Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

nun, Adv.

1nun /Adv./
I. /dient dem Sprecher zur Bezeichnung der Gegenwart oder einer von ihm als Gegenwart gesetzten Zeit/ jetzt: n. muß ich gehen, ich muß n. gehen; wir kommen n. zu der Frage, ob …; n. endlich bin ich diese Sorge los; Von nun an habe ich nur noch zu berichten Jens Mann 11; umg. von n. ab; veraltend n. und nimmer(mehr) niemals: das glaube ich n. und nimmermehr; sie werden nun und nimmer eine Barauslage … wagen G. Keller 6,45 (Pankraz) ; /mit Hinweis auf vorangegangenes Geschehen, Sein/ jetzt, unter diesen Umständen: Nun, wo ich am Ziel der Reise bin, kommen mir plötzlich Bedenken Jens Mann 14; ich habe vorige Woche geschrieben, n. bist du an der Reihe; was soll n. aus dir werden?; bist du n. zufrieden?; was sagst du n.?; n. erst machte es mir richtig Spaß; das hast du n. davon!; Kleiner Mann – was nun? Fallada /Buchtitel/; umg. n. gerade!; salopp wie stehe ich n. da!; /schließt eine Folgerung an/ du hast das Unglück verschuldet, n. mußt du auch dafür einstehen, du mußt n. auch dafür einstehen
II. /partikelhaft, ohne eigentliche Bedeutung/
1. /dient als Hinweis auf eine Situation, die zu einer dem n. folgenden Feststellung oder Frage Anlaß gibt/ n., da läßt sich nichts machen; Warum dürfen wir denn nicht hineingehen? Nun, solange es nicht geläutet hat, dürfen wir nicht hineingehen Kafka Amerika 304; n., du wirst ja sehen; n. denn!; n., meinetwegen; umg. n. ja, wir können es nicht ändern; du weißt es nicht? Nun schön, n. gut, ich will es dir sagen; n. wenn schon!; die Rezitative … erklären sie für albernen Singsang, aber je nun, man findet sich damit ab H. Kant Aula 388; Nun, Ingenieur, wie hat der Granatapfel gemundet? Th. Mann 2,503 (Zauberb.) ; n., was sagst du dazu?; kommst du mit? Nun? /dient der Verbindung und Fortführung der Rede, Erzählung/ n. aber ist nicht zu leugnen, daß …; n. lebte A damals in einer kleinen Stadt …; Als sie nun zum Scheiterhaufen geführt wurde Grimm Märchen 1,172
2. eben, so wie die Dinge liegen: /häufig vor einmal / das ist n. einmal so; wenn es n. einmal sein muß, dann gleich; als passionierter Einzelgänger, der ich nun mal bin Schnurre Rechnung 19; So geht die Welt nun. Es gibt allerwegen / Unglücks genug Schiller Tell IV 3
3. n., n.! /dient als begütigender, beschwichtigender Zuspruch/: Ein Mann mit Hasengesicht … sagte knapp: Es fehlen zweiunddreißig Kommata. Nun, nun, sagte der Weißhaarige und gab rasch einem Jüngeren … das Wort H. Kant Aula 29

WDG, 4. Band, 1974

nun, Konj.

2nun /Konj./
geh. veraltend /leitet einen temporalen Gliedsatz ein/ als: Und nun sie endete, brach er in stürmisch überzeugten Beifall aus H. Mann 2,176; Nun ich sie wiedersah, wußte ich sogleich … Hartung Wunderkinder 62; /der Gliedsatz ist sowohl temporal als auch kausal/ jetzt, da: das Kleid sah doch noch erträglich aus, nun sie es mit einem Spitzenkrägelchen … ausstaffiert hatte Viebig Weiberdorf 163; Denn, nun / Es einmal sein muß, will ich das Orakel / Mit meinem Blut und Opfertode tilgen Schiller Iphigenie V 6

Im WDG stöbern

a b c d e f g h i j
k l m n o p q r s t
u v w x y z - ' & µ
Novelle
Zitationshilfe
„nun“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/nun>, abgerufen am 25.11.2020.

Weitere Informationen zum Zitieren …


Weitere Informationen zum Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)