Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

satt, Adj.

satt /Adj./
1. ohne Bedürfnis zu essen, nicht (mehr) hungrig: s. sein, werden; bist du schon s.?; jetzt bin ich aber endgültig s.; salopp wenn ich sein blasiertes Gesicht sehe, bin ich schon s. (habe ich genug) er war so s., daß er sich kaum noch rühren konnte; Die Ziege antwortete: / Ich bin so satt, / Ich mag kein Blatt: meh! meh! Grimm Märchen 1,126 (Tischchen deck' dich) ; /sprichw./ wenn die Maus s. ist, schmeckt das Mehl bitter; von diesem Essen bin ich nicht s. geworden; er wird einfach nicht mehr s.; sich (an etw.) s. essen; in seiner Jugend konnte er sich nie richtig s. essen; umg. der Junge ist kaum s. zu kriegen; dieses reichhaltige Essen macht s. (stillt schnell den Hunger) ein s. Magen; scherzh. das s. Gefühl kommt nach; Er graunste wie ein satter Kater in der Sonne O. M. Graf Bolwieser 104; sich s. trinken; /übertr./ das Auge, er konnte sich daran nicht s. sehen (konnte nicht aufhören hinzusehen) Man sieht sich leicht an Wald und Feldern satt Goethe Faust I 1102; genug: viele Menschen auf der Welt haben noch nicht s. zu essen; landsch. satt Brot, Milch haben, bekommen
2. /übertr./ abwertend selbstzufrieden, selbstgefällig: ein s. Lächeln, Gesicht, Behagen, Leben; s. Sicherheit, Zufriedenheit; die satte und zahlungsfähige Moral des deutschen Spießbürgers Mehring Lessing-Legende 455; der s. Bürger, Philister; ein Krieg der Zufriedenen und Satten, der Vornehmen und Pfründeninhaber … gegen das Volk, die Armen, die Entrechteten Bredel Väter 28
3. s. (volle, warm leuchtende) Farben, Farbtöne die Herbst- und Wintermode bevorzugt gedämpfte, s. Töne; ein s. Grün, Rot, Blau; Jakob Filters Lodenmantel war von sattem Vorkriegsförstergrün H. Kant Aula 291; geh. s. grüne Wiesen; s. (saftig grünes) Laub das s. (warm) leuchtende Abendlicht
4. etw., jmdn. s. haben, etw., geh. einer Sache, jmds.⌝ s. sein, werden einer Sache, jmds. überdrüssig sein, werden: d. Leben, Großstadt, jmds. Benehmen, Gerede (gründlich) s. haben; sie hatte diese eintönige Arbeit schon lange s.; nun habe ich aber deine ewigen Ausreden s.!; ich bin, habe es s., mich von ihm bevormunden zu lassen; er hatte dieses Treiben s. bis zum Überdruß, umg. bis an den Hals, bis zum Halse; ich habe es restlos s. mit ihm, habe ihn einfach s.; zwei Jahre nach der Hochzeit hatten sie sich endgültig s.; geh. Ich bin des trocknen Tons nun satt Goethe Faust I 2009; umg. etw., jmdn. s. bekommen; du wirst es schon noch s. kriegen, ihr nachzulaufen; er wurde nicht s. (müde), ihre Vorzüge zu schildern
5. schweiz. eng, knapp: ein s. anliegender Pullover; das Bein wird von diesem vollelastischen Wollstrumpf s. umschlossen;

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Zitationshilfe
„satt“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/satt>, abgerufen am 06.08.2020.

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