Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

schenken, Vb.

schenken /Vb./
I.
1. jmdm. etw. ohne Gegenleistung zu dauerndem Besitz geben, um ihn damit zu erfreuen: einem Kind ein Buch, eine Tafel Schokolade s.; einer Frau einen Strauß Blumen, kostbaren Schmuck s.; er wollte sich nichts s. lassen; jmdm. etw. zum Geburtstag, zu Weihnachten s.; jmdm. etw. als Andenken, zur Erinnerung s.; etw. geschenkt bekommen; Wollen Sie uns nicht den Nachmittag schenken (den Nachmittag mit uns verbringen)? G. Hauptm. Einsame Menschen I; Ich halte deine Hand wie ein Leben, das uns noch einmal geschenkt ist Frisch Don Juan III; umg. ihm ist im Leben nichts geschenkt worden, er hat sich alles mühsam erarbeiten müssen; das, den möchte ich nicht geschenkt haben, bekommen, nehmen; für den Preis ist das wirklich, halb, fast geschenkt (das ist sehr preiswert) /sprichw./ einem geschenkten Gaul sieht, umg. guckt⌝ man nicht ins Maul (ein Geschenk muß man, auch wenn es Mängel hat, nehmen, wie es ist) Kinderreim geschenkt ist geschenkt und wiederholen ist gestohlen; /bildl./ geh. dem Mann, Gatten ein Kind s. (ein Kind zur Welt bringen) einem Kind das Leben s.; sich einem Mann s. (sich einem Mann hingeben) jmdm. das Leben s. (ihn am Leben lassen, nicht töten)
2. jmdm. etw. zukommen lassen, zuwenden, gewähren /dient in abgeblaßter Bedeutung zur Umschreibung eines Verbalbegriffes/ jmdm. seine Achtung s. (jmdn. achten) jmdm., einer Sache, einem Vorgang Aufmerksamkeit, Beachtung s. (beachten, sich einer Sache widmen) jmdm., jmds. Worten Gehör s. (jmdn. anhören) einer Bitte Gehör s. (eine Bitte erfüllen) jmdm., jmds. Worten, Versprechungen Glauben s. (glauben) jmdm. sein Herz, Herz und Hand, Liebe, Zuneigung s.; geh. jmdm. ein geneigtes Ohr s. (jmds. Anliegen wohlwollend anhören) jmdm. Vertrauen s. (jmdm. vertrauen)
3. jmdm., sich etw. ersparen, erlassen
a) jmdm. wird, bleibt nichts geschenkt jmd. muß etw., alles ertragen, erdulden: wir haben gewußt, daß uns dabei nichts geschenkt würde; umg. in diesem kitschigen Roman bleibt uns aber auch nichts geschenkt
b) umg. sich /Dat./ etw. s. (können) etw. besser, lieber unterlassen: das gehört nicht zur Sache, das hätten sie sich s. können; dies Buch zu lesen, kannst du dir s.; s. wir uns anzuhören, was sie sagt!;
II. geh. veraltend ein Getränk in ein Trinkgefäß eingießen, einschenken: Kaffee in eine Tasse s.; Wein aus einem Tonkrug in die Gläser s.; zum Braten wurde ein saurer Landwein geschenkt; ein Getränk einfüllen und verkaufen, ausschenken: kümmerte ihn die Polizeiverordnung nicht, denn wer konnte wissen, ob er Brot buk oder Schnaps schenkte? Viebig Schlafendes Heer 164

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Zitationshilfe
„schenken“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/schenken>, abgerufen am 29.10.2020.

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