Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

saugen

saugen, saugte (sog,) hat gesaugt (hat gesogen)
1. etw., bes. Flüssigkeit, einziehen, in sich aufnehmen
a) unter Anspannung der Mundmuskulatur: das Kälbchen saugt (am Euter); die Ferkel saugten quiekend; ein saugendes Junges; der Säugling saugt an der Mutterbrust, Flasche; das Kind saugt Milch aus der Flasche; er saugt den Saft aus der Apfelsine, die Milch aus der Kokosnuß; sie s. mit dem Strohhalm die Limonade aus dem Glas; Gift, Blut aus einer Wunde s. /bildl./ salopp sich /Dat./ etw. aus den Fingern s. etw. erdichten, erfinden: so ein Gerücht saugt sich keiner aus den Fingern; diese Behauptung hat er sich aus den Fingern gesogen, gesaugt; jmdm. das Mark aus den Knochen s. (jmdn. ausnutzen, ausbeuten, allmählich ruinieren)
b) mit dem Saug- oder Stechrüssel: die Mücken s. Blut; die Bienen s. Nektar (aus den Blüten); die Zweiflügler s. Pflanzensäfte;
c) mit den Wurzelfasern: die Wurzeln s. die Feuchtigkeit aus dem Boden /bildl./ Die Sonne sog die Kälte aus der Erde L. Frank 1,331 (Männerquartett)
d) geh. Luft tief einatmen, einsaugen: er sog die frische Luft durch die Nase; er sog den Zigarettenrauch in seine Lungen;
2. /übertr./ geh.
a) etw. in sich s. etw. intensiv aufnehmen, einsaugen: dessen [des Sommers] Nächte und Tage er erlebt und ganz in sich gesogen hat Hofmannsth. Prosa I 244; Mit wahrer Gier saugt Harry Heine jedes Wort Schlegels in sich Steinberg Tag 170; Ihre saugenden Grauaugen verfolgten ihn bei allem, was er tat Strittmatter Wundertäter 243
b) etw. aus etw. s. etw. aus etw. gewinnen, schöpfen: er sog neue Kraft, Anregungen, Mut aus dem Erlebnis, Kunstgenuß; Vielleicht hätte ich eine allzu große Beruhigung daraus nicht gesogen G. Hauptm. 4,281
3. an etw. s. unter Anspannung der Mundmuskulatur, die dabei ein Vakuum erzeugt, mit den Lippen, dem Mund an etw. ziehen: er saugt an seiner Pfeife, der Zigarette; er sog an der Oberlippe, seinen Zähnen; das Kind saugt (lutscht) am Daumen, an den Fingern der Bär saugte an seinen Tatzen; /bildl./ salopp an den Hungerpfoten s. (Hunger leiden)
4. /nur saugte, hat gesaugt/ einen Teppich s. (einen Teppich mit dem Staubsauger reinigen)
5. sich voll mit Flüssigkeit s. sich mit Flüssigkeit anreichern, füllen: d. Schwamm, Badetuch, Schuh hatte sich voll Wasser gesogen; Flüssigkeit saugt sich in etw. Flüssigkeit dringt in etw. ein: d. Tinte, Wein hat sich in das Tischtuch gesaugt;

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