Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

ruhen, Vb.

ruhen /Vb./
1. geh. jmd. ruht jmd. findet Entspannung
a) jmd. ruht sich aus, erholt sich: auf einer Bank, im Lehnstuhl r.; im Schatten eines Baumes r.; das Kind ruht an der Brust der Mutter; die müden Glieder r. lassen; laß uns unter dieser Eiche ein wenig r.! /sprichw./ nach getaner Arbeit ist gut r.; nach dem Essen soll man r. oder tausend Schritte tun; der ruhende Wanderer; /bildl./ d. Wald, See ruht still (liegt ruhig da) ihre fleißigen Hände ruhten nie (sie arbeitete immer) den Geist r. lassen (sich geistig nicht anstrengen) /übertr.; mit Verneinung/ die Angelegenheit läßt mich nicht r. (beschäftigt mich dauernd) er will nicht r. (er will in seinen Anstrengungen nicht nachlassen), bis alles geregelt ist ich will nicht r. und rasten (ich will unermüdlich tätig sein) nicht (eher) r., bis … (nicht aufhören, bis …)
b) jmd. schläft: gut, lange, bis zum Morgen r. ich wünsche wohl zu r.! /Wunsch beim Schlafengehen/; wie haben Sie geruht?; /bildl./ geh. verhüll. jmd. ist, liegt begraben: auf dem Friedhof, im Grabe r.; ruhe sanft!, ruhe in Frieden!, hier ruht (in Gott) … /Grabinschriften/ laß die Toten r. (sprich nichts Nachteiliges über die Toten)!
2. etw. ruht etw. geht nicht weiter
a) etw. ist zum Stillstand gekommen: d. Maschine, Arbeit, Betrieb, Geschäft, Produktion ruht; während der Demonstration ruhte der Verkehr; im Winter ruht die Binnenschiffahrt /bildl./ d. Acker, Boden ruht (liegt brach) Wir dürfen glücklich sein, daß die Waffen ruhn (daß der Krieg zu Ende ist)! Bredel Söhne 250; jmd. ist der ruhende Pol (feste, Ruhe ausstrahlende Punkt)
b) etw. ist vorübergehend nicht wirksam: e. Mitgliedschaft, Vertrag, Arbeitsverhältnis ruht; Jur. e. Prozeß, Verfahren ruht; eine ruhende Klage
c) Neupräg. BRD Verkehrsw. der ruhende Verkehr (auf öffentlichen Straßen und Plätzen abgestellte Fahrzeuge)
3. etw. ruht auf, in etw., jmdm. etw. liegt auf, in etw., jmdm.
a) geh. etw. befindet sich auf, in einer bestimmten Stelle: seine Hand ruht auf ihrem Arm; /bildl./ ihr Auge ruht (verweilt) auf seinem Antlitz Sein Blick ruhte … in Ulrikes Augen Andres Liebesschaukel 118; sein Schicksal ruht in ihren Händen (ist in ihre Hände gegeben)
b) etw. findet seine Stütze auf, in etw.: die Brücke ruht auf vier Pfeilern; der Balken ruht in zwei Haken /bildl./ etw. lastet auf jmdm., etw.: diese Aufgabe, Verantwortung ruht auf ihm; alles ruht auf seinen Schultern; ein schwerer Verdacht ruhte auf ihnen; e. Schuld, Hypothek ruht auf dem Grundstück;

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Zitationshilfe
„ruhen“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/ruhen>, abgerufen am 18.01.2021.

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