Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (WDG)

WDG, 4. Band, 1974

scheren

1scheren, schor, hat geschoren
etw. mit einem Schneidewerkzeug sehr kurz schneiden
a) bes. Haare ganz kurz über der Haut: jmdm. das Haar s.; das Haar geschoren bekommen; das Haar kurz geschoren tragen; veraltend den Bart s. (rasieren) den Kopf kahl, eine Glatze s. (alle Haare abschneiden) mit (kurz, kahl) geschorenem Kopf; jmdn. s. jmds. Kopfhaar (kahl) schneiden: jmdn. (mit einem Rasiermesser) s.; ein Tier (sein Fell) s.: Schafe, Hunde s. die Wolle von den Schafen s.; Mein Großvater hat seine Schafe noch selber geschoren Frisch Nun singen sie wieder 5; den Rasen, das Gras s.; Teppiche, Tuche, Samt s.; eine geschorene Rasenfläche /bildl./ Ringsumher haben die Traktoren die Felder geschoren (gemäht) Strittmatter Tinko 370 sein Schäfchen, Schäflein, seine Wolle s. seinen geschäftlichen, finanziellen Vorteil geschickt wahrzunehmen verstehen: jeder hofft, daß er noch vor Toresschluß sein Schäfchen scheren werde Weerth 2,431; /übertr./ umg. jmdn. (um etw.) s. jmdn. (um etw.) betrügen: der Borkhausen hatte sie eben um zweitausendfünfhundert geschoren Fallada Jeder stirbt 269; alle(s) über einen Kamm s. (alle(s) mit demselben Maßstab messen, unterschiedslos behandeln)
b) einen Baum, eine Hecke zurechtschneiden, stutzen: die Hecke s.; das alte Haus mit der viereckig geschorenen Linde Storm 4,41 (Pole Poppensp.)

WDG, 4. Band, 1974

scheren, Vb.

2scheren /Vb./
I. fachspr. Unebenheiten glattschleifen, beseitigen: die scherende Kraft der Strömung; die schleifende und scherende Wirkung der Seewinde Urania 1962
II. Sport mit den Beinen eine Schere machen: Beide Beine heben und senken, kreisen … grätschen und scheren Gesundheit 1960

WDG, 4. Band, 1974

scheren

3scheren(er schert/ geh. veraltend er schiert,) scherte, hat geschert
1. etw., jmd. schert jmdn. etw., jmd. ist jmdm. gleichgültig, kümmert, stört jmdn. nicht: /nur verneint oder fragend/ es scherte ihn wenig, was aus ihr würde; Aber als richtigen Zimmermann scherten ihn die Späne nicht Bronnen Deutschland 134; Aber was scherte uns morgen Welk Hoher Befehl 69; Sie schiert mich nichts, soll tun und lassen, was sie mag Sternheim Hose IV 3; Was schert mich Weib, was schert mich Kind! Heine 1,40 (Grenadiere) ; salopp derb das schert euch einen Dreck (das geht euch gar nichts an) Es scherte sie beide doch einen lackierten Teufel, wenn der jetzt seinem Schipper noch nachträglich aufs Dach stieg A. Zweig Erziehung 323
2. umg. sich um etw., jmdn. s. sich um etw., jmdn. kümmern, sich mit etw., jmdm. befassen: /nur verneint/ wir scherten uns nicht um das Verbot; Ich schere mich wenig um das, was man nach meinem Tode über mich denkt Feuchtw. Tag 121; sie wird sich um einen Krüppel nicht viel scheren Feuchtw. Goya 506; salopp er hat sich einen, den Teufel um die Verkehrszeichen geschert; salopp derb sich einen Dreck (gar nicht) um etw., jmdn. s.

WDG, 4. Band, 1974

scheren, Vb.

4scheren, sich /Vb./
salopp sich entfernen, fortbegeben: /meist im Imp. und mit Richtungsangabe/ er hat sich nach Hause geschert; scher dich an die Arbeit, auf den Boden, aus dem Haus, ins Bett, in die Küche, nach Hause, zu deinesgleichen, von der Stelle!; /in Flüchen, Verwünschungen/ scher dich zum Kuckuck, Henker, Teufel!; veraltend scher dich! geh weg!: Er fuhr sie an: Scher dich! Seghers 3,170 (Rettung)

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Zitationshilfe
„scheren“, in: Wörterbuch der deutschen Gegenwartssprache (1964–1977), kuratiert und bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/wdg/scheren>, abgerufen am 27.10.2020.

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