; er liegt im Gras, in der Sonne, umg. schon in den Federn⌝, im Krankenhaus; geh. verhüll. er liegt schon ein Jahr unter der Erde (ist seit einem Jahr tot) umg. hier liegt Beethoven (ist Beethoven begraben) sie lag auf d. Rücken, Bauch, rechten Seite, vor ihnen auf den Knien (kniete vor ihnen), in seinen Armen ausgestreckt, gerade, krumm, zusammengerollt, mit dem Gesicht zur Wand (gekehrt) l.; weich, bequem, gut, schlecht l.; der Kranke muß ruhig, flach l.; an diesem Abend lag ich noch lange wach; umg. er hat lange gelegen (war lange bettlägerig) ⌝, ist nun doch noch zum Liegen gekommen (ist so erkrankt, daß er im Bett liegen muß) Weinflaschen sollen l., sollen liegend aufbewahrt werden; nach dem Regen lag das Getreide; /sprichw./ wie man sich bettet, so liegt man; /bildl./ salopp vor jmdm. auf dem Bauch l. (jmdm. kriecherisch schmeicheln) wenn du so weitermachst, wirst du bald auf der Nase l. (gesundheitlich schwer geschädigt, ruiniert sein) nach dem Krieg lag die Wirtschaft völlig am Boden (war ruiniert) /übertr./ das Publikum lag dem Schauspieler zu Füßen (verehrte ihn abgöttisch) salopp auf der faulen Haut l. (faulenzen, müßig gehen) hier liegt der Hund begraben (das ist der Kern der Sache) umg. da liegt der Hase im Pfeffer (das ist die Ursache, darin liegt die Schwierigkeit)
2. sich befinden, sein
a) /bezeichnet den von Natur aus gegebenen Zustand eines flachen Körpers/: die Zeitung liegt auf dem Tisch; auf dem Fußboden l. dicke Teppiche; auf den Möbeln liegt Staub; das Geld liegt auf der Bank; das Schreiben liegt bei den Akten (ist den Akten beigefügt) die Wäsche liegt im Schrank; die Wurst liegt im Kühlschrank; das Original liegt in Stuttgart; der Knopf lag unter dem Stuhl; die Decke liegt ganz schief, schräg; der Schnee lag meterhoch; die Hemden sind vom langen Liegen (weil sie lange unbenutzt aufbewahrt wurden) verschmutzt der Stoff liegt (ist) einen Meter breit seine Augen lagen in tiefen Höhlen; der Wagen liegt gut auf der Straße (hat eine gute Straßenlage) die Einschläge der Geschütze lagen (trafen) alle zu weit /bildl./ umg. hier liegt das Geld auf der Straße (gibt es genügend Möglichkeiten, Geld zu verdienen) es liegt mir auf der Zunge (schwebt mir vor, fällt mir aber im Moment nicht ein), wie der Ort heißt Jur. veraltend liegende Habe (Grundbesitz, Ggs. fahrende Habe)
b) etw. liegt auf, über, um etw. etw. breitet sich über etw. aus: Nebel liegt auf, über den Wiesen, dem Wasser; über dem Industriegebiet liegt ständig ein feiner Dunst; /bildl./ auf der Terrasse liegt schon Schatten; auf ihrem Gesicht lag ein rosiger Hauch; Schwüle, Totenstille liegt über dem Land; um ihren Mund hatte e. Lächeln, spöttischer Zug gelegen
c) seine geographische Lage haben: Köln liegt am Rhein; der Ort liegt im Gebirge, in einer malerischen Umgebung, fünfhundert Meter hoch; das frühere Grundstück hatte am Wald gelegen; von hier aus kann man das Haus schon l. sehen; Hamburg liegt gegenüber Altona; umg. die Apotheke liegt an meinem Wege (ich komme daran vorbei) nach etw. l. nach etw. gerichtet sein: die Fenster l. nach der Straße, dem Garten (zu); die Terrasse des Hauses liegt nach Süden; das Zimmer liegt nach hinten heraus; etw. ist gelegen etw. liegt: Köln ist am Rhein gelegen; ein abseits gelegenes Dorf; ein nach Süden gelegenes Zimmer;
d) seinen Standort haben: das Schiff liegt im Hafen, vor Anker, am Kai, auf Reede; das Regiment liegt in P in Garnison, hat in dieser Stadt in Quartier gelegen; der Feind mußte in dem Wäldchen l.;
e) umg. oft abwertend sich häufig, lange an einem Ort aufhalten: der Bursche liegt den ganzen Tag auf der Straße, im Wirtshaus; Natürlich lagen wir Jungen ständig auf dem Wasser Schleich Besonnte Vergangenh. 17 wir hatten den ganzen Tag auf der Bahn gelegen (waren den ganzen Tag mit der Eisenbahn gefahren) wenn man an diesem Haus vorbeikommt, liegt die Frau im Fenster (schaut sie zum Fenster heraus)
f) etw. liegt in etw. etw. ist in etw. enthalten: in seinem Blick lag Neugierde; darin liegt eine große Gefahr, sein Verdienst; in diesem Spruch liegt eine tiefe Weisheit; die Wahrheit liegt in der Mitte; das lag ganz in meinem Interesse, nicht in meiner Absicht; das liegt in seiner Art, in der Natur der Dinge (ist so), in der Familie (ist eine Eigenschaft, die sich in der Familie vererbt) /übertr./ umg. etw. liegt in der Luft (irgend etw. ist zu erwarten)
g) /weist auf ein Verhältnis zu jmdm., einer Sache/ der Betrieb liegt im Wettbewerb an der Spitze; der Schüler hatte unter dem Durchschnitt gelegen; d. Fahrer, Pferd liegt gut, am aussichtsreichsten im Rennen; die Preise lagen um fünf Prozent höher als im Vorjahr; die Zahl der Verletzten liegt niedriger als ursprünglich angenommen wurde;
h) /weist auf einen zeitl. Vorgang/ das liegt in weiter Ferne, greifbar nahe; wir wollen nicht mehr darüber sprechen, das liegt weit hinter mir, in der Vergangenheit; umg. ein großes Stück Arbeit lag noch vor uns; zwischen diesen beiden Ereignissen lagen nur Minuten (waren nur Minuten vergangen)
3. auf, in, unter etw. l. /drückt einen bestimmten Zustand, Vorgang aus/: auf der Lauer l. (wachsam sein) ; auf den Tod l. (todkrank sein) ; in Ohnmacht l. (ohnmächtig sein) ; im Sterben l. (sterben) ; im Fieber l. (fiebern) ; die Stadt lag in Trümmern (war völlig zerstört) ; etw. liegt im Argen (ist in Unordnung) ; der Gefangene lag in Ketten (war gefesselt) ; mit jmdm. in einem Prozeß l. (prozessieren) ; die beiden l. in Scheidung (lassen sich scheiden) ; mit jmdm. in Streit l. (sich streiten) ; umg. die beiden haben sich dauernd in den Haaren gelegen (haben sich dauernd gestritten) die Stadt lag unter schwerem Beschuß, Feuer (wurde stark beschossen) ; /abgeblaßt in besonderen Redewendungen/ etw. liegt klar auf der Hand, zutage (ist ganz offensichtlich) etw. liegt in jmds. Hand, Macht (jmd. hat Macht, Gewalt über etw.) die Erziehung der Kinder liegt ihr am Herzen (ist ihr Herzenssache) umg. sie liegt mir mit ihren Plänen immerfort in den Ohren (trägt sie mir immer wieder vor, um sie durchzusetzen)
4. etw. liegt in, auf etw., jmdm. etw. drückt auf etw., jmdn.: das Essen liegt mir (schwer), wie ein Stein im Magen; mir liegt es wie Blei in den Gliedern; seitdem … lag ihre Stummheit wie ein Gewicht auf ihm Böll Waage 7; die ganze Last liegt auf mir, meinen Schultern; umg. es liegt viel auf ihr (sie hat für vieles zu sorgen) /bildl./ salopp die Sache liegt ihm gewaltig im Magen (ärgert, bedrückt ihn sehr) /übertr./ die Schuld liegt schwer auf ihm, seiner Seele; umg. ich will dir nicht länger auf der Tasche l. (Kosten verursachen) salopp jmdm. auf der Pelle l. (durch seine dauernde Anwesenheit belästigen)
5. jmdm. liegt etwas an etw., jmdm. jmd. legt Wert auf etw., jmdn.: daran, am Geld liegt ihm nichts; viel am Leben lag mir damals nicht Schnitzler Das weite Land III; an seinem Kommen muß dir etwas, viel l.; ihm lag daran, jedes Risiko auszuschließen; mir hatte viel an seiner Mitarbeit gelegen; jmdm. ist an etw., jmdm. gelegen jmdm. liegt etwas an etw., jmdm.: mir ist an seiner Mitarbeit gelegen; daran muß dir viel gelegen sein;
6. etw. liegt jmdm. etw. entspricht jmds. Neigung, natürlicher Begabung: d. Schauspielerei, Rolle des jugendlichen Liebhabers liegt ihm gut, nicht; ihm hatten besonders die Naturwissenschaften gelegen; keine Angst, Schnüffeleien liegen mir (entsprechen meiner Art) auch nicht Schallück Reineke 292; umg. jmd. liegt jmdm. jmd. ist jmdm. (an)genehm: Nicht jeder … liegt jedem Schweikkert Knigge 74; er liege ihr auch mehr als der Arbeitslose M. Walser Ehen 21
7. etw. liegt an jmdm., etw. jmd., etw. ist an etw. schuld: daß es zu dem Streit kam, hat an dir gelegen; An wem liegt es, wenn die Unterdrückung bleibt? / An uns Brecht Lob d. Dialektik; das muß am Wetter, Essen l.; an mir soll es nicht l. (ich werde keine Einwände machen, nicht hinderlich sein) was an uns liegt, werden wir tun (wir werden tun, was wir können)
8. etw. liegt bei jmdm. etw. steht in jmds. Macht: die Entscheidung lag bei ihm, hatte bei der Mutter gelegen; das liegt ganz bei dir (kannst du machen, wie du willst)
9. etw. liegt anders etw. verhält sich anders: die Dinge l. in Wirklichkeit so, ganz anders; wie liegt die Sache?; der Fall scheint doch schwieriger, ungünstig zu l.;
10. etw. l. haben etw. vorrätig haben: Stoff für einen Anzug l. haben; er hat ein paar Flaschen Wein l.; Geld auf der Bank l. haben; ich habe noch viel Arbeit l. (habe noch viel unerledigte Arbeit)

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Zitationshilfe
„liegen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/liegen>, abgerufen am 14.08.2020.

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