Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

sauer, Adj.

sauer /Adj./
1. /Geschmacksbez./
a) die Schleimhäute des Mundes zusammenziehend und viel Speichel absondernd, wie eine Zitrone oder Essig schmeckend, Ggs. süß: etw. schmeckt s. (wie Essig); d. Zitrone, Rhabarber ist sehr s.; s. Drops, Bonbons, Kirschen, Gurken; dieser Wein ist mir zu s. (herb) mit, in Essigwasser: Kürbis s. einkochen; Heringe, Tomaten, Pilze, Pflaumen, Bohnen s. einlegen; es stößt ihm s. auf, umg. kommt ihm s. hoch⌝(die Magensäure steigt auf), weil er zu fett gegessen hat /übertr./ salopp das wird ihm noch s. aufstoßen (das wird ihm noch Schwierigkeiten bereiten, wird üble Folgen für ihn haben) er muß in den s. Apfel beißen (muß etw. notgedrungen tun) salopp jmdm. Saures geben jmdm. unverblümt die Meinung sagen; jmdn. prügeln: gib ihm Saures!; [er] gab ihnen mit seiner Rute Saures A. Zweig Beil 399
b) durch Gärung dick geworden, geronnen: s. Milch essen; d. Milch, Kaffeesahne ist s. geworden;
c) durch Gärung verdorben: d. Bier, Most, Wein ist s. geworden; die Suppe von gestern riecht schon s.; die enge Straße war voll von s. Gerüchen; in der Gaststube roch es s., war die Luft s.;
2. mühsam, schwer, schwierig, unerfreulich: jmdm. das Leben s. machen; sein Brot, seinen Unterhalt s. verdienen; das ist s. erworben er kaufte sich /Dat./ von seinem s. verdienten, ersparten Geld ein Häuschen; Kartoffelsammeln ist eine s. Arbeit; daß ich den sauren Gang zu Tante Schwabe unverzüglich antreten müsse G. Hauptm. 4,247; er schrieb den Brief mit s. Mühe; eine s. Pflicht ausüben müssen; er hat ein s. Leben, s. Tage, Jahre gehabt; Saure Wochen, frohe Feste! Goethe Schatzgräber; sich /Dat./ etw. s. werden lassen (sich mit etw. abmühen) etw. wird jmdm. s. etw. fällt jmdm. schwer: d. Stehen, Gehen wird ihm schon s.; der Abschied wird mir s.!; der Weg über das verschneite Gebirge ist ihnen s. geworden; geh. etw. kommt jmdn. s. an (fällt jmdm. schwer)
3. ärgerlich, verdrießlich, mißmutig: ein s. Gesicht machen, schneiden, ziehen; etw. mit s. Miene, Lächeln tun; eine s. Bemerkung fallenlassen; er sah mit s. verzogenem Mund zu; salopp sie reagierten auf den Witz s.; er hat auf das Ansinnen s. reagiert (ging nur widerwillig darauf ein, lehnte es indirekt ab) Neupräg. salopp jmd. wird, ist s., sieht s. aus
4. Landw. mit einem hohen Säuregehalt: ein s. Boden; in dieser Gegend gibt es meist s. Wiesen; die Fuchsien gedeihen am besten in leicht s. Erde; s. Gras, Futter;
5. Chem. säurehaltig, wie Säure: ein s. reagierendes Sekret; die Reaktion des Schlangengifts ist leicht s.; s. Reagenzien, Gewässer, Gesteine, Salze, Farbstoffe; daß alte, besonders stabile Bücher entweder ganz schwach sauer oder leicht alkalisch sind Urania 1960
6. salopp
a) das Auto ist s. das Auto hat einen Motorschaden, streikt: sein Wagen hat auf der langen, schwierigen Fahrt nicht ein einziges Mal s. gemacht; der Motor ist so konstruiert, daß er 120 Stundenkilometer fährt, ohne s. zu werden;
b) bes. Sport kraftlos, stark ermüdet, erschöpft: nach zwanzig Kilometern im Marathonlauf wurde er restlos s.; als sein einziger Verfolger s. wurde (im Rennen zurückfiel, den Kampf aufgab), holte sich der Rennfahrer in einer phantastischen Alleinfahrt den Sieg jmdn. s. machen jmdn. stark erschöpfen, schwächen: er machte seinen Gegenspieler in der zweiten Halbzeit s.;

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Zitationshilfe
„sauer“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/sauer>, abgerufen am 25.09.2020.

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